Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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den mittelalterlichen Gebilden der Malerei
und Plastik so gefährlich wurde.

Die meisten günstigen Bedingungen treffen
jedoch zusammen bei Ravensburg. Die re-
sormatorische Bewegung fand hier erst spät
(ca. 1545) einigen Eingang und nahm einen
gelinderen Verlauf ohne Bildersturm; die
Lage in der Nähe des Bodensees ist günstig
und hier ließen sich auch durch die Lokal-
sorschnng Hafner's weitaus die meisten
Anhaltspunkte erheben für eine ununter-
brochene Fortdauer von Werkstätten der
Malerei und Bildschnitzerei, auch noch wäh-
rend der ganzen ersten Hälfte des 16. Jahr-
hunderts. Durch Hafner wird (in den
Württ. Vierteljahrshefteu, 1889, S. 120)
eine Reihe von Malern und Bildschnitzern
genannt, von denen wir nur zwei Namen
von Bildschnitzern, die gerade in dieser
kritischen Zeit lebten, hervorheben. Sie
sind: der Bildhauer Meister Friedrich um
1515 und der Bildhauer Dionys Stecker,
der, von Eßlingen herkommend, 1520 das
Bürgerrecht in Ravensburg erwarb. Wir
führen diese Namen, wie cutd) den des
Haus Thoma von Memmingen ans dem
Grunde speziell ans, weit, für den günstigen
Fall, daß irgendwo ein Monogramm ein-
geschnitten sein sollte, durch dieselben ein
Anhaltspunkt zu einem Leseversuch darge-
boten werden könnte.

Die Anwesenheit von übereinstimmenden
Werken der Skulptur in verschiedenen
Museen Deutschlands (Bode) dürfte sich
unschwer aus dem Umstande erklären lassen,
daß notorisch Bildhauer Entreß in
München um das Jahr 1840 sehr viel
Material von mittelalterlichen Knnsterzeng-
nissen gerade in der Gegend von Ravens-
burg erwarb, die dann ans dem Wege des
Kunsthandels in verschiedene Museen wan-
derten.

Damit will jedoch nicht behauptet wer-
den , daß ausnahmslos sämtliche
Skulpturen, welche in ihrer Faltenbildnng
einen engen Anschluß an die Mode der
Versteifung der Gewänder durch Langfalten
bekunden, ans der gleichen Werkstätte
hervorgegangen seien.) In O t t e n b e u r e n
bei Memmingen befinden sich (in dem
dortigen Kloster) mehrere Relieftafeln, bei
welchen diese Manier sogar bis iicks ge-
schmacklose Extrem getrieben ist. In einer
Verkündigung Mariä nebst Geburt des

Herrn ist daselbst die Madonna in knieen-
der Stellung dargestellt; die zahlreichen
Falten des Leibrocks bewegen sich streng unter
sich parallel und straff gespannt von der
Hüfte abwärts und setzen sogar in recht
unnatürlicher Weise noch weit über die
gebogenen Kniee nach vorne hinaus fort.
Ebenso sind die Gewänder des Engels und
des hl. Joseph zu dicht gedrängten Parallel-
falten znsammengelegt. Solcher Excesse
macht sich der Meister der Sammlung
Dursch nicht schuldig; er huldigt wohl
einer Manier, aber er verirrt sich nicht
in Geschmacklosigkeiten. Ueberdies steht
auch der Frauentypus jener Relieftafeln
in Ottenbenren auf einer recht tiefen Stufe.
Dem Thomas Heidelberger von Memmingen,
der von 1547 — 1558 in der Kirche zu
Oltenbeuren arbeitete, dürfen solche Bile-
werke sicher nicht zugeschrieben werden.
Heidelberger war jedenfalls ein Mann von
feinstem Geschmack, wie seine Arbeiten an
den Sakristeischränken in Oltenbenren uub
wohl noch mehr die Arbeiten in Ochsen-
hausen beweisen. Ob aber vielleicht an
jenen schon oben erwähnten Hans Thoma
von Memmingen (1525) dabei gedacht
werden dürfe, lassen wir billig dahin-
gestellt.

Der Todten Ruhestatt.

Von Pfarrer A. Schön in ger in Bavendorf.

(Schluß.)

Wie die Kirchhofmauer für günstige
und wettersichere Anbringung werthvollerer
Grabdenkmäler benützt werden kann, ist
aus manche» gelungenen Anlagen dieser
Art zu ersehen.

In der Vorstadt St. Nikolaus bei Inns-
bruck ist der Gottesacker um die nener-
baute gothische Pfarrkirche herum gelegen
und fast ganz umgeben mit Arkaden, znm
Theil älteren Datums, zum Theil in neuerer
Zeit etwas massiver und gefälliger ergänzt.
Die Grabstätten in diesen Arkaden sind
von verschiedener Güte, aber trefflich im
Stand erhalten uub werden viel besucht;
gewiß gewähren diese Bogengänge dem
gläubigen Gemüthe manchen Trost, manche
Erbauung und heilige Mahnung. Aus
dem berühmten Kirchhofe von St. Peter
in Salzburg ist nur der gegen die Berg-
wand gelegene Theil mit Arkaden einge-
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