Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 74
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zu setzen. — Der Rechenschaftsbericht wird
gut geheißen und der Vorstand druckt
Herrn Pfarrer Schöuinger für seine mühe-
vollen und ersprießlichen Dienste seinen
Dank aus.

Unter den Berathungsgegenständen er-
scheint zuerst eine Eingabe des Pfarrver-
wesers Maier in Ehestetten um einen ent-
sprechenden Beitrag zum Zwecke der voll-
ständigen Wiederherstellung der daselbst
anfgedeckten Wandgemälde. Da das Bitt-
gesuch die schon früher hiezu verwilligten
200 M. unerwähnt läßt, wird angenommen,
daß sie jedenfalls ausgebrancht seien und
werden, nicht ohne Gegenrede, weitere
200 M. verwilligt.

Ein sehr beherzigenswerther Gedanke
war schon bei der Vorberatung angeregt
worden, ein Lieblingsplan unseres verdien-
ten Ansschußmitgliedcs Pf. I)r. Probst:
Es m ö ch t eu in jedem Dekanate
die b e d e u t e n d st e u ft'im st w erkc j e -
ver Richtung und Art abgebildet
werden u nb die Landkapitels kas-
sen dazu hilfreiche Hand bieten.
Die so gewonnenen Kunstblätter werden einen
Schatz des bischöflichen Museums, der
Kunstvereinsbibliothek, sowie der Kapitels-
büchereien bilden, die ihre Schätze gegen-
seitig eiutauscheu könnten. Sie würden der
vergleichenden Kunstforschung zur Grund-
lage und dem ausübenden Künstler als
Auschauungsunlerricht dienen. Unser Verein
könnte sich keine dankenswerthere und
ehrenvollere Aufgabe stellen. In Vertre-
tung des ans eine Stunde abwesenden An-
tragstellers beleuchtete Prof. Or. Hepp alle
diese Punkte aufs gründlichste unter wieder-
holten Beifallskundgebungen. Die nach-
folgende Besprechung gewann dem Gegen-
stände noch ein paar neue Seiten ab und
warf auch einiges Licht auf die Art und
Weise der Ausführung. Stadtpf. Keppler
wies darauf hin, wie solche Abbildungen,
sachgemäß zusammengestellt, für die gesammte
Kunstgeschichte von größtem Werthe sein
müßten: für die Kunstgeschichte, welche gar
manches dieser Werke, darunter solche ersten
Ranges, noch gar nicht kenne. Auch meinte
derselbe, ärmere Kapitelskassen müßten ja
nicht nothwendig das Ganze leisten: ihnen
könnte hinwiederum der Verein selbst zu
Hilfe kommen; schließlich sei auch noch das
„Archiv für christliche Knust" da. (So ilt

z. B. ganz allein auf „Archivs" Kosten ein
sehr preiswürdiges Bild des Sakraments-
hauses zu Weilderstadt hergestellt worden
und dieses ist ein Glück! Denn sobald ein-
mal gemalte Fensterscheiben den dortigen
Chor verdunkeln, wäre eine solche Auf-
nahme gar :iicht mehr möglich.) Chef-
redakteur Kümmel erklärt sich mit dem
Gesagten in allweg einverstanden. Eine
Auswahl derartiger Kunstblätter werde eine
prächtige Vereiusgabe bilden oder doch
bilden helfen. Auf diese Weise bekomme
dann jedes Vereinsmitglied zu den: Kcpp-
ler'schen Thesaurus artium eilt Jllnstra-
tionswerk von großem praktischen Werthe;
„Mau möge es nur einmal mit einer ein-
zigen Zusammenstellung versuchen: cs werde
sich ergeben, daß man dann wiederholt
solche Bildcrmappcn oder wie man sie nen-
nen will, als Vereinsgabe auöseuden und
so einen immer größeren Kreis der sämmt-
lichen Abbildungen, im Lichtdruck oder ähn-
lich, unter das knustliebende Publikum
bringen müsse." Pfarrer Köhler aus Söf-
lingen lebt der Hoffnung, daß, wo die ge-
nannten Faktoren nicht ansreichen, sich auch
Einzelne finden lassen, welche Beiträg,!
leisten oder zu der einen und anderen pho-
tographischen Aufnahme die Kosten bestreiten
werden. Auch dürfte wohl manches Stück
und manches Heft eine größere Verbreitung
finden und einigen Gewinn abwerfen.
(Wenn dies auch der Versammlung etwas
optimistisch vorzukommen schien : es ist nichts
destoweniger Thatsache, daß von der Nach-
bildung des oben erwähnten Tabernakels
30 Exemplare mittlerer Größe in Weil-
derstadt verkauft und 3 großen Formates
von der Kunstschule zu Karlsruhe und zwei
Kunstsammlungen bestellt worden sind. Frei-
lich hatte in diesem Falle der Photograph
den Gewinn.) Stadtpf. Fuchs weist auf
das Bischöfliche Ordinariat als auf die
ausschlaggebende Instanz hin. Wolle diese
hohe Behörde dem Unternehmen ihre Unter-
stützung leihen und den Landkapitelu ge-,
statten, zu dem gedachten Zwecke Mittel
beizusteuern, dann werde die Sache aller-
orts in raschen Fluß kommen und sei an
dem Gelingen nicht zu zweifeln. Vorstand
Pf. Detzel, der sich die finanziellen Schwie-
rigkeiten nicht verhehlt, warnt vor Ueber-
stürzung tind schlägt vor, für jetzt von
einem definitiven Beschluß abzusehen. Mit
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