Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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Nr. 29. Kr ö n u n g Mariä unter orna-
mentirtem Architekturbogen, mit kleinen
musizirenden Engeln; auf Holz, 144 zu
72 cm groß. Wahrscheinlich ein frühes
Werk Holbeins des Aelteren.
Hans Halb ein der Aeltere ca. 1460
bis 1524, erster Meister der Augsburger Schule,
leicht empfänglicher, speziell malerisch und colo-
ristisch sehr begabter Künstler. In seiner ersten
Periode bis ca. 1508, von Schonganer aus-
gehend, gehört er dem befangenen Realismus
des 15. Jahrhunderts an, beweist angeborenen,
ächten Sinn für Schönheit und Anmut, nur über-
wiegt noch seine starke Neigung und Begabung
für das Dramatische und Individuell-Charakte-
ristische, die oft bis ins Karrikirte, Häßliche,
Rohe geht (Passionsscenen). Warme Farbe, An-
fangs bräunlich, später reicher. In seiner zweiten
Periode Umschwung zum freien, großen, ge-
läuterten Stil des 16. Jahrhunderts, zu einem
Idealismus, der Charakteristik und Schönheit
verbindet: völliger Durchbruch und Reife seines
Schönheitssinnes. Anfnahnie der Formen der
italienischen Renaissance. Er ist ein Bahnbrecher
der deutschen Renaissance. Frühwerke im Dom
zu Augsburg, im Germanischen Museum zu
Nürnberg, in der Gallerie zu Donaueschingen,
in der Pinakothek in München. Janitschek 1. c.
S. 267 — 280.

Nr. 30. Pieta mit sechs Personen; im
Hintergrund das Kreuz und Jerusalem.
Auf Holz, 110 cm hoch, 90 cm breit.
Wahrscheinlich ein Werk von H erlin.
S. Nr. 22, 23.

Nr. 31 u. 32. L> t. A g u e s u u d U r s il l a,
St. Antonius und Blasius, zwei
Holztafeln, 132 cm hoch, 59 cm breit,
Werke eines Schülers v o it Zeit-
b l o m, unglücklich restaurirt.

Nr. 33. St. Wolf gang mit Beil, Kirche
und Bischofsstab, auf Holz, 132 cm
hoch, 39 cm breit. Ein Werk Zeit-
b l oms oder des Meiste rs des hl.
Quirin (in der Frauenkirche in Mün-
chen, von welchem auch St. Cyprian imb
Cornelius in der Pinakothek sind).

Nr. 34. Tod Martha's (?); eine weib-
liche Person haucht auf dem Sterbebett
die Seele ans, welche zwei Engel in
Empfang nehmen; im Vordergrund kniet
eine Frau mit dem Rosenkranz; auf der
andern Seite des Bettes steht eine vor-
nehme weibliche Gestalt mit Nimbus,
welche die Sterbekerzen anzündet, wäh-
rend der zum Fenster hereinkommende
Teufel mit dem Blasbalg sie wieder
ausznlöschen sticht. Holztafel, 80 cm
hoch, 57 cm breit; auf der Rückseite

die wohl ursprünglichen Zeichen h. p.
(dazwischen ein Meisterzeichen) 1430.
Ein Werk der schwäbischen Schule.

Da das Bild deutlich den Charakter der
schwäbischen Schule zeigt, kann weder an Hans
Pacher, Bruder des Michael Pacher, des größten
Tyroler Meisters im 15. Jahrhundert, noch an
Hans Pleydenwnrff, den ersten großen Meister
der fränkischen Schule, thätig von 1451—1472,
gedacht werden.

Vom Hingang der hl. Martha weiß die Le-
genda aurea des Jakobns a Voragine zu be-
richten, die Heilige habe im Vorgefühl ihres
Todes die Ihrigen gebeten, bei angezündeten
Lichtern bis zum Tode um sie zu wachen. Nur
Mitternacht, als die Ihrigen eingeschlafen waren,
haben die Dämonen die Lichter ausgelöscht: aber
alsbald sei auf das Gebet der Sterbenden hin
die schon früher verstorbene Schwester Maria
erschienen und habe die Lichter wieder ange-
zündet.

Nr. 35. D i e A n b e t u n g derdreiKö-
nige. Zwei aneinandergestoßene Flügel
> on je 165 cm Höhe, 90 cm Breite,
mit reicher Landschaft, ohne St. Joseph.
Ulmer Schule, den im Augsburger
Dom befindlichen, fälschlich Zeitblom
zugeschriebenen Gemälden verwandt.

Nr. 36. Christus am Oelberg, auf
Marmor gemalt, italienische Arbeit,
39 : 31 cm groß; 17. oder 18. Jahrh.
Nr. 37. Christus in der Vorhölle,
auf Holz, 70 cm hoch, 42 cm breit;
Ulmer Schule, unbedeutend.

Nr. 38, 39. St. Sebastian und St.
M i ch a e l, S t. I o h a il n E v a u g e-
lista und Jakobus, 2 Holztafeln,
je 94 cm hoch, 63 cm breit, mit etwas
landschaftlichem Hintergrund und mit
Wappen. Nördlinger Schule. S.
Nr. 18, 19, 27, 41.

Nr. 40. Triptychon: Darstellung
Jesu im Tempel, Tod Mariä,
D a r st e l l u n g M a r i ä i m Tempel,
je 75 cm hoch, 34 cm breit; überaus
feine, leider durch Restauration verdor-
bene Gemälde von Wolf Trant.
Ungefähr gleichaltrig mit Dürer, vielleicht tvie
dieser in Wohlgemnts Werkstatt gebildet, gest.
1520, war Wolf Trant bisher nur durch ein
einziges mit ^seinem Namen bezeichnetes Werk
bekannt, das Altarwerk aus der Kirche zu Artels-
hofen bei Hersbrnck, jetzt im Nationalmnseum zu
München. Das obige Bild ist das zweite bisher
aufgefundene Werk seiner Hand.

Nr. 41. T r i p t y ch o n: G e b u r t C h r i st i,
Jesns im Tempel, Pieta, 3 Ta-
feln, je 75 cm hoch, 35 cm breit;
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