Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 52
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dnrchgeführt hätte, luiire er allein Herr gewesen
(er hätte z. B. einen niederen Hauptaltar ge-
macht, um den Blick auf die drei Chorfenster
freizngeben), musste aus Gründen der Pietät
und der Sparsamkeit das uou Hofmaler v. Gegen-
baur gestiftete große Madonnenbild des alten
Nenaissancealtares für den neuen gothischen Neben-
altar bei behalten und damit ein gedrückter Auf-
bau desselben in Kauf genommen tverden, ivie
einen solchen ein alter Meister, frei von der-
artigen Rücksichten, nicht gefertigt hätte. Um
diese Schwierigkeit zu mildern, auch die niederen
Schiffe in ein etivas besseres Verhältniß zum
Hauptschiff zu bringen, wurden sie etivas erhöht.
Die ursprüngliche Höhe der Nebenschiffe
vom Standort der Altäre an gerechnet, betrug
nur 6,87 in. Rechnet man nun in Berücksich-
tigung der Höhe der Hirscher'schen Madonna
mit 1,34 m, unter Annahme mäßiger Durch-
schnittszahlen , für den Altartisch 1,10 in vom
Boden an, für die Predella 1 in, für den
Bilderkasten 2,70 in, für den Aussatz 3,40 in,
so ergibt das eine Gesammthöhe von 8,20 in,
also selbst, >venn die oberste Kreuzblnine die
6,87 in hohe Decke gegen die Regel erreicht
hätte, ein Plus über sie hinaus von 1,33 m.
Dabei ist nicht in Betracht gezogen, daß die
Technik ztvischen der obersten Kreuzblume und
der Decke einen entsprechend großen leeren Raum
fordert. Ein regelrechter gvthischer Altar von
diesen Maßverhältnissen kann also dort nicht
gestanden sein und es gelvinnt deßhalb neben
der vielgenannten Altarinschrift auch die von
Dnrsch erwähnte Tradition an Bedeutung, daß
nemlich fraglicher Altar ein Hochaltar gewesen
sei. Der Einwendung Dr. Probsts, „wenn der
Hochaltar in einer der beiden Pfarrkirchen einer
ähnlichen partikularen Stiftung" (wie der von
ihm irrig gedeuteten von K. Hoger) „sein Da-
sein verdankt hätte, so würden die Akten doch
wohl nicht ganz schweigen" — ist entgegenzu-
halten, daß die Errichtung von neuen Altären
in Ravensburgs Kirchen nach Anstveis des noch
vorhandenen Urkundenmaterials nur erwähnt
wird, ivenn mit solchen eine Dotation verbunden
tvird uni) daß man bei weitem nicht mehr alle
„Akten" besitzt. Die Hauptergebnisse der ange-
stellten Untersuchung sind somit: 1. Die Stiftung
der Katharina Hager vom Jahre 1479 kann in
eine Beziehung zu dem Altäre mit der Gruppe
Mariä Schutz vom Jahre 1480 nicht gebracht
werden; 2. der als Marienaltar bezeichnete
Nebenaltar im rechten Seitenschiff der St. Jodvks-
kirche ist ein Apostelaltar gewesen; 3. die
ans der Hager'schen Stiftung für die Deutung
der Personen an der Gruppe Mariä Schutz bei-
gezvgenen Momente sind hinfällig; 4. ein Altar
mit dieser Gruppe könnte in Anbetracht seiner
wahrscheinlichen Maßverhältnisse in einem Neben-
schiffe der St. Jodokskirche nicht gestanden sein;
5. die Ueberliefernng Dursch's, derselbe sei ein
Hochaltar geiveseu, hat durch die Untersuchung
wieder an Bedeutung gelvonnen, wenn sie auch
selbstverständlich nicht den Werth besitzt, >vie die
von ihm beigebrachte Altarinschrift selbst.

Literatur.

Katechismus der Kunstgeschichte von
Bruno Bücher. 4. verbesserte Auflage.
Leipzig, I. I. Weber 1895. 333 S. mit
276 Abbildungen. Preis in Originallei-
nenband 4 M.

Dieser Leitfaden kann wärmstens empfohlen
tverden, soivohl dem, der erstmals auf dem
großen Gebiet der Kunst festen Fuß fassen tvill,
als dem, der ans demselben schon bewandert ist
und in raschem Ueberblick alle Phasen der Ent-
wicklung tvieder mi sich vorüberziehen lassen tvill.
Eitdlich kann er, ansgestattet mit guten Registern,
auch als Nachschlagebnch dienen. Er ist nicht
in der eigentlichen Katechismusform durchgeführt,
svtidern gibt die ganze Geschichte der Kunst in
knappe, klare Leitsätze gefaßt, unter Beschränkung
atif das Wesentlichste, unter - Verzicht auf alle
ästhetische Phraseologie, in schöner, tvahrhaft po-
pulärer Sprache und in sehr sachgemäßer uitb
übersichtlicher Gliederung. Die Darstellung ver-
rät überall beit festen Untergrund ernster und
solider Studien. Kein wesentliches Entwicklungs-
glied fehlt und die Betrachtung erstreckt sich ans
alle Gebiete der bildenden Kunst und geleitet
von den ersten prähistorischen Anfängen bis in
die neueste Zeit. Dem Text geht zur Seite
eine große Reihe von gut ansgewählten und
gut ansgefnhrten Abbildungen, alles in allem
eine Mnsterleistung von wirklichem Werlhe, an
der auch eine scharfe Kritik höchstens den einen
oder andern Satz oder Ausdruck beanstanden
könnte. —

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bei Rudolf A loste, LI lunchen, hinterlegen.
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Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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