Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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ein. Hier finden wir zwischen den Rippen
des Gewölbes nach Fiesole die nenn Chöre
der Engel von dem jungen Künstler Wald-
raff gemalt; sie find mit ihren Attri-
buten entsprechend der romanisch gehaltenen
Architektur und Dekoration ebenfalls im
strengeren Stile gehalten und bilden mit
ihrem gemusterten Goldgründe hier an dem
erhabensten Orte des Gotteshauses einen
recht würdigen Abschluß des Ganzen. Die
unteren Theile der Chorwände zeigen Ärchi-
tektnrmalerei, die einfach gegliedert aber in
kräftigem Tone gehalten ist und die einen
gleichfalls kräftig gehaltenen Mäander trägt.
Der obere Wandton, in Blangrün gehalten,
wird von einer Quergurte durchbrochen,
die selbst wieder von gelben Sänlchen ge-
tragen wird.

(Fortsetzung folgt.)

Defensives zur Bildhauer öchramm-
Frage.

Von Pfarrer K. A. Busl in Hochberg.

(Fortsetzung.)

Ferner tritt im Jahr 1490' als Kaplan
des Altares St. Franzisci ein Johannes
Ostracher ans. Pfründe und Altar zugleich
werden, abgesehen von der Katharina Hager-
schen Stiftung, z. B. genannt im Jahre 1465
Montag nach Walpurgi, wo sich Mal Hnmpis j
der Aeltere mit dem Abte von Weissenan utib ;
dem Stadtmagistrat wegen Stiftung einer Pfrund
und etvigen Messe in die Pfarrkirche zu St. Jos
zu Ehren U. L. F., beider St. Johannes des
Täufers und Evangelisten (diese die Haupt-
patrone des Altares), der hl. Apostel Jakobns
unb Petrus vereinbart. *)

Im Jahre 1491 gibt ein Konrad Hirscher
einen Zins von 24 rh. Gulden an die Pfrund
St. Andreasaltares in der Frauenklosterkirche
St. Michael.^) Mit den nämlichen Worten wird
sie genannt 1505 in dem umfangreichen Testa-
ment des Bürgermeisters Hans Hnmpis des
Aelteren, in welchem er diesem von seiner ver-
storbenen Schwester Margaretha gestifteten Bene-
ficium 400 fl. vermacht.8) Und im Jahr 1541
verleiht Hans Heinrich Hnmpis die Pfrund
und Altar zu St. Michael dem Priester und
Kaplan Epimachus Arnold. 4)

Betrachtet mau nun objektiv das Regest Haf-

*) Information über die in der Pfarrkirche
St. Jos gestifteten Altäre und Benefieia vom
Syndikus und nachmaligen Bürgermeister I)r.
von Gerer, geschrieben gegen 1740. Stadtarchiv
Fase. 1669.

-) Ebendaselbst Fase. 3013; Hafner S. 424.

3) Ebendaselbst Fase. 922 und 1919. Eine
heilige Messe stiftete er ans den von Mal Hnm-
pis fundirlen St. Johannesaltar in St. Jodok.

st Fase. 3014; Hafner S. 480.

ners, nachdem die bei dessen Berwerthung llnter-
laufenen Irrungen nunmehr beseitigt sind, so
ergibt sich aus demselben nur, daß Katharina
Hager ihr gesummtes Eigenthum der Pfründe
und dem mit seinem Titel nicht genannten,
mit ihr verbundenen Altar ans der rechten Ab-
seite der St. Jodokskirche vermacht habe, ohne
daß im Regest selbst der Zweck der Stiftung
angegeben wäre. Wollte Herr Dr. Probst seine
Ansicht, daß der fragliche Nebenaltar der Mutter
Gottes geweiht gewesen, ans welche sich alle seine
weiteren Hypothesen stützen und mit welcher sie
stehen oder fallen, wie es sich geziemte, näher
begründen, so mußte sich ihm die Nothwendigkeit
nahe legen, von der Hager'schen Stiftnngsnr-
kunde selbst um so mehr nähere Kenntnis; zu
nehmen, als seine Auffassung von der durch Dr.
Dursch beigebrachten Tradition, der Altar sammt
seiner Madonnenstatne sei der Hochaltar der
Pfarrkirche gewesen, abweicht.

Ich habe Einsicht von den Urkunden genom-
men — es sind zwei von derselben Hand, unter
gleichem Datum geschriebene (die eine enthält die
Stiftung der Hager, die andere den Revers des
Kaplans Nikolaus Schmid, iu tvelchem er die
Stiftung annimmt und als Entgelt einen Jahr-
tag verspricht) — und gebe daraus folgende aus-
führliche Auszüge:

1) Katharina Hagerin, burgerin, schenkt mit
Genehmigung des Bürgermeisters und Rats und
ihres Vogts (d. i. Pflegers) Jos Winziren des
Aelteren „zuvor an den almächtigen gott vnd
Sinner wirden muter der kinnigklichen Junck-
frowen marie zu lob vnd ere vnd vmbe merung
vnd fürderung des diensts gotes der pfrund
vnd dem altare in Sannt Jos pfarrkirchen zu
Ravenspurg vff der rechten absidten gelegen,
so gewjhet ist in der ere der hailigen
zwölfbotten, Min PIuss, Hofstatt vnd ge-
säss mit sampt dem wingarten vnd bomgarten
zunechst daran mit allen ehhäfftin*) rechten
vnd zugehörden“.

Es wird dann weiter verordnet, nach ihrem
Ableben solle das alles der Pfründe zufal-
len , der Kaplan es an einen ungesessenen
Bürger zu Ravensburg verkaufen, den Erlös
unter Aufsicht des Bürgermeisters und Raths
zum Nutzen der Pfründe anlegen und der
pfründner den Zins nutzen und messen, wie
andere Güter und Gilten der Pfründe. Der
obgenannte Vogt Winziren und der Rat be-
glaubigen dieses Rechtsgeschäft und Hans
Huntpiss, Bürgermeister und Christoffel Schin-
delin, Stadtamman hängen ihre Siegel an.
Geben „mentag vor vnseres Herren Fronlich-
namstag 1479.“ (Die zwei Wachssiegel haen-
gen.)

2) „Nicolaus Schmid, Maister der freien
Kunst, der zyt capplon vnd versecher der
pfrund und des altars in Sannt Jos pfarrkir-
chen * 2) vff der rechten absidten gelegen, der
gewjhet ist in der ere der hailigen zwölf-
botten“ bekennt für die benannte Prunde,

C D. i. gesetzmäßigen.

2) Nicht in der Frauenkirche, wie Hafner a.
a. O. S. 412 unrichtig angibt.
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