Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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Schriften voraussetzen. Die sämmtlichen
Darstellungen des obigen Cyklns rucken
der Zeit^nach je an die erste Stelle; nur
von Daniel und Nee existirt ein Bild vom
Ende des ersten Jahrhunderts im Hypo-
gänm der Flavier.

Endlich erhöhen noch den Werth dieser
schönen Publikation drei Anhänge: An-
deutungen der tvnnderbareit Speisung, aus-
gewählte Inschriften ans bcm Atrium und
den angrenzenden Räumen; die Abercins-
Jnschrift. Der letzte ist von hervorra-
gender Bedeutung, intern er gegen Ficker
und Harnack siegreich beit christlichen Cha-
rakter der bekannten Grabinschrift ver-
theidigt und erstmals genau den Text der-
selben gibt.

Die werthvolle Schrift, mit der wir die
Leser bekannt gemacht haben, wäre schon
früher erschienen, hätte nicht ein Brand
in der photographischen Anstalt Danesi die
fertigen Tafeln sammt den Original-
platten vernichtet. Leider fielen demselben
Brande auch znm Opfer die Illustrationen
für das Hauptwerk des Verfassers über die
altchristlichen Bildwerke. Gleichwohl ver-
spricht er den ersten Band desselben binnen
Jahresfrist. Die obige Schrift steigert in
hohem Maße das Verlangen und die Er-
wartung. Prof. Keppler.

Oie Künstler und Kleister,

welche bei m Ban d e s neue n K l o -
st e r s (d e r d e r z e i t i g e n H e i l a n st a l t)
in S ch » ssen ried thätig wären.

Von Kaplan Nueß in Schussenried.

Bei Aufzählung jener Männer, welche
dem in die Zeit von 1750— 1763 fallenden
Klosternenban zu Schussenried Kops und
Hand geliehen haben, gebührt der Vorrang
dem Schöpfer des Hauses, den: Bau-
meister Jakob Emele. Derselbe war
damals in dem bloß einige Minuten vom
Mntterort Schussenried entfernten Filial
Roppcrtsweiler ansäßig. In seinen Hän-
den lag die Oberleitung vom Beginn der
Banthätigkeit an bis zu deren Sistirnng.
Emele muß bei den Schussenrieder Mönchen
recht beliebt und angesehen gewesen sein.
Liest man in sorethanischen Manuskripten
und Chroniken des vorigen Jahrhunderts
über ihn, dann findet man ihm meistens
den Titel „Herr" beigelegt. An diesem

Titnlatnrmodns halten aber die betreffenden
Verfasser gewöhnlich nur distinguirten Per-
sönlichkeiten gegenüber fest. Geradezu mit
Stolz nennen ihn die Chorherren „unseren
Baumeister". Wenn auch Emele seiner Zeit
nicht mit Stimmeneinhelligkeit, sondern bloß
durch die Majorität der Vota znm Ban-
leiter erwählt worden war, so ist doch
später, nachdem er sein Wissen und Kön-
nen Jahre lang gezeigt hatte, die Hoch-
achtung der Norbertiner gegen ihn eine
einmüthige gewesen. In Berichten über
größere im Reichsstist gehaltene Festmahle
und bei Erwähnung der eingeladenen Herr-
schaften signrirt mehr als einmal unter den
Namen der hervorragendsten Theilnehmer
derjenige des Architekten Emele. Auch die
Bürgerschaft zollte unserem Meister An-
hänglichkeit und Verehrung. Zahlreiche
Male wurde er zu Gevatter gebeten.

Die praktische Ausbildung für seinen
späteren Berus als Klosterbanmeister dürfte
Emele bei den ungewöhnlich vielen kirch-
lichen Restaurationen und Neubauten er-
halten haben, welche die beiden banlnstigen
Prälaten Didakns Ströbele (1719—1733)
und Siard Fr ick (1733—1750) an ord-
neten. Namentlich wird wohl der Ersteller
der Steinhäuser Wallfahrtskirche Domini-
kus Zimmermann von Landsberg Einfluß
ans unseren Meister gewonnen haben.
Uebrigens überragt Emele durch seine größere
Einfachheit und Nüchternheit den von der
Sucht nach malerischer Wirkung ganz ge-
fangen genommenen Zopsmeister ans Bayern
um ein Bedeutendes. Daß jedoch Emele
neben der Praxis auch die Theorie der
Architektur nicht vernachläßigte, ist sicher.
Der Schreiber dieses ist in den Besitz eines
Werkchens gelangt, welches in Emeles
Wohnung vor einigen Jahren anfgefnnden
wurde und ehedem unserem Meister als
Lehrbüchlein in der Baukunst Dienste ge-
leistet hatte. Das Opus führt den Titel:
„Des Jacobi Barozzi von Vignola Grund-
Regeln über die sünff Säulen". Das Werk
wurde verlegt bei Weigel in Nürnberg. —
Das erste größere selbständige Bauwerk
Emeles ist die Kirche in Mnttensweiler,
Oberamts Biberach, welche er von 1750
bis 1751 erstellt hat. — Den 11. November
1753 ist in Tettnang das sog. neue Schloß
znm Theil in Ranch ausgegangen. Wäh-
rend des Brandes war keiner der beiden
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