Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 104
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Grafen Montfort zn Hause gewesen, viel-
mehr hatte in der kritischen Zeit der eine
zu Aulendorf, der andere ans der Schütte
(Getreidespeicher) sich anfgehalten. Bloß
an Kleidern und Mobilien wurde der Scha-
den ans 100 000 fl. berechnet, von der
Verwüstung des Gebäudes ganz abgesehen.
Derjenige Mann nun, welcher das Tett-
nanger Grafenschloß ans Schutt und Asche
wieder wie neu erstehen ließ, ist der Schnssen-
riedcr Klostererbaner Jakob Emele. Leider
hatte er den 2. Dezember 1771 noch keine
Bezahlung für seine Dienste erhalten?) —
Emele war auch genötbigt, sich in Rapperts-
weiler ein neues Wohnhaus zn bauen.
Den 4. Marz 1701 Nachts zwei Uhr kam
nämlich in dieser Parcelle ein Sebadenfener
ans, welches fünf Häuser zerstörte, darunter
dasjenige des Klosterbanmeisters. So hat
denn Emele für sich ein neues zwar kleines,
aber äußerst solides Heim errichtet. Dieses
Gebäude erhielt als Hanspatronen den
hl. Romuald und ist gegenwärtig Cigen-
thnm des Söldners Lanx. Es gewährt
einen Ausblick ans die schönste, nämlich ans
die nördliche Front des neuen Klosters?) —
Was die Honorirnng des Architekten beim
Klosterbail betrifft, so bekam Emele
Sommers, solange die Maurer lind Hand-
langer arbeiteten, täglich einen Gnldeil an
Geld, die Konventökost dagegen wllrde ihm
nicht bloß im Sommer, sondern auch im
Winter gereicht?) — Das Geschlecht der
Emele ist jetzt in der Gemeinde Schnssen-
ried ansgestorben. Dasselbe war daselbst
auch nicht antochthon, sondern verhältniß-
niäßig erst spät eingewandert. Der be-
rühmte Baumeister Jakob Emele war näm-
lich den 13. Juli 1707 in Stafflau gen
im jetzigen Oberamt Biberach geboren.
Seine Eltern hießen Matthäus Emele und
Maria, geb. Hepp. Getauft wurde er
vom damaligen Stafflanger Pfarrer, dem
Schnssenrieder Konventnalen P. Johannes
Lohelins Rupf?) In einem Alter von

bl Diarium des P. Nvthelfer. Seite 186. Der
Kürze halber citiven wir diese Quelle iu Zu-
kunft mit deu Buchstaben D. N.

2) Hauschronik. Seite 34.

3) Specificatio Aller Bau-Kösleu deß neuen
Clvsters-, Fischer- riud Nathauß :c. Seite 7.
Diese Quelle citireu wir fortan kurz mit den
Buchstaben BstV., d. h. Baukosteuverzeichuiß.

4J Siehe Taufregister der Pfarrei Stafflaugeu
Von 1673—1709.

22 Jahren heirathete er sich nach Nopperts-
weilerein; er ehlichte die den 28. Oktober
1707 geborene und von P. Siard Frick,
dem nachmaligen Prälaten, getaufte Man-
rermeisterstochter Katharina Schwärzler.
Eiliige Quellen legen dieser späteren Ban-
meisterin mit Unrecht den Vornamen Anna
Maria bei. Die Hochzeit fand den 20. No-
vember 1729 statt. Das Schnssenrieder
Tranregister bezeichnet ausdrücklich Staff-
langen als den GebltrtSort Emeleö. Den
11. Mai 1731 entsproßte der ehlichen
Verbindung die Tochter Maria Theresia,
welche den 27. Januar 1755 einem ge-
wissen Franz stiaver Rief von Wolfarts-
i Weiler (Pfarrei Unterschwarzach) angetrant
wurde und ihrem Bräutigam 1200 fl.

! Mitgift ins Hans brachte, aber schon acht
Tage nach der Hochzeit wegstarb?) Auch
ein Sohn Franz stiaver wurde dem Meister
Emele den 4. August 1732 geboren; der-
selbe gieng aber schon drei Monate nach
der Geburt mit Tod ab. Jakob Emele
erfreute sich einer vorzüglichen Gesundheit
und erreichte eilt hohes Alter. Der Abend
seines Lebens mürbe durch das seltene
Glück verschönert, daß er den 21. Novem-
ber 1779 mit seiner Gattin das goldene
Ehejubiläum halten konnte. Die Ausseg-
nung des Jubelpaares vollzog der klöster-
liche Armenvater P. Ulrich Blank, welcher
am gleichen Tage das Gedächtnis) seiner
vor 50 Jahren abgelegten Ordensprofeß
feierte. Als Trauzeugen finden wir den
hochedlen Herrn Franz von Frey und eine
Oßwaldin Emele von Anlendors. Die
: Thatsache, daß der Klosteroberamtmann
selbst als Trauzeuge fnngirte, bekundet
das Ansehen und die hohe Stellung Emeles.
Der Klosterpfarrer, welcher bei diesem
Anlaß den bedeutenden Mantt „unseren
überaus erfahrenen Baumeister" nennt, hat
im Kirchenbuch die Jnbelhochzeit durch
drei Notabene markirt. Leider waren nach
diesem Feste die Tage des hochverdienten
Greises gezählt. Der Erbaiter des neuen
Schnssenrieder Klosters ist nämlich den
8. August 1780 morgens 6 Uhr nach vielen
und großen Schmerzen wohlvorbereitet an
Wassersucht in Noppertsweiler, das ihm
zur zweiten Heimath geworden war, ver-
schieden. Am solgendekt Tag (9 Uhr mor-

st D. N. Seite 211.
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