Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 7
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veröffentlichen werde. Obtvvhl er sicher aus
Augsburg und wahrscheinlich aus der Maler-
familie dieses Namens stammt, ist er nirgends,
auch nicht in die Malerbücher, eingetragen, dies
ohne Ziveifel, weil er nicht als Lehrjunge vor-
gestellt wurde und sich in der Folge nicht als
zünftiger Maler in Augsburg aufnehmen ließ.
Es ist nicht strikte zu beweisen, aber als wahr-
scheinlich anzunehmen, er habe Augsburg sehr
jung verlassen. Das würde dann ungezwungen
erklären, warum er in Ravensburg auf der
Altarinschrift Dursch's schon 1480 genannt
wird. —

(Fortsetzung folgt.)

Der Bildhauer Frühholz aus Weingarten
in Aloster öchussenried'fchen Diensten.

Von Kaplan R u e ß in Schussenried.
(Schluß.)

Aus dem so vorgesehenen Transport der
Altäre von Schussenried nach Alldorf und
retour geht hervor, daß Anfangs nur eine
Ausbesserung unb Renovation der Schussen-
riedischen Vertragsobjekte beabsichtigt gewe-
sen sein wird. Nachher aber scheint man
sich zu einer völligen Neue r st e l l u n g der
Kanzel und der genannten Seitenaltäre (Apostel-
und Augustinusaltar) in Schussenried entschlossen
zu haben. In Folge dessen hat sich aber auch
der Preis erhöht. Wir lesen riämlich in dem
Tagebuch des ?. Pankraz Nothelfer J): „Den
24. Januar 17 46 wurden die beiden Neben-
altäre, nebst hiesiger Kanzel, welche dem Herrn
Bildhauer Frühholz für 1000 Gulden accordirt
lvvrdeu sind, von Weingarten nach Schussenried
gebracht."

Außer der Kanzel, dem Apostel- ruid St.
Augustinusaltar in der Klosterkirche zu Schussen-
ried war ihrn, wie oben bemerkt, gleichzeitig
auch die Erstellung der beiden Seitenaltäre
in der Marienwallfahrtskirche zu Steinhausen
anvertraut worden. Er erhielt für die Schrei-
ner-, Bildhauer- und Faßarbeit an denselben
gleichfalls ungefähr 1000 Gulden. Mit diesen
beiden Steinhäuser Nebenaltärcn, welche ihm
vor Errichtung des neuen Hochaltares da-
selbst gleichsain zur Probe übertragen worden
ivaren, kan: er unter allgemeiner Anerkennung
unb Zufriedenheit im Jahr 1 748 zu Ende?)

Weil Frühholz nun das Vertrauet: der Schus-
senrieder Chorherren gewonnen hatte, so wurde
ihm anno 1749 in Stein hause:: a:ich der
Hochaltar samnit der Orgel und Ka::zel
für 2600 Gulden und 6 Maller Kernen ver-
accordiert. Es wurde ihn: die Bedingung ge-
stellt, daß er dei: Hauptaltar ganz nach den: vor-
gelegten Modell sowohl in Bezug auf Schreiner-
als auch auf Bildhauerarbeit aus seine Kostei:
völlig neu herstelle. Das Holz vom früheren
Hochaltar durfte er jedoch verwenden. Endlich
war ihn: auch zur Auflage gemacht, den neue::
Hochaltar, die Kanzel und Orgel accordmäßig zu
fassen, zu polieren und zu vergolden. All diese

*) Seite 148.

2) Archivregister. 6. Band, Seite 873.

Aufträge sind von ihn: schon in: August des
Jahres 1750 vollständtg erledigt worden, f)

In: Jahrgang 1753 sandte Schussenried den
Meister Frühholz nach Winterstettendorf,
dainit er auch in dieser Klosterpfarrei als Altar-
bauer fungiere. Den 4 Juni 1753 ist da-
selbst der alte bisherige Hochaltar:nit der größten
Mühe und Gefahr durch den Maurer Mackloth
abgebrochen worden. Bei diesem schwierigen
Geschäfte wurde derselbe unterstützt von Jo-
hannes Depsenhard, einen: Manne voll Körper-
kraft und Energie. Daß die Niederleguug des
erwähnten Altares in der That nicht ohne Risiko
war, begreift man unschwer, da nach Aussage
von Frühholz der Altar Schuh für Schuh einen
Zentner, somit der ganze nmssige Bau 90 Zent-
ner gewogen hat. Kaum war der Koloß niüh-
san: niedergelegt, so hat Frühholz den neuen
H v ch a l t a r aufgerichtet, aber gleich darauf auch
die beiden neu gebauten S e i tei: altäre. Er
bekan: dafür an: 3. September 1753 in: ganzen
775 Gulden.* 2) Auch die Kanzel der Kirche
zu Winterstettendorf hat Frühholz wenigstens
zun: Theil ausgebessert und dafür 10 Guldei:
Lohn empfangen.3)

In: gleichen Jahre, nämlich den 9. Oktober
1753, durfte Frühholz auch die Pfarrkirche zu
Neichenbach, in: jetzigen Oberamt Saulgan,
mit drei neuen Altären schmücke::.4)

Nachtrag zum Artikel „Die Gebrüder Forch-
ner, ein Künstlerpaar aus Dietenheiiu". „Archiv"
1893. Nr. 11: Die Schussenrieder Chorherren
pflegten :nit ihren Klosterschülern auf den Jahres-,
beziehungsweise Semesterschluß irgend ein Schul-
dra:na zur Aufführung zu bringen. Die Räum-
lichkeit , in welcher diese Schauspiele vor sich
giengen, war in: vorigen Jahrhundert der „obere
Bau", auch „Gartenhaus" oder „Komödienhaus"
genannt. Jetzt ist dieses Gebäude zur Brän-
meisterswohnung geworden. Für diese drama-
tischen Vorstellungen nun hat der Dietenheimer
Maler C h r y s o st v::: u s F v r ch n e r in: Monat
August 1751 ein „neues Theatrum" geinalt.
Dasselbe wurde in: unteren Stock des klöster-
lichen Schauspielhauses aufgeschlagen.6)

Berichtigung. In: ersten Artikel dieser
Abhandlung in No. 12 hat sich auf S. 111
Spalte 1, Zeile 28 von oben ein kleiner Druck-
fehler eingeschlichen; es :nuß dort statt Joh.
29, 7 heißen: Job 29, 7.

Literatur.

Christliche Jkonographi e. Ein Hand-
buch zum Verständniß der christlichen Kunst
von Heinrich Detzel. Erster Band
Mit 220 Abbildungen. Freiburg, Herder
1894 XVI und 583 S.

*) Archivregister von Schussenried. Band 6.
Seite 374.

2) Diarium des P. Pankraz Nothelfer. Seite
179 und 184.

s) P. Nothelfers Diarium, Seite 186.

4) Nothelfers Tagebuch, Seite 186.

5) Tagbuch des P. Pankraz Nothelfer, Seite
290.
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