Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 76
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neralversammlnng) einen auserlesenen Kelch
verfertigt, dessen Fuß anstatt der Gliede-
rnng ein wunderfeines Filigran-Gespinst
mit eingestrenten emaillirten Medaillons
zeigt. Aber anch Meister Ballmann von
Stuttgart glänzte — nicht durch Abwesen-
heit. Seine Monstranz — eine kleinere go-
lhische Zwillingsschwester zu der gleichfalls
von ihm geschaffenen romanischen Monstranz
in Wiblingen — ist originell, zierlich und
doch zugleich in die Ferne wirksam. Der
niedliche, noch unfertig vorgezeigte Fnß
des Straßberger Kelches (vgl. „Archiv
f. chr. K." 1894, Nr. 7) mit prächtig
getriebenen Figürchen — auf dem Original
sind sie nur gravirt — erregte de» Appetit
nach dem Besitze des Ganzen.

Oergleichnng der Angaben der zwei
Liberacher Chronisten aus dem
Zeitalter der Reformation.

Bon Pfarrer Dr. Prob st in Essendorf.

In einigen früheren Artikeln*) des „Ar-
chivs" wurde Mittheilung über die Angaben
eines Biberacher Chronisten gemacht, der
eine überraschende Nachricht über den Chor-
allar von Biberach, als eines Werkes des
Martin Schongaucr (hübsch Martin), gibt.
Die Schrift desselben wurde von Schil-
ling im „Freiburger Diözesanarcbiv" 1887
S. 7—191 veröffentlicht. Der Name die-
ses Chronisten und überhaupt die näheren
Umstände über seine Stellung und seine
Lebensverhältnisse waren bisher nicht zu
erheben. Gerade dieser mißliche Umstand
möchte für viele, besonders für diejenigen,
die nicht in der Lage sind, die Schrift
selbst zu lesen, ein entscheidender Grund
sein, die Angaben dieses Chronisten abzn-
lehneu oder wenigstens dieselben auf sich
beruhen zu lassen. Es besteht aber hier
der seltene und sehr wichtige Umstand, daß
nicht bloß ein, sondern zwei Chronisten
über den gleichen Gegenstand, die refor-
matorische Bewegung in Biberach und die
früher bestandenen Einrichtungen daselbst,
schriftliche Denkmale hinterlassen haben?)

Der zweite Chronist ist Heinrich von

>) Archiv 1891 S. 72; 1893 S. 53 Mid 68.
Die Chronik des H. von Pflnnunern >vnrde
ebenfalls von Schilling veröffentlicht in, Aeei-
bnrger Diözesanarchiv 1875 S. 146—238.

Pflum III eru, Glied der dortigen Pa-
trizierfamilie, geboren 1475, ordinirt 1501;
lebte in Biberach bis 1531, in welchem
Jahr er sich »ach Waldsee wendet und
stirbt hier 1561. Pflummern ist somit ein
vollständig beglaubigter Augenzeuge der
Begebenheiten, die er erzählt und in welche
er selbst vielfach eingreift.

Da nun aber beide Chronisten den
gleichen Gegenstand und die gleichen
Zeilverhältnisfe beschreiben, so müssen noth-
wendig zahlreiche Berührungspunkte unter
ihnen bestehen, so daß dieselben mit ein-
ander verglichen werden können. Wenn
sich nun Herausstellen sollte, daß wesent-
liche Abweichungen unter ihnen bestehen,
so müßte das Gewicht des anonymen, hi-
storisch mangelhaft beglaubigten Chronisten
sinken und v. Pflummern würde allein zu
beachten sein. Wenn aber unter beiden
eine wesentliche U eb ere i n st im m n n g,
anch im Detail besteht, so daß sich die-
selben ergänzen, so überträgt sich
die Glaubwürdigkeit des von
P s l n in in e r n a it ch a n s de n s o n st
w e n i g b e k a nute n a n o n y m e n C h r o-
n i st e n. Das letztere Berhältniß trifft in
Wirklichkeit zu.

Bei der Bergleichung der beiden Chro-
niken werden wir uns ans jene Gegen-
stände beschränken, welche geeignet sind,
einiges Licht über die Kunstgeschichte zu
verbreiten, somit hauptsächlich ans die Al-
täre und ihre Gemälde und Skulpturen.

H. v. Pflummern gibt keine Beschreibung
der Altäre; aber er gibt wiederholt die
Zahl derselben an. In der Pfarrkirche
znBiberach standen 17 Altäre (1. c. S. 186).
Dann werden aber noch weitere 20 Altäre
genannt in nnmittelbarem Anschluß daran,
die ihren Platz in verschiedenen Kapellen
hatten, so daß in der Gesammtzahl — 37

Altäre in der Pfarrkirche und in den Ka-
pellen in Biberach und dessen nächster Um-
gebung sich befanden. Die gleiche Ge-
samimzahl (37) wird anch genannt auf
S. 196, 199 und 207.

Der Anonymus gibt nirgends Zahlen
an, weder über die Anzahl der Altäre in
der P f a r r k i r ch e, noch in den Kapellen
in und bei der Stadt. Aber derselbe be-
s ch reibt, wenn anch ohne Nninmern, die-
selben, den Choraltar recht einläßlich, die
andern Altäre nur ganz kurz (1. c S.
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