Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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richten, eine Erhöhung der Mauer mit
Ziunenkrönung oder Abdachung würde ge-
nügen, lim einem rnndbogigen Eingang zum
Ansbau zu dienen. So ist manches alte
rnnd- oder spitzbogige Hofthor schöner und
malerischer als die Zugänge zn den Fried-
höfen. Der Aufbau würde Gelegenheit zu
passender Inschrift geben. Bewundert wird
ja allseitig die vielsagende Inschrift ans
dem Friedhosportal zu Bozen in Tirol:
»iUesurrecturm!« An manches Portal, oder
an manche Friedhofmaner und Kapellen-
wand würde die kernige, alldeutsche Mah-
nung passen, die sich zu Ditzingen über
dem Eingang zur Gruft unter dem Chore
findet:

O lieber Mensch, dv sott net ane gan

ein pater noster sott du uns hie lall.

ach gvt, ist uusre(r) so gar vergessen

mit almusen u(n)d mit messen

ach lieben freund kommend uns stur

mit gebet und almuseu iu dem fegfur. 1477.

Wie der Eingang vielfach einem Park-
thor gleicht, so auch das Innere des
Gottesackers. Man lobt und rühmt diese
parkartig aussehenden Friedhöfe, wie etwa
der zu Heilbronn ist. Alan wird da
weniger der ernsten Mahnungen des Todten-
gartens bewußt, wenn man unter Palmen
und Cypresseu wandelt und eine heitere
Vegetation den Ernst der Stätte verdeckt.
Manchen ängstlichen Gemülhern mag das
angenehmer sein, als die Kreuze ans
den Gräbern, es bleibt aber eine eitle
Täuschung. Co wenig wir von den
'Gräbern den Schmuck der Blumen auch
der Blnmenpflanzeu ganz entfernt wissen
wollen, ebensowenig können wir uns mit
den parkartigen Friedhosanlagen befreun-
den. Der Ort der Todten dai s und soll uns
an den Tod erinnern und mahnen und es
ist ein schwächliches, verzärteltes Geschlecht,
das diese Mahnung nicht ertragen kann
und sie verdecken will. Einer planmäßigen
Anlage soll der Gottesacker nicht ent-
behren. Bei Nenanlagen sollte er durch
gut und fest angelegte Wege in Krenzeöform
in vier Theile getheilt werden, welche wieder
durch kleinere Fußwege abgetheilt werden
in Reihen. Wo die Kreuzwege in der
Mitte zufammentreffen oder an einem er-
höhten und beherrschenden Endpunkt der-
selben sollte das Kreuz als Siegeszeichen
aufgerichtet werden, etwa ans einer kleinen
Rasen- oder Steinerhöhung.

In einem früheren Jahrgange des Frei-
burger Diözesanarchivs hat Verfasser seiner
Zeit bei dort veröffentlichten Visitations-
Protokollen von manchen Gemeinden die
Bemerkung gelesen : »coemeterium depas-
cit aedituus.« Das erinnert ihn daran,
daß der Gottesacker kein Grasgarten oder
NutznngSstück etwa für den Todtengräber
sein soll. Ebenso soll der Kirchhof kein
Spielplatz der Kinder sein und kein
Tummelplatz der Hühner und anderen Ge-
flügels.

Was die Lage des Gottesacker überhaupt
anbelangt, so sprechen uns am meisten an die
erhaben ans Anhöhen gelegenen Kirchhöfe.
Es ist nun nicht möglich, die Kirchhöfe
überall so idyllisch, wie ans dem Wurm-
linger Berg auznlegen, es wäre auch nicht
! praktisch; doch sollte man dieselben auch
nicht irgendwo in einem verborgenen Winkel
j im Feld hinter dem Dorf entlegen. Wenn
man einmal doch von Polizei und Ge-
sundheit wegen hinaus verwiesen wird
extra castra, so soll man doch einen er-
habenen in's Auge fallenden Platz wählen.
Oder sollte auch hierin unsere nüchterne,
rechnende Zeit hinter der Poesie und dem
feinsinnigen Gefühl der kernigen Ahnen
zurückstehen?

Möge der Friedhof ein Gegenstand der
wohlangebrachten Fürsorge der geistlichen
Obrigkeit werden und bleiben! Nicht überall
kann der Pfarrer diesbezüglich eingreisen,
alte Einrichtung, Raum- und Geldmangel,
auch manche Unsitten stehen entgegen, aber
mancherorts wird es, namentlich ans dem
Lande, bei neuen Anlagen ans seinen Ein-
fluß und seine Einsicht ankommen, wo und
wie der neue Gottesacker angelegt wird.
Je mehr das religiöse Leben und Gefühl
auch ans dem Gottesacker Anregung findet
durch die christliche Kunst, desto mehr wird
dies den Seelen derer zn gut kommen, deren
Leiber in der geweihten Erde der Aufer-
stehung entgegenharren.

Defensives zur Bildhauer Schramm-
Lrage.

Vvn Pfarrer K. A. Busl in Hochberg.
(Fortsetzung.)

II.

Die zu dem vermeiutlicheu Kelteuofeu vom
Jahre 1437 iu Beziehung gesetzten vier weiblichen
Figuren aus Eriskirch, jetzt mit der ehemaligen
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