Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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die beiden Fenster zu Seiten des Hoch-
altars wurden mit bildlichen Darstellungen
ansgestattet; das linke zeigt den Eng-
lischen Gruß, das rechte die Anbetung der
heiligen drei Könige. Sie stammen ans
der Glasmalerei von Fr. E. Gua nt in
München, sind streng stilistisch durchge-
führt und ganz im Charakter der alten
monumentalen Glasmalerei gehalten.

Wenn noch vollends der schadhafte
Kirchenboden durch einen ans Mettlacher
oder Einziger Platten ersetzt und auch die
Kirchenstühle, — aber mit Beibehaltung
der alten, interessanten, um 1600 ent-
standenen Docken, — erneuert sein werden,
so wird auch die Kirche in Unterschwarzach
zu den würdigeren Gotteshäusern unserer
Diözese zu zählen sein. (Fortsetzung folgt.)

Oer Ooppelchor am Bamberger
Ooitl.

Vvn Professor Dr. Heinrich Weber.

Bekanntlich haben mehrere romanische
Kirchen in Deutschland, die Kathedralen
zu Mainz, Worms, Augsburg, Pader-
born ?c. einen dem Hauptchor, welcher in
der Regel die östliche Richtung hat, gegen-
überstehenden Westchor, bisweilen ebenfalls
mit einer Absis und einer eigenen Krypta.
Zn diesen romanischen Bauten gehört auch
der Bamberger Dom, welcher alle diese
Eigenthümlichkeiteu hat, nur mit der sel-
tenen Ausnahme, daß der Westchor von
Anfang an der Hauptchor war und daß
folglich diesem Westchor ein Querschiff
vorgelegt ist. Doch nicht diese Eigen-
thümlichkeit soll uns beschäftigen, sondern
die Frage nach dem Grund und dem Zwecke
der Doppelchoranlage.

Von den Kunstschriftstellern werden sehr-
verschiedene Gründe für diese Bauweise
angegeben. Boisseree (Geschichte und Be-
schreibung des Doms zu Köln) findet darin
eine Erinnerung an die Kirche des heiligen
Grabes zu Jerusalem, wo die Grabrotnnde
gleichsam einen zweiten Chor im Gegensatz
zu dem Chor der Basilika bildet. Diese
Anlage sollte nach seiner Annahme in den
Doppelchören versinnbildet werden. Zur
Erinnerung an den Tod des Heilands
wurde im westlicheil Chor der Abendgottes-
dienst gehalten und in der Charwoche dort
das heilige Grab.ausgestellt.

Dieser Grund ist sicher zu weit herge-

holt. Warum findet sich diese Bauweise,
ganz seltene Ausnahmen abgerechnet, nur
in Deutschland, während doch Bischöfe
aller europäischen Länder die Grabkirche
in Jerusalem gesehen hatten? Allerdings
hatte Günther, der fünfte Bischof von
Bamberg, eine Pilgerfahrt ins heilige Land
geinacht (Annal. Altah. ad ann. 1065),
aber der Dom hatte schon bei seiner ersten
Anlage zwei Krypten, also auch zwei Chöre
gehabt (Thietmari chron. ad ann. 1002).

Noch weniger läßt sich diese Erscheinung
erklären ans rein ästhetischen Gründen,
daß nämlich die Doppelchöre aus der Tren-
nung eines Kuppelbaues, welcher durch
das Langhaus auseinander gehalten wird,
entstanden seien. Die kirchliche Aesthetik
ist stets den praktischen Forderungen der
Liturgie untergeordnet (vergl. Springer,
die Baukunst des christlichen Mittelalters.
Bonn 1854, S. 57).

Eine solche Forderung trat aber aller-
dings hervor, wenn mit dem Stift oder
Kloster eine Pfarrei verbundeil war. Danil
diente, wie es bei der alten Stiftskirche
zu St. Gallen der Fall war, der eine
Chor ausschließlich für den klösterlichen
Chordienst, der andere zum Gottesdienst
für die dem Kloster anvertrante Pfarrge-
meinde (Jakob, die Kunst im Dienste der
Kirche. 3. Allst. Landshnt 1880, S. 41,
Note 5).

Aber auch dieser Gruiid bestand für den
Bamberger Dom nicht, da mit deiiiselben,
wenigstens in späterer Zeit, nur die Seel-
sorge für die Dienstboten der auf deni
Domberg wohnenden Kanoniker verbnnden
war. Für diese von einem Domvikar ver-
waltete St. Veits-Pfarrei bestand ein Altar
im Querschiff.

Als weiterer Erklärungsgrund wird an-
gegeben, daß die Kirche zwei Patrone hatte
oder zwei heilige Leiber besaß, besonders
wenn für dieselben auch zwei Krypten
vorhanden waren (Jakob a. a. O.).

Der erste Grn»d kann für Bamberg
Geltung haben. Zwar werden bei der
Gründnng und in den ersten Jahreil des
Bestandes des Biöthums die Patrone der
Kathedrale sehr schwankend angegeben;
im Mai 1007 die hl. Jnngfrall und der
hl. Petrus; im Jnlli desselben Jahres
nur der hl. Petrus; die Stistungsurkunde
vom 1. November dieses Jahres lautet:
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