Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 24
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sich und seine Nachkommen , die Kapläne,
dass, nachdem die Katharina Hagerin ihr Haus
sammt Weingarten und Baumgarten der ge-
nannten Pfründe für die Zeit nach ihrem
Ableben vermacht, so habe er „vrnbe das
vnd zu ainer gaistlichen ergützlichkait vnd
widergelt zuvoran dem allmechtigen gott vnd
der kinniglclichen Junckfrowen inane siner
wirden muter zu lob und ere Allem hymelschenn
liere, ouch irer Vatter vnd muter, ire geswister-
giten, allen iren vordem vnd nachkommenden
vnd allen eilenden glöbigen Selen zu tröste
vnd abtilgung irer pin eine oewige Jarzyte
vnd begenngnus vff des hailigen Kreuz Tag
zu Herbst (— Kreuz-Erhöhung) oder acht tage
vor oder darnach geredt versprorhen vnd ge-
heissen.“ Er soll in der St. Joskirche gehalten
werden „am aubend mit ainer gesungen vigily
vnd ainern placebo vnd enmorndens (= mor-
gens) amtag mit ainem gesungen Selampt
vnd dam dere mit sechs gesprochen Selmes-
sen.“ (Siegel des Abts Johunnes von Weis-
senau und der Stadt haengeu). ’) Datum wie
bei Nr. 1.

Aus diesen zwei Urkunden geht klar hervor,
das; die Stiftung schlechterdings keinen Bezug
ans ben Altar ans der rechten Abseite in der
Jodokskirche als solchen hat, sondern daß sie
eine Aufbesseritiig der mit ihm verbundenen
Pfründe bezweckt, ivvgegen die Stifterin zu
einigem Entgelt einen sogenannten „großen Jahr-
lag" zugesichert erhält.

(Schluß folgt.)

Literatur.

Das Kveuz von St. Trudpert. Eine
alamannische Nielloarbeit ails spntromn-
nischer Zeit. Von M a r Rose n b e r g. !
Herausgegeben vom Breisgauer - Verein
„Schau-ins-Land". In Kommission der
Herderschen Verlagsbuchhandlung zu Frei-
burg i. Br. 34 S. Folio. Preis: 2 M.
Im Pfarrhaus zu St. Trudpert im Münster-
thal, südlich von Freiburg, findet sich ans dem
Schaße des ehemaligen gleichnamigen Bene-
diktinerklosters eilt großes silbernes Vortragkreuz,
das Figürliche getriebene Arbeit, das Ornamen-
tale und Graphische niellirt. Dem Crucifixus
der Vorderseite entspricht auf der Rückseite der
sitzende Weltenrichter, seine Wundmale zeigend;
in den drei oberen Kreuzenden ist auf ersterer
eine Darstellung dreier Evangelisten, ans der

H Siegel des Abts oval; unter einem gothi-
schen Baldachin eine stehettde Abtsfigur, mit der
Rechten den Stab, mit der Linken ein Buch
haltend; zu beiden Seiten unter kleinerem Bal-
dachin je ein unkenntliches Figürchen. Unter
der Ablsfignr das Wappen: in gespaltenem
Schild rechts ein Schlüssel (Attribut des Petrus,
Patrons der Abtei), links eilt Abtsstab. Siegel
der Stadt zwei Rnndthürme mit Thor dazwi-
scheit; über dem Thor ein Schildchen mit einem
Kreuz.

Rückseite die von Engeln mit Posaunen; tut*
mittelbar unter dem Weltenrichter eine Darstel-
lung der Auferstehung, repräsentirt von vier Per-
sonen , von welchen der Verfasser die hintereit
ztvei als Adam und Eva deutet und ans die
Höllenfahrt bezieht, — der einzige Punkt, welcher
zweifelhaft und fraglich erscheint. Die unteren
Kreuzenden Leider Seiten sind bem Stifter und
der Stisterin eingeränmt, tvelche die Inschrift
Gottfried und Anna benennt, tvie der Verfasser
erweist, nicht Gottfried von Fürstenberg und Anna
von Tvnsel, sondern wohl eilt Gottfried von
Staufen, deren Burg in der Nähe, und seiner
Gemahlin. Später am unteren Krenzesende an-
gebrachte Voluten tragen die Statnettchen von
Maria und Johannes. Der Verfasser widmet
dem ans den ersten Blick abschreckeitdeit Bildwerk
eine äußerst genaue Untersuchung unter Beizieh-
nng reichen knnstgeschichtlichen Materials und
iveist ihm seine Stelle an um 1200 ; entstanden
mag es seiit in Constanz. —

Führer durch die ehemalige Cister-
zienserabtei Wettingen beim Ther-
malkurort Baden (Schweiz). Von I)r. Hans
Lehmann (mit 10 Tafeln und Original-
initialen und Vignetten). Aarau, Verlag
der Casino-Gesellschaft Baden 1894. 88 S.
Jede Monographie über eilt hervorragendes
Baudenkmal und eine wichtigere Kunststätte ans
alter Zeit ist zit begrüßen, wenn sie solid gear-
beitet ist. Mag sie zunächst auch, wie die vor-
liegende, mehr eilt praktisches Interesse verfolgen
und Besuchern als Führer bienen wollen, sie ist
immer auch ein lverthvoller Beitrag für die
Kunstgeschichte, deren bisherige Urtheile durch solche
Einzelarbeiten vertieft, ergänzt, corrigirt und
sichergestellt lverden. Der Verfasser hat ein kleines
! aber inhaltreiches Büchlein der Cisterzienserabtei
Ataris Stella oder Wettingen in der Schweiz
gewidntet nub bezeichnet dasselbe als Vorläufer
eiites nmsangreicheit Werkes über dieselbe, ans
welches man sich nur freuen kaiut. In feiner
Sprache und mit großer Pietät orientirt der Ver-
fasser zuerst im allgemeinen über den Cisterzien-
serorden, gibt dann in Regestenform die Daten
atts der Geschichte genannten Klosters und macht
hierauf den kundigen Führer durch die Kloster-
banten, namentlich die Kirche, tvelche trotz viel-
facher Veränderitngen die ursprüngliche Anlage
von 1294 bewahrt hat. Länger verweilt er bei
den 182 Glasgemälden aus fünf Jahrhunderten
(1290—1626), tvelche im Krenzgang gesammelt
sind, Schenkungen eigener und befreundeter Aebte
und Conventualen, der 13 alten Orte, von Land-
vögten, «Stabten und einzelnen Bürgern. ^Sie
werden sorgfältig registrirt, beschrieben, zum Theil
auch iin Bild vorgeführt. Ebenso die Chorstühle
vom Anfang des 11. Jahrhunderts, eines der
schönsten Renaissancewerke dieser Art. Der Führer
verdient wärmste Enipfehlnng. —

Hiezu eine Kunstbeilage:

Die roinanische Kirche in Hohenberg bei Sll-
wangen.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Dalksblatt".
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