Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 8
DOI Heft: 10.11588/diglit.15912.3
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15912.9
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15912.10
DOI Seite: 10.11588/diglit.15912#0012
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1895/0012
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
8

Dieses Buch wird nicht bloß von den Mit-
gliedern des Nottenburger Diözesankunstvereins,
welchen es als Vereinsgabe zukvnnnt, sondern
in allen Kreisen christlicher Kunstfrennde mit
großer Freude begrüßt werden, denn es über-
trifft an Reichhaltigkeit des Materials, an grille
der Abbildungen und an Zweckmäßigkeit der
Anordnung alle vorhandenen ikonvgraphischen
Werke. Die bildliche Darstellung Gottes, der
hl. Gottesmutter, der guten nnd bösen Geister,
der göttlichen Geheimnisse tvird nach Möglich-
keit durch die Jahrhunderte hindurch verfolgt,
die Haupttypen derselben historisch und descrip-
tiv vorgeführt ruid kritisch beleuchtet. Diese Ar-
beit erscheint als notwendige nnd willkommene
Ergänzung der rein historisch verfahrenden Kunst-
geschichte, welche den Entivicklungsgang der Kunst
selbst vorführt in den einzelnen Epochen, Schu-
len, Meistern. Bon ganz besonderer Bedeu-
tung aber lvird dieselbe für die kirchliche
Kunstpraxis. Denn wenn diese, tvie der Ver-
fasser in der Einleitung mit Recht betont, ans
die Tradition zu verpflichten ist, so muß ihr
auch diese kirchliche Kunsttradiliou vor Augen
geführt und gedeutet werden unter Hervorhe-
bung dessen, >vas als ihr ivesentlichcr Kern an-
zusehen ist gegenüber unwesentlichen oder selbst
verwerflichen Zuthaten und Anhängseln. Der
keineswegs leichten Aufgabe entledigt sich der
Verfasser mit großen: Geschick, unter fleißigster
Benützung der weitschichiigen einschlägigen Lite-
ratur, mit guter eigener Kenntnis der Haupt-
sammlungen und Hauptwerke und mit sicherem
Bakt und Verständnis für das, was der kirch-
lichen Knust, ihren hohen Objekten und Zielen
entspricht und ziemt.

Enttäuscht würde einigermaßen durch die
vorliegende Ikonographie nur der, tvelcher mit
der Erwartung an sie heranträte, hier eine
streng genetische Entwicklung der verschiedenen
heiligeic Themale und ihrer bildliche!: Behand-
lung zu finden; er könnte sich stoßen an der
oft n:ehr zufälligen und äußerlichen Aneinan-
derreihung von Kunstwerken und Lösungsver-
suchen, au den: Mangel einer tieferen Begrün-
dung und Ergrüudnng der verschiedenen Varia-
tionen des einen und selben Themas. Wer
aber billig urteilt, wird zugeben, daß eilte solch
streng wissenschaftliche Arbeit Vorstudien und
Vorarbeiten und Reisen und Ausgaben an Zeit,
Kraft und Geld erfordern würde, tvelche einen:
Mann in der Lebensstellung des Verfassers un-
möglich zugemutet werden können. Es würde
überhaupt ein Menschenleben nicht ausreichen,
diese Aufgabe zu bewältigen. Sie kann erst
dann gelöst werden, wenn Hunderte von Mo-
nographien und Spezialuntersuchungen vorange-
gangen sind. Mit Recht bemerkt die Vorrede,
daß das in der Abfassung einer Ikonographie
bei dem jetzigen Stand der Forschung liegende
hysteron proteron eben habe in Kauf genommen
werden müssen und daß es rälhlicher erscheine,
eine Unvollkommenheit nach der angedeuteten
Richtung zu riskiren, als die praktische Kunst-
Übung noch länger der Hilfe eines Führers ent-
raten zu lassen.

So kann gesagt werden, daß das Buch den
Zielen, tvelche es sich selbst setzt, in befriedigen-
der Weise entspricht. Es vermittelt besonders
den: Klerus einen Einblick in die Welt der bil-
dende!: kirchlichen Kunst nicht von: historischen,
sondern von: sachlichen Augpunkt aus; Text und
Bild setzen in den Stand und geben einen zu-
verlässigen Maaßstab in die Hand, moderne
Versuche religiöser Malerei zu prüfen auf ihre::
kirchlichen Charakter und Gehalt. Ein Qnellen-
bnch wird die Ikonographie dann namentlich
werden für die ausübende:: Künstler; >vas sie
sonst mit großer Mühe nur zusammenfinden
könnten, lvird ihnen hier gesammelt und ver-
arbeitet dargeboten, großentheils vor Augen ge-
stellt. Wer das Buch vernünftig gebraucht und
ernsthaft und gelehrig studirt, wird nicht nur
eine Fülle von Ideen, Inspirationen, Motivei:
ihn: entnehmen können, sondern auch sicher be-
ivahrt bleiben vor subjektivistischen Ausschrei-
tungen und modernen Auffassungen, lvelche dem
Geist christlicher Kunst zuwider sind. Endlich
ist zu hoffe::, daß das Buch auch zu weiteren
wissenschaftlichen Detailforschungen Anstoß geben
werde und daß in weiteren Auflagen sich manche
Mängel, Unrichtigkeiten, Lücken werden aus-
gleiche:: lassen. —

Annoncen.

Herdersche Oerlagshandlung, Hreiburg
int Breisgau.

Soeben ist zun: Abschluß gelangt und
durch alle Buchhandlungen zu beziehen:

EcsWkk i>cr christl. Äalcrci.

Boi: Dr. E. Krautz. Drei Bünde
(zwei Bände Text und ein Band Bilder)-
' gr. 8°. M. 30; in Original-Einband:
Leinwand mit Lederrücken und Rothschnitt
Al. 38. Geb., mit den im Text vertheilten
Bildern, 3 Bünde. M. 39. Einbanddecken
apart ä M. 1.40.

I. Theil; Von den Anfängen bis zum
Schluß der romanischen Epoche.

(XII u. 576 S.) 3Jt. 8.50; geb. M. 11. - Bil-
der zum I. Theil. (IV u. 44 Tafeln.) 21t. 3.

ii. Theil: Y>on Giotto bis zur Höhe des
neueren Stils, (xi u. 950 S.) M. 13.50;
geb. M. 16.50. Bilder zum II. Theil.
(VI, 65 ewfache und 7 Dopveltafelu.) M. 5.
— Bilder zu beiden Theileu zusammen in
einem Band, 811. 8; geb. M. 10.50.

Pros. Ludwig Seih, jetzt Direktor der
Vatikan. Gallerien in Rom, schrieb an
die Verlagshandlung: „Ich halte Franh
für ein kostbares Buch und für eines
der besten in feiner Art, welches prak-
tischen Nutzen für den Maler hat."

Lin reich illuslrirter Prospekt des lverkes
siebt auf verlangen gratis zu Diensten.

Hiezu eine Annftbeilage:

Lutwurf zu einem frühgothischen Tabernakelaltar.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblntt".
loading ...