Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

Seite: 85
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Archiv für christliche Kunst.

Organ öes Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Rnnst.

Heransgegeben und redigirt von Professor Dr. Reppler in Tübingen.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Annstvereins, für denselben: der Vorstand Professor Dr- Aeppler

Or.io.

Erschein! monatlich einmal. Halbjährlich für Ji 2.05 dnrch die württembergischcn (J(* 1.90
im Stuttgarter Bestellbezirk), Ji 2.20 dnrch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden
auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags direkt
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstraße 94, zum
Preise von Jt 2.05 halbjährlich.

[894.

Die Gemäldesammlung des bischöf-
lichen Diözesan-Aluseums in Rotten-
burg a. XL.

Den Grundstock dieses Museums, dessen
Gründung wir in Nr. 1 dieses Jahrgangs
den Mitgliederli des Diözesanknnstvereins
und den Lesern des„Archivs" angezeigt haben,
bildet eine in zwei geräumigen Sälen im
oberen Stock des bischöflichen Palastes
untergebrachte Sammlnilg meist altdeutscher
Gemälde. Die Mehrzahl derselben erwarb
der hochselige Bischof Joseph voll Lipp um
den Preis voll 3500 sl. von dem bekannten
Kirchenrath Dr. Dur sch in Rottweil. Die
Herkunft der einzelnen Bilder war dilnkel,
einzelne, wie es scheint von Dursch unb
Maler Lang stammende Notizen theils
offenbar unrichtig, theils ztveifelhaft. Man
beschloß daher, eine anerkannte Autorität
beizuziehen. Im August d. I. hatte Herr
Professor Hauser, Königl. Conservator der
staatlichen Gemäldegallerien in München,
die Güte, Einsicht von den Bildern zu
nehinen und mit dem ihm eigenen Scharf-
blick die Provenienz der einzelnen Bilder
zu bestimmen. Ans Grund seiner Urtheile
wurde der nachfolgende Katalog angelegt.

Ans ihm ist zu ersehen, daß in der
Sammlung voll 60 Gemälden die Meister
Hans Schühlein, Bernhard Strigel, Hans
Bnrgkmaier, Hans Holbein der Aeltere,
Bartholme Zeitblom, Martin Schaffner,
Wolf Traut, Hans Schänfelin u. a. mit
zum Theil sehr bedeutenden Bildern ver-
treten sind. Der Werth der Samnilnng steht
somit außer Zweifel, wird aber allerdings
dnrch die Thatsache bedeutend herabgedrückt,
daß beinahe alle Gemälde dnrch die Hand
unverständiger Restauratoren schwer gelitten
haben. Diese Knnstvandalen waren sichtlich
nicht bloß etwa darauf bedacht, Schäden
auszubessern, sondern sie wollten durch ihre
Nachhilfe die Bilder aufdonnern, ihre

Farbenkraft steigern, um sie blöden und
unverständigen Angen anznschmeicheln.
Darum wurden namentlich auch viele alte
gemusterte Goldhintergründe ganz mit nenein
schreiendem, gellendem Goldlack übersalbt,
so hoch und so kräftig, daß mitunter die
Musterung kaum mehr dnrchschimmert. Znm
Glück erscheint es nicht gerade unmöglich,
bei manchem Bild die Uebermalnng wieder
abznilehmen, weil jene Restauratoren in
der Regel den Firniß über der ursprüng-
lichen Farbe beließen und ihre Pinsel ans
diesem Firniß spazieren führten. Wir be-
ginnen mit Aufzählung und Vorführung
der Gemälde; für die kurzen Notizen und
Charakteristiken, welche wir den einzelnen
Künstlernamen beifügen, wurde der eben
erschienene vortreffliche Grundriß der Kunst-
geschichte von Dr. Friedr. Freiherrn Göler
von Ravensburg (Berlin, Dnncker 1894)
benützt.

Nr. 1 und 2. S t. G e o r g u n d I o h a n-
nes Baptista, mit knieendem Ritter
als Stifter und St. Barbara und
Margaretha, erstere mit Thurm,
letztere mit dem Drachen, nebst knieender
Stifterin; Rückseite: Mariä Verkündig-
ung. Zwei Flügeltafeln 174 cm hoch, -
72 cm breit. Entweder sehr frühe Werke
Z e i t b l o m s oder wahrscheinlicher Werke
seines Lehrers Hans Sch ü h l e i n, lei-
der stark übermalt.

Hans Schühlein (Schüchlin), Gründer der
Ulmer Schule geb. ca. 1440, gest. 1505; sein
Stil ist ein maßvoller Realismus, seine Rich-
tung mild, ruhig; Hauptiverk der Hochaltar in
Tiefenbrvnn. Janitschek, Geschichte der deutschen
Malerei, Berlin 1888—89, S. 256 ff.

Nr. 3, 4, 5, 6. Das Martyrium der
h l. B a r b a r a und Margaretha,
vier Holztafeln von 73 cm Höhe, 39 cm
Breite. Nr. 3: St. Barbara, bis an die
Kniee in einem Teich stehend, wird ge-
tauft; sie entflieht in eitle Felslandschaft;
im Vordergrund kommt ihr Vater mit
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