Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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Stelle ein imposanter und ungemein har-
monischer. —

Heber Sfulptureu in der Sammlung
des Rirchenrats Dursch

(Lorenzka pelle in R o t t w e i l).

Vvn Pfarrer vr. Probst in Essendorf.

Die mittelalterlichen Skulpturen, die in
der genannten Sammlung vereinigt sind,
verdienen für die Kunstgeschichte nicht min-
dere Beachtung als die Werke der Malerei,
die in anderen Sammlungen enthalten
sind.

Der Gründer derselben, Kirchenrath
Dursch, bat einen Katalog verfaßt, in
welchein die Oertlichkeiten, so weit möglich,
namhaft gemacht sind, in denen sich die
einzelnen Stücke ursprünglich vorgefunden
haben; die Frage aber, welchen Werkstät-
ten und Meistern dieselben angehören
dürsten, wird von ihm nur in den allge-
meinsten Umrissen beantwortet.

In seinem Buch: Aesthetik der christ-
lichen Kunst II. Ausl. S. 569 überläßt
er die Wahl zwischen U l m (I. Syrlin),
K o n st a n z (S. Haider), Rave n s b u r g
(Fr. Schramm) und anderen schwäbischen
Meistern.

Das wird in den allgemeinsten Zügen
wohl richtig sein und ist die Selbstbe-
schränkung und Zurückhaltung, die sich
Dursch hier anserlegt, vollständig anzner-
kennen. Doch ist damit sicher nicht aus-
geschlossen, daß die eine oder andere Gruppe
der in dieser Sammlung vereinigten Skulp-
turen schärfer herausgehoben werde, um
dem knnsthistorischen Zusammenhang der-
selben nachznspüren. Die neueren und
neuesten Untersuchungen von F. £. Kraus,
Bischer und Anderen führen zu dem Re-
sultat, daß die Bedeutung von Konstanz
mehr zurückzutreten scheint, während Ra-
vensburg stärker hervortritt und Memmin-
gen durch den Hans Dapratzhaus neu in
die Reihe der Bildschnitzer des südwestlichen
Schwaben Antritt.

Bei einem nenlichen Besuch in der Lo-
renzkapelle wurde unsere Aufmerksamkeit
besonders durch eine Reihe von Sknlp-
tnren gefesselt, deren stilistische und tech-
nische Uebereinstimmnng unter sich und mit
von anderwärts her veröffentlichten recht
augenfällig sich darstellt und die deshalb

ans einen gemeinsamen Bildungsherd zn-
rückschließen lassen.

Direktor Bode in Berlin gibt in seinem
Buch: Geschichte der deutschen Plastik eine
Abbildung einer im Germanischen Museum
zu Nürnberg befindlichen Skulptur, über
welche er sich S. 186 folgendermaßen
äußert: „Noch unsicherer wird das Ur-
theil gegenüber einer ganzen Reihe durch
ihre ausgeprägte Eigenart zweifellos auf
eine und dieselbe Schule hinweisenden
Schnitzwerke, die wir in fast allen großen
deutschen Museen finden. Der Holzschnitt
gibt eines derselben, eines der schönsten
und umfangreichsten Werke, welches sich
nebst dem Gegenstück im Germanischen
Museum befindet: die in ihrer Bemalung
trefflich erhaltenen Gruppen des h. N.
mit der h. N. Die Köpfe sind augen-
scheinlich Bildnisse. Das auffallendste,
wenn auch nur äußerliche Merkmal dieser
Bildschnitzerschule sind die großen und
liefen Langfalten." Es wird dann von
Bode ttoch auf übereinstimmende Stücke in
Berlin und München hingewiesen; beson-
ders auch ans kleinere Sachen.

Wenn von Bode hier die augenfälligen
Längsfalten mit Recht als ein nur äußer-
liches Kennzeichen bezeichnet werden, so
sagt er andererseits 1 e. S. 111 mit ebenso
viel Berechtigung: „Gerade in der An-
ordnung der Gewänder und der Falten-
gebung läßt sich ein bewußtes Streben
nach Reichthnm und Mannigfaltigkeit, selbst
nach einer gewissen Bravour, die sonst dem
Zeitalter fern steht, nicht verkennen; und
deshalb arten die Künstler am ersten in
ihrer Gewandbehandlnng in Manier ans
und sind deshalb am leich t e st en
an derselben h era uszn erken n en."

Außer Bode hat auch M ü n z e n b e r g e r
den gleichen Skulpturen des Germanischen
Museums in Nürnberg seine Aufmerksam-
keit dadurch zugewandt, daß er dieselben
in dein zuletzt erschienenen Heft seines
Werks: Die Schnitzaltäre Deutschlands re.
im Lichtdruck veröffentlichte. Wir sehen es
nicht als unsere Aufgabe an, diese in man-
cher Beziehung eigenthümlichen Werke der
Skulptur in den großen Sammlungen
weiter anfznsuchen und zu verfolgen; da-
gegen glauben wir auf Grundlage der
Vergleichung der vorhandenen Veröffent-
lichungen das Vorhandensein von derart!-
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