Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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wurde nämlich beauftragt, die zwei Nebenaltäre
in Steinhaufen mit Schreiner-, Bildhauer- und
Faßarbeit, sodann auch die Kanzel zu Schussen-
ried, nebst den zlvei Seitenaltären, welche den
hl. Aposteln und dem hl. Augustinus geweiht
sind, um ungefähr 2000 Gulden auszuführen.
Die Arbeiten in die Klosterkirche Schussenried
hat er nun etwas v o r denen in die Wallfahrts-
kirche Steinhaufen vollendet.

Für denjenigen, welcher weis;, daß erst im
Anfang des vorigen Jahrhunderts eine neue
Kanzel für Schussenried beschafft worden ist,
tvill obiger Kontrakt auf den ersten Blick etwas
auffallend scheinen. Abt Tiber Mangold (1683
bis 1710) schreibt nämlich in seinem Tagebuchs
unter den: 27. Dezember 1706: „Ich habe dem
Meister Mathias Hund, Schreiner zu Ebersbach,
die Kanzel und Stühle in hiesiger Kirche ver-
dingt. Er giebt alles Holz dazu, macht es zu
Hause in seiner Kost. Ich lasse es abholen und
gebe ihm das Essen, während er das Gemachte
hier aufstellt. Au Geld kostet es in allem 100
Gulden." Sodann hat der Prälat Tiber Man-
gold den 25. November 1708 folgenden Eintrag
gemacht: „Ich habe heute hier in der Kirche ge-
predigt, weil mau das erste Mal die neue Kanzel
gebraucht hat. Das Thema tvar: Sie bereiteten
mir einen Sitz (Stuhl), Joh. 29, 7. Es tvurde
davon gesprochen, was die Kanzel für Prediger
rnrd Zuhörer sei."2)

Wer aber die Manier des Prälaten Tib.
Mangold kennt, welcher aus übel angebrachter
Sparsamkeit nach der Devise „billig und —
schlecht" baute, wundert sich nicht, daß schon nach
wenigen Jahren die damals neue Kanzel repa-
raturbedürftig war. Denn Anfangs scheint nur
eine Restaurirung der bisherigen Kanzel
vorgesehen gewesen zu sein. Es liegt nämlich
jetzt noch das Conzept des ursprünglich bloß die
Aufträge für die Schussenrieder Klosterkirche be-
nennenden Vertrages vor. Derselbe lautet:
„Kontrakt ztvischeu dem löblichen Reichsstift und
Gotteshaus Schussenried und Joachim Frühholz,
Bildhauer von Altdorf. 1) Verobligirt sich Joa-
chiiu in allhiesige Kirche zwei Altäre mit neuen
Aufsätzen, mit zwei Kindlein und Laubwerk auf-
geziert , itenr die vier Portale in die Kirche von
Oel, marmorirt, sammt einem Aufsatz zu jedem
von wohl vergoldetem Laubwerk §u machen und
die Kanzel sammt obiger Arbeit in einem solchen
Stand herzustellen, daß das löbliche Gotteshaus
vollkommenes Koutento dabei habe. Dagegen
macht sich 2) das Gotteshaus anheischig, ihm
(Frühholz) 450 Gulden sammt einem — Mast-
schwein zu geben. Die Kost und den Trunk hat
er während der Arbeit atlhier, wie voriges Jahr
zu genießen, und engagirt sich das löbliche Gottes-
haus, die Altäre von hier nach Altdorf und von
da hieher führen zu lassen."* * * * * 8)

(Schluß folgt.)

Z 8epter>Qium quartum Regiminis Tibery

Mangoldt Abbatis Imperialis Ecclesiae Sore-

thanae. Coeptum 10. May 1704—1710, Seite

145.

2) Diarium, Seite 304.

8) Das Original des Vertragsconceptes, bei
dem das Datum fehlt, liegt im Archiv des kgl.

Literatur.

Württembergische Künstler in Le-
bensbildern von August Winter-
l in. Stuttgart, Deutsche Verlaasanstalt

1894.

Der Verfasser bringt auf Seite 57 seines
Buchs die Notiz, daß die mündliche Tradition
über den tüchtigen Bildhauer Scheffauer (ge-
storben 1808) selbst in seiner Vaterstadt Stutt-
gart soviel wie versiegt sei und daß über ihn
auch in kunsthistorischeu Werken nur ungenügende
Auskunft zu erlangen sei. Mau darf sich unter
solchen Umständen nicht wundern, daß außerhalb
Stuttgart eine einigermaßen eingehende Kennt-
nis; der ivürttembergischen Künstler überhaupt,
mit wenigen Ausnahmen, nicht besteht. Die
meisten Freunde der heimathlichen Kunstgeschichte
tvaren, wenigstens für die ältere Generation,
auf die Notizen angewiesen, die seiner Zeit schon
von Göthe niedergeschrieben worden waren. Göthe
verweilte im Jahr 1797 neun Tage in Stutt-
gart; sein Verkehr bewegte sich fast ausschließlich
im Kreise der Künstler und Kunstfreunde da-
selbst, denen er dann einige Neisenotizeu wid-
mete, lute sie jenem Zeitmomente entsprachen.

Es war deßhalb gewiß ein glücklicher Ge-
danke des Verfassers, seine umfaffenden Spezial-
studieu über die württembergischen Künstler in
dem vorliegenden Buche zusammeuzufassen. Der
chronologische Nahmen wurde hiebei nicht sehr
weit ausgedehnt; dem siebenzehuteu Jahrhundert
gehört nur der Baumeister Schickhart an. Reicher
ist das achtzehnte Jahrhundert, da Herzog Carl
nicht bloß ansehnliche Kräfte vom Ausland au
seine Carlsschule berief, sondern auch junge ein-
heimische Talente daselbst heranbilden ließ. Ohne
despotische Eigenmächtigkeiten gieng es freilich
hiebei nicht ab, aber es ist ihm trotzdem man-
cher glückliche Griff gelungen. Der Rest der be-
handelten Lebensbilder gehört dem neunzehnten
Jahrhundert an. Es bestehen somit zwei größere
Gruppen: eine ältere unter den: Herzog Carl
und eine jüngere unter den württembergischen
Königen. Die Verbindung zwischen beiden Grup-
pen tvird hergestellt durch die beiden langlebigen
Künstler, den Bildhauer Daunecker (1758 bis
1841) und den Maler Wächter (1762 bis 1852).
Auch eine Künstlerfamilie Müller zieht sich in
drei Generationen durch den ganzen Zeitraum
hindurch. Die Gesammtzahl der Lebensbilder
ist — Z 41, eine stattliche Anzahl, ohne daß be-
absichligt oder möglich gewesen wäre, sämmtliche
künstlerisch bedeutenderen Persönlichkeiten vvrzu-
führen. Wir unsererseits hätten es gerne ge-
sehen , wenn auch dem Genremaler Pflug von
Biberach ein gebührender Platz hätte eingeräumt
werden können.

Wenn nun auch der Zeitabschnitt, innerhalb
dessen das Buch sich beivegt, keineswegs weit
ausgedehnt ist, so tvar doch, in Ermanglung
von Vorarbeiten, eine langwierige, geduldige
und liebevolle Sammelthätigkeit nöthig, um den

Kameralamtes Waldsee unter der Rubrik: No-
tizen von Seiten des Gotteshauses zu Herstel-
lung der Kirche nebst Znbehörde. 8 (Kasten) 188.
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