Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

Seite: 105
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Archiv für christliche Runst.

Grgan des Rottenburger Diözefanwereins für christliche Kunst.

perausgegeben und redigirt von Professor Dr. Aepxler.

Verlag des Rottenburger Diözesan-Aunstvereins, für denselben: der Vorstand Professor Or. Reppler.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich für JL 2.05 durch die wnrttembergischen (Jt 1.90
im Stuttgarter Bestellbezirk), Jt 2.20 durch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schweiz zu beziehen. Bestellungen werden % Q/\ a
l» 1 \L* auch angenommen von allen Buchhandlungen, sowie gegen Einsendung des Betrags direkt lOMZL.
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstratze 94, zum 1

Preise von Ji 2.05 halbjährlich.

Nach beinahe zehnjähriger Führung der Redaktion lege ich dieselbe, durch eine
Veränderung meines Wohnsitzes veranlaßt, mit der heutigen Nummer in die
Hände meines Bruders, des

ötadtpfarrers (§. Keppler in Hreudenstadt,

auch fernere Mitarbeit mir vorbehaltend. Mit dem Danke für viele werthvolle
Unterstützung, die mir geworden, und für das rege Interesse und treue Ausharren
der Abonnenten verbinde ich die Bitte, dem Archiv auch fernerhin die Sympathien
bewahren zu wollen und es durch materielle und geistige Hilfeleistung in den Stand
zu setzen, mit Nachdruck und Erfolg weiterznarbeiten im Dienste der heiligen Kunst.

Tausch- und Manuskriptsendungen, Anfragen ic. re. bitte ich ferner nicht an mich, sondern
an die obenstehende Adresse zu richten; Geldsendungen rc. rc. an die Expedition des „Deutschen
Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstraße 94.

Frei bürg, 1. Dez. 1894. Professor Dr. Keppler.

Nachrichten über in Württemberg
gefundene alte Wandmalereien.

(Schluß.)

In das Bogenfeld der zweiten Travee
schneidet die spitzbogige Thüre ein, welche
in den Chor führt, womit der Maler bei
Einordnung eines Bildes rechnet. Im
oberen Zwickel wieder ein Engel, aber
nicht mit Spruchband, sondern mit einer
Krone, dem Lohn für das unten geschil-
derte Martyrium. Wir sehen hier zwei
Darstellungen, durch einen streng stilisirten
Baum von einander geschieden. Links
stehen viele Männer bis zum halben Kör-
per in hochlodernden Flammen; sie strecken
ihre Hände einer etwas höher (ans dem
Thürbogen) stehenden Frauengestalt ent-
gegen, welche eindringlich, beide Hände
ihnen entgegenbreitend zu ihnen spricht. Die
legendarische Erzählung, welche hier in's
Bild übertragen ist, ist folgende. Als die
versammelten Gelehrten sich von der Jung-
frau besiegt erklärten und sich zu Christus
bekannten, befahl der Kaiser, vor Wnth
rasend, sie sofort mitten in der Stadt zu
verbrennen; Katharina ermuthigte sie zum
Martyrium und unterwies sie gründlich
im Glauben; sie gaben dann in den

Flammen den Geist ani, ohne daß Kleider
oder Haare im mindesten vom Feuer ver-
sehrt worden wären. Das zweite Bild
zeigt Katharina am Boden knieend und in
höchster Inbrunst zum Himmel betend.
Vor ihr steht ein Holzgerüst mit einem
Rad, dessen Speichen Schwerter sind und
welches zur Hälfte zerstört ist; ans dieser
Seite fallen die Schwerter herab und jagen
einen Burschen in die Flucht, der im Fort-
springen tölpisch, offenen Mundes znrnck-
schaut. Als Katharina, so weiß die Le-
gende weiter zu berichten, nach zwölftägiger
Kerkerhaft und Nahrnngsentziehung noch
gleich standhaft blieb im Bekenntnis; ihres
Glaubens, sei sie vom Kaiser mit den
furchtbarsten Qualen bedroht worden. Ein
Präsekt habe nun angerathen, ein mit
Schwertern und Nägeln besetztes Rad an-
zufertigen, und durch dieses Instrument
die Hartnäckige in Stücke schneiden zu
lassen. Da sei auf das Gebet der Jung-
frau ein Engel vom Himmel gekommen
und habe die Foltermaschine zerstört.

In der dritten Travee oben wieder
ein Engel; er neigt schmerzlich sein Köpf-
chen und weist mit beiden Händen hinab
auf die Hanptscene. Hier sehen wir den
Kaiser abermals auf dein Thron sitzen,
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