Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 60
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findet eine Stütze darin, das; auch in der Vor-
halle des Domes zu Wiirzburg und im Neu-
münster daselbst Kilian, Colonat und Tvtnan
neben einander dargestellt sind, an letzterem Ort
von der Hand Til Niemenschneiders. Da aber
oben im Baldachin noch zwei Diakonen mit
Palmen ohne andere Attribute Vorkommen, so
werden doch eher diese Colonat und Totnan vor-
stellen; andernfalls bliebe es auffallend, warum
nicht als Gegeufignr zu Totnan Colonat, son-
dern Stephanus gewählt wäre. Der Crncifixus
in der oberen Krönung neigt nicht das Haupt
im Sterben, sondern ist schon verschieden; die
oberste Bisehofsfignr ist ohne Ziveifel wieder St.
Kilian. Die Bemerkung über den „auf's Jahr
1060 allgemein gefürchteten Weltuntergang" S. 2
fiele wohl besser weg, weil von sehr zweifelhafter
Richtigkeit. Wo ist das „Gewölbe über dem
Tanzboden" 6 8?-

Die K n ii st a n st alt S t. N v r b e r t u s (Wien
III, Seidlgasse 8) versendet zwei neue Commu-
niouandenken in Gold- und Farbendruck, Chri-
stus 'mit Kelch und Hostie und zwei Engeln
(Preis in Oktavformat 12 Pf., 100 Ex. 10 M.,
Oiebetbuchformat 4 Pf., 100 Ex. 3 DO), ferner
Ostcrbriefpapier mit Osterlamm in Gold- und
Farbendruck (mit Couverts, in eleganter Kassette
zu 10 Bogen 60 Pf), Osterkarten mit bildlichen
Darstellungen und religiösen Sprüchen von C.
Wühler (6 Karten mit Enveloppe 36 Pf., 100
Stück r> M.), geistliche Sprüche mit Initialen
(12 in feiner Enveloppe 48 Pf., 100 Stück 3 M.)
und Lesezeichen in Farbendruck mit religiösen
Bildchen und Sprüchen (4 Stück 24Pf., lOOStüek
4 M>). Alles befriedigend ausgeführt und em-
pfehlenswert ; mitunter macht sich eine etwas
frauzöselnde Süßlichkeit geltend.

*

Ein mir jüngst veistatleter Einblick in die
von der Kunstweberei von Th. Golzes
in Crefeld in den letzten Jahren hergestellten
Stoffe für liturgische Gewände r hat
mich mit so freudigem Staunen über die Lei-
stungen dieser Firma erfüllt, daß ich es für meine
Pflicht halte, die Leserschaft des Archivs ans die-
selbe aufmerksam zu machen. Was diese Stoffe
über jeden Vergleich mit den geivöhnlich ver-
wendeten, vor allein mit den Lyoner Fabrikaten
hoch erhebt, ist einmal die außerordentliche Ge-
diegenheit und Solidität, welche denselben die
Lebensdauer der mittelalterlichen Gewebe ge-
währleistet und welche die höhere Preislage mehr
als ausgleicht. Dieselbe wurde erzielt durch
möglichst genaue Nachahmung der alten Webart
und Bindung. Gleicherweise — und das ist der
zweite Vorzug dieser Gewebe — wurden auch
für die Musterung und Farbengebung ausschließ-
lich nur alte Vorbilder zu Grunde gelegt und
mit größter Sorgfalt nachgearbeitet. Der Er-
folg ist ein außerordentlicher. Man kann sich
nicht satt sehen an diesen Seidenstoffen, Seiden-
brvkaten und Seidenbrokatellen, namentlich aber
an den fein gemusterten Sammctbrokaten von
wunderbarer Farbenwirkung. Es ist hocherfreu-

lich, das; diese vpfermnthigen Versuche, die alle
Kunst in einem ihrer entwickeltsten Edelzweige
wieder in unsere moderne Zeit und Technik zu
verpflanzen, so glänzend gelungen sind. Ans
Grund dessen können wir den elenden Seiden-
fabrikaten der Gegenwart, deren Lebensdauer
nicht einmal Jahrzehnte, ja kein Jahrzehnt um-
spannt, den Krieg erklären und den Abschied
geben. Wir bitten inständig, daß doch ferner-
hin für Festgewänder, Plnviale und ganze Ka-
pellen keine anderen Stoffe mehr verwendet
werden mögen als diese, auch von Herrn Dom-
kapitular Schnütgeu in der Zeitschrift für christ-
liche Kunst wiederholt empfohlenen. Selbst für
Alllagsgewänder diese an sich etwas theuereren
Stoffe zu verwenden, ist durchaus nicht gegen
das Prinzip der Sparsamkeit, denn dieselben
halten mindestens zehnmal so lang als die ge-
wöhnlichen. Die Seidenstoffe sind so gediegen,
daß sie keines Steifleinens und keines starken
Futters, sondern bloß eines feinen Linnenfutters
bedürfen; dabei sind sie, weil ganz Seide, weich
und biegsam trotz ihrer Stärke und ergeben
einen schönen Faltenwurf.

Annoncen.

Herdersche Derlagshandlung, Hreiburg
im Breisgciu.

Znm Abschluß ist gelangt und durch
alle Buchhandlungen zu beziehen:

KcsWic öcr christl. Malerei.

Von Dr. E. Jfuanff. Drei Bände
(zwei Bände Text und ein Band Bilder),
gr. 8". M. 30; in Original-Einband:
Leinwand mit Lederrücken und Rothschnitt
M. 38. Geb., mit den im Text vertheilteu
Bildern, 3 Bände. M. 39. Einband-
decken apart a M. 1.40.

I. Theil: Von den Anfängen bis.ZUIN
Schluß der romanischen Epoche.

(XII it. 576 S.) M. 8.50; geb. 931. 11. - Bil-
der zum I. Theil. (IV u. 44 Tafeln.) M. 3.

ii. Theil: Von Giotto bis zur Hölle des
neueren Stils, (xi u. 950 S.) M. 13.50;
geb. M. 16.50. — Bilder znm II. Theil.
(VI, 65 einfache und 7 Doppeltafeln.) M. 5.
— Bilder zu beiden Theilen zusammen in
einem Baud, M. 8; geb. M. 10.50.

Pros. Ludwig Teil;, jetzt Direktor der
Vatikan. Gallerien in Rom, schrieb an
die Verlagshandlung: „Ich halte Franst,
für ein kostbares Buch und für eines
der besten in seiner Art, welches prak-
tischen Ruhen für den Maler hat."

Sin reich illnstrirter Prospekt des IVerfes
steht auf Verlangen gratis zu Diensten.

Hiezu als Kunstbeilage:
Himmelfahrt Christi,

Plafondgemälde in der Kirche zu Obereschaeh
von 0). Fngel.

Stuttgart, Buchdruckern der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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