Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 39
DOI Heft: 10.11588/diglit.15912.26
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15912.27
DOI Seite: 10.11588/diglit.15912#0048
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1895/0048
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Erwähnen wir schließlich noch die Neno-
virnng der architektonisch nicht unschönen
Kanzel, der Einporbrüstung und des
Orgelgehänses, die sich in ihren Farben-
tönen ebenfalls gut dem Ganzen ein-
gliedern, so muß man anerkennen, daß
die opferwilligen Beiträge des Herrn
Pfarrers Riesen und seiner Parochianen
gut angelegt sind. Das weithin sichtbare,
im Angesichte der großartigen Alpenwelt
und des schönen Bodensees und seiner
Umgebung prachtvoll gelegene Kirchlein
hat nun, besonders wenn einmal auch der
Chor dem Schiffe entsprechend hergestellt
sein wird, eine Ausstattung, die anch zum
innern Besuche eintadet.

3. Unter schwarz ach, OA. Waldsee.

Die dem heiligen Gallus geweihte Kirche
zu Unterschwarzach war ursprünglich ein
gothischer Ban: noch ist ans dieser Zeit
der mit einfachen Maßwerkfenstern ver-
sehene, polygon geschlossene Chor vor-
handen, dessen Gewölbe aber in der
Zopfzeit rninirt wurde. Das Langhaus
mit seinen beiden schmalen, unglücklich be-
handelten Nebenschisfen ist im Jahre 1861
nengebant und zwar so, daß der gewaltige
gothische Thurm an der Westfassade in
das Schiss hereingezogen wurde. Das
Langhaus hat in seinem Verhältnis zur
Breite und Länge eine ungewöhnliche
Höhe, welche im Mittelschiff durch flache
Deckenabteilnngen, in den Seitenschiffen
aber durch schräge Abdachungen begrenzt
wird. Die Kirche war, wohl in der
Mitte des vorigen Jahrhunderts, mit drei
einfachen, in ihren architektonischen Ver-
hältnissen nicht übel angelegten Zops-
altären ansgestattet, wozu unnölhiger
Weise in den Jahren 1861 und 1884
zwei neue gothische Seitenaltäre kamen.

Im Frühjahre 1893 faßte der Stiftnngs-
rath den Beschluß, die Kirche restanriren
zu lassen und wurde vorerst Bildhauer
Metz in Geörazhofen beauftragt, Voran-
schläge und Pläne für die Ausmalung
der Kirche zu machen. Die gutgezeichneten
und sarbenharmonisch gehaltenen Ent-
würfe projektirten eine reiche dekorative
Ausmalung sowohl der Wände als des
Plafonds; für die Decke des Schiffes
waren zudem noch fignrate Darstellungen
vorgesehen, welche ans Blech gemalt und
dann am Plafond befestigt werden sollten.

Der Ueberschlag für diese Art der Aus-
malung allein schon wäre auf 6390 Mark
gekommen, eine Summe aber, welche bei
der Absicht, die ganze Kirche restanriren
zu lassen, nicht zur Verfügung stand.
Herr Pfarrer Riedmüller legte nun
die Pläne einem Mitgliede des Ausschusses
unseres Tiözesan-Kunstvereins vor und
kam man nach Einsichtnahme der Kirche
selbst und nach eingehender Beratung zu
dem Entschlüsse, für die ganze Ausmalung
der Kirche 2500 Mark ausznsetzen, wo-
mit sich anch der Kirchenstiftungsrat ein-
verstanden erklärte. Es sollte, besonders
anch da der Plafond des Schiffes von
> so ganz ungewöhnlicher Höhe ist und da-
her bildliche Darstellungeil nicht recht zur
Wirkung kommen könnten, von solchen
ganz abgesehen werden; dann tonnten,
unbeschadet des Ganzen, anch manche De-
korationsmotive rednzirt oder ganz weg-
gelassen werden. Schließlich sollte eine
billigere Herstellung noch dadurch erzielt
werden, daß weniger mit Oel- und mehr
mit Kalkfarben gemalt werde. Dieser
stark rednzirte Plan, der im März 1894
auch die Genehmigung des Bischöflichen
Ordinariates erhielt, kam nun zllr Ans-
sührnng lind wurde von dem Dekorations-
maler Selg ans dem Metz'schen Atelier
sammt einigen Gehilfen in: Mai dieses
Jahres die Arbeit begonnen und Ende
September fertig gestellt.

Die Kirche bietet jetzt in ihrer neuen,
wenn anch einfachen Allsmatnng einen
ganz freundlichen Anblick; die Töne des
Plafonds und der Wände siild warm ge-
halten, die dekorativen Ornamente korrekt
gezeichilet und lebhaft in ihrem Farben-
spiel und eine wohlthuende Farbenhar-
monie gibt dem Ganzen einen einheitlichen
Charakter. Nachdem der Hochaltar noch
einen neuen Tabernakel ans dem Atelier
von Metz (1200 Mark) erhalten, sämmt-
liche andern Altäre und Kanzel gereinigt
nlid teilweise frisch vergoldet und gefaßt
worden sind, stimmt anch diese innere Ein-
richtung zum Ganzen.

In den Polygon geschlossenen Chor der
Kirche wurden auch vier neue Fenster
eingesetzt; die zwei an der Südseite, welche
im Schiffe der Kirche nicht sichtbar sind,
erhielten gemalte Dessins (Grisaillen) mit
ebenfalls gemalten, buntfarbigen Bordüren;
loading ...