Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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heben sollten. Ganz geschmackvoll ist die
Decke behandelt als eine reichere Umrah-
mung eines größeren Gemäldes. Wenn
wir noch der wenigen Ornamente in den
Fensterleibnngen und der reichern im Chor-
bogen mit den Symbolen der sieben hei-
ligen Sakramenten gedenken, ist die ganze
Dekorationsmalerei damit richtig geschildert,
wenn gesagt wird, sie trage einen ein-
fachen, aber würdigen Charakter.

Die Hanptzierden des Schiffes sollteil
aber ein größeres Plafondgemälde und
zwei neue Seitenaltäre bilden. Ersteres,
„den neugeborenen Weltheiland," ange-
betet von den Hirten und den heiligen
drei Königen, darstellend, ist von dem
Kunstmaler Vvllifatins Locher in
München, gebürtig ans Winterrente, OA.
Biberach, ansgeführt, von demselben Meister,
welcher die herrlichen, schon früher in nnserm
Archiv photographisch reprodnzirten Decken-
bilder in Stafflangen gemalt hat. Locher
hat das Original eigens für die Kirche
in Haunstein bei Augsburg komponirt
und hier in Berg ans den Rat unseres
Knnstvereins in etwas kleinerem Maß-
stabe wiederholt; ans diese Weise kam die
Pfarrgemeinde in Berg um billigen Preis
— das Bild kostete 800 Mark — in den
Besitz eines eigentlichen und wirklichen
Kunstwerkes, das sie hoch schätzen darf.
Die ganze Komposition gliedert sich, wenn
wir das Bild näher betrachten wollen, in
vier Gruppen. Den Mittelpunkt des mehr
in die Breite als in die Höhe angelegten
Bildes nimmt die schöne Gruppe der
heiligen Familie ein, die sich unter dem
von Säulen getragenen Vordache der Her-
berge befindet und vom Scheine des
mystischen Sternes beleuchtet wird. Wir
haben so in dieser Weihnachtsdarstellnng
zugleich ein eigentliches und rechtes Bild
der heiligen Familie, das ja in unfern
Tagen mit gutem Rechte in so vielen katho-
lischen Kirchen angebracht wird. Ueber
dieser Mittelgrnppe schweben oben in eine
lichte Wolke eingehüllt leibliche Engelge-
stalten, die ihr „gloria in excelsis“
singen. Die Seite rechts von der heiligen
Familie nehmen die von morgenländischer
Pracht umgebenen, den Adel großer
Seelen widerspiegelnden heiligen Magier
ein, von denen zwei knieend ihre Geschenke
darbringen, während die schwarze Gestalt

des Dritten noch in ehrfurchtsvoller Hal-
tung stehend des Augenblickes harrt, wo
auch er Gelegenheit findet, seine Gabe vor
dem Christkinde niederznlegen. Von der
rechten Seite sind soeben auch in den
armen Stall zu Bethlehem die frommen
Hirten eingetreten; ehrfurchtsvolle Ver-
wunderung und gläubige Anbetung zeigt
schon ihre äußere Haltung. Die Kompo-
sition ist ziemlich streng symmetrisch durch-
gesührt und doch ist wieder jede einzelne
der fünfzehn Figuren für sich und in ihrer
Anordnung znm Ganzen am richtigen
Platze, nirgends erhalten wir von einer
Figur beu Eindruck, als wäre sie nur zur
Staffage oder als Lückenbüßer hingestellt.
Ein feierlicher Zug geht durch das Ganze,
erhöht noch durch den Ernst der Farben-
gebung, die das Bild zu einem für ein
Gotteshaus würdigen, erhebenden und
eigentlichen Kunstwerk macht.

Die beiden Seitenaltäre sowie die Kom-
mnnionbank sind im Renaissancestil ans
Eichenholz gefertigt und kommen ans dem
Atelier des Bildhauers M. S ch l a ch t e r
in Ravensburg. Beide Altäre sind fleißig
und sauber ansgeführt, einfach im Auf-
bau und dein entsprechend auch, da nur
3000 Mark für beide ansgesetzt waren,
nicht überladen mit Gold uub Ornamenten;
ihre Wirkung ist gleichwohl eine künst-
lerisch gute. Der linke Altar mit einem
Tabernakel für die Charwoche zeigt in
seiner Mittelnische das Bild der Immacu-
lata in reicher Fassung und guter Drapi-
rnng der Gewänder, zu beiden Seiten
die Heiligen Elisabeth und Anna. Weni-
ger angesprochen als die beiden letzteren
tüchtig dnrchgeführten Figürchen hat uns
der Kopf der heiligen Jungfrau. Der
rechte Seitenaltar hat znm Hanptgegen-
stand den heiligen Sebastian, er ist als
jugendlicher Krieger, fast ganz gekleidet,
an einen Baum gebunden und senkt sterbend
sein Haupt. Die Figur ist gut dnrchmv-
dellirt und macht in ihrer von der alltäg-
lichen Darstellung etwas abweichenden
Auffassung einen günstigen Eindruck. Das
gleiche Lob verdienen die beiden Neben-
figuren St. Wendelin und St. Aloysius.
Die obern Abschlüsse der Altäre haben in
kleinern Nischen die zwei Medaillons mit
den Brustbildern der heiligsten Herzen Jesu
und Mariä.
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