Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 90
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(5ruft 3immevmann, der vorzüglich
in seiner Art auch in unserer diesjährigen
Mappe vertreten ist, schildert den Auser-
standenen, wie er deui hl. Thomas er-
scheint, sowie das göttliche Kind, wie es
von den Hirten angebetet wird. Zimmer-
mann erstrebt ein seines Helldunkel, was
ihm sehr gelingt, und wenn er auch stark
realistisch anstritt, so wirkt es doch wohl-
thuend, daß er seinen Gegenstand mit
Liebe erfaßt und durchführt, keineswegs
aber absichtlich ins Niedrige zieht. Frei-
lich die Art uub Weise, wie dieser Künstler
die religiösen Themata bisher behandelt
hat, wird ihm nicht leicht Eingang in
unfern Kirchen verschaffen. In die Kirche
geht man doch mehr in den Sonntags-
kleidern ! Das wird weit besser dem Meister
Adrian Walter mit seinen ganz im
mittelalterlichen, frommen Geiste, mit ver-
ständiger Zuhilfenahme der neueren Technik,
gemalten Tafeln gelingen, die für Altar-
flügel in die Kirche zn Groß-Eis-
lingen bestimmt sind. Walter erhielt
bei der Konkurrenz den ersten Preis und
wurde ihm auch von der Gesellschaft die
Arbeit übertragen. Einen dieser Altar-
slügel hat der Künstler ansgestellt: er ent-
hält die Darstellung des von einem Engel
mit dem vorbildlichen Brode gestärkten
Elias. Der ganze Charakter dieser
Komposition, die strenge, aber ganz korrekte
Zeichnung, das schöne Colorit und der
frische landschaftliche Hintergrund werden
sich gut in die gothische Architektur des
Altares einfügen uub die religiöse Em-
pfindung, mit der das Ganze anfgesaßt
ist, wird für die Gemeinde erbauend
wirken.

In unserm Saale befinden sich auch
tüchtige Goldschmiedarbeiten, unter andern
zwei M o u st r a n z e n, eine romanische
und eine gothische; erstere ist für die
St. Antoninskirche in München ansgeführt
von Rudolf Harrach, letztere eine
überaus reiche, zierliche Arbeit ist von dem
Holländer Rheydt Moldrickx. Eine
ausgezeichnete Arbeit der Kleinkunst ist
aber besonders ein W e i h w a s s e r k e s s e l -
ch e u in Silber von C. L e y r e r in München.
Ueber dem Gefäße für das geweihte Wasser
baut sich in ganz sinniger Weise ein Flü-
gelaltärchen auf, das in der Mitte in
plastischer Arbeit die heilige Dreifaltigkeit

hat, während wir auf den geöffneten Flü-
geln die Darstellung von Mariä Verkün-
digung fein graviert finden, darunter eben-
falls eingraviert das ganze »Ave Maria«;
das Ganze ebenso sinnreich als künstlerisch
fein dnrchgebildet wäre ein wahrhaft fürst-
liches Stück, das wohl auch seinem Preise
nach nur in einem königlichen oder fürst-
lichen Gemache Unterkunft finden dürfte.

Wir treten in den dritten Saal.
Hier begegnen uns nur wenige Gemälde,
dagegen aber große Kartons und groß-
artige Werke der Plastik. Von den elftem
Arbeiten nennen wir die umfangreichen
Zeichnungen „Das Rosenwnnder der hl.
Elisabeth" und die „Heilige Familie", zwei
Kartons zn Glasgemälden für die Heilig-
geist-Kirche in München von Martin
Feuerstein, dann die schönen Zeich-
nungen von Joseph Tr entwald in
Wien „Die Mutter Gottes von Slavonien",
„Mariazell in Steiermark", „Altbnnzlan
und Heiligenberg in Böhmeit" nnb „Drache
von Ragnfa (Dalmatien)", vier Kartons
ztt den Waitdgemälden iit der Votivkirche
zn Wien. Der bedeutendste Karton da-
selbst ist aber wohl „Die Anbetung des
Jesnokindes" von Htigo Huber, der
zn einem Glasgemälde für die Peterskirche
ztt Frankfurt a. M. bestimmt ist; die
weiteren Zeichnungen von demselben Künst-
ler haben Entwürfe zn Glasgemälden für
die St. Peterskirckie in München.

Die Bildhauerei ist in unserem Saale
in erster Linie vertreten vom zweiten Vor-
stande der Gesellschaft für christliche Kunst
Georg Busch in München, einem der
tüchtigsten Schüler von Prof. Eberle,
der durch die bekannte würdige Gestalt
des hl. Georg vertreten ist. Wir haben
von Busch bisher fast nur Werke von
kleineren Dimensionen gesehen, aber er
versteht es, in diese wie kein anderer
Schönheit, Würde und Lieblichkeit ohne
alle und jede Effekthascherei zn lege», die
jeden Kunstfreund entzücken. In der
zweiten Jahresmappe war von ihm das
Modell zn einem Marienaltar abgebildet,
das schon im Glaspalaste im vorigen Jahre
ansgestellt war und allgemeiner Achtung
und Anerkennung sich erfreute. Der Künst-
ler hat es nun mit kleiner Veränderung
der Madonna in Holz ansgearbeitet und
die „Mariensänger" zieren jetzt als eines
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