Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

Seite: 106
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(Ueb ergäbe des Ordenskleides an St.
Norbert durch Maria) hat Meister ©ott--
sried Bernhard Götz ans Augs-
b u r g für 200 fl. gefertigt. Dieser
Künstler hat an anderen Orten sich durch
tüchtige Leistungen in der Fassadenmalerei
hervorgethan?) Er ist geboren 1708 zu
Kloster Welchrod (Mähren) und ließ sich
in Augsburg nieder. Karl VII. ernannte
ihn zum kaiserlichen Hofmaler?)

Für das Stück in der einen beim ersten
Stiegenhaus befindlichen kleinen Kuppel
(Mariä Verkündigung) wurden dein Maler
M e ß m e r ans S a u l g a u 30 fl. gewährt.
Um 10 fl. 50 kr. hatte man ihm auch
ein großes Tafelbild, die Madonna dar-
stellend, abgenommen?) Etwa 200 Stücke
großer und kleiner Malereien wurden von
dem Grafen Picolomini um 330 sl. er-
worben?) Meßmer vereinnahmte auch
für Fassung und Vergoldung der Stnck-
ornamente in der Bibliothek 173 fl. In
diese Summe sind 8 sl. 30 kr. inbegriffen,
welche er für Verarbeitung eines Bundes
Straßburger Goldes eingenommen hatte?)

Dem Maler und Goldfasser H ö l z
(Hölzle?) von Riedl in gen wurden 150 fl.
für die zwei Knppelbilder im Konventsban
und vier Emblemate im zweiten Stiegenhans
bezahlt, sowie 100 fl. für das Fassen des
Treppenhauses und Vergoldungen darin.
Das Gold hatte er selbst angeschafft.
Diesem Meister wurden auch um 24 fl.
Malereien abgetanst?) Einem unge-
nannten Memminger Vergolder wurden
Knöpfe zum Vergolden übergeben und
seine Arbeit mit 32 fl. honorirt?)

Maler Mauz von Biber ach fand
namentlich bei der Bibliothekansmalnng
Verwendung. Er arbeitete im Taglohn
und zwar 109'/s Tage hindurch; abge-
fnnden wurde er mit 30 kr. täglich. U. a.
hatte er ancki die Bettstatt im Gastzimmer
anznstreichen?) Mit den Anstreicharbeiten
an Kreuzstücken, Gittern u. s. w. war der
Maler I u n g ans A n l e n d o r f betraut?)

0 BKB Seite 86

2) Siehe „Kathvlik" 10. Bd. 1891, Seite 582.

3) BKB. Seite 36.

0 BKB. Seite 36.

3) BKB- Seite 29.

*9 BKB. Seite 15 und 48.

7) BKB. Seite 15.

8) BKB. Seile 29 und 51.

9 BKB- Seite 15 und 19.

Von den Stnckatoren, welche am
Klosternenbail wirkten, verdient vor allen
anderen eine Erwähnung Jakob Schwarz-
iii a n ii ans Feldki r cb. Er trat als noch
ganz junger, lediger Mann in den Dienst
des Reichsstistes, nachdem er zuvor schon
die Stadtpfarrkirche in Pfullendorf und
die Kirche des hochadeligen Cistirzien-
scrinnenstiftes Wald mit Gipöornamenten
kunstgerecht geziert hatte. Er erhält das
Lob eines begabten, soliden Künstlers und
vortrefflichen Zeichners, dessen schöne
Arbeiten damals allgemeine Anerkennung
gefunden haben. Schon im Juli 1754
wurde mit Schwarzmann ein Vertrag ab-
geschlossen, laut dessen ihm für das
Stnckatiren des ersten (westlichen) Halb-
flügels nebst Pavillon (sämmtliche Zimmer,
Gänge, das Stiegenhans re.) 300 fl.
zngesichert wurden. Er nahm den Auf-
trag so energisch in Angriff und Ansführ-
nng, daß er im gleichen Monat auf dem
oberen Gang die drei ersten Zimmer gegen
die Kirche hin (vom Stiegenhans an ge-
rechnet) vollendete und gegen Schluß des
Monats bereits die Arbeiten im Stiegen-
hans anfing?) Sein Lehrjnnge Xaver
Gull bekam täglich 14 Kreuzer; im
ganzen verdiente dieser Gehilfe bei der
Ausführung des obigen Auftrages 9 fl.
34 kr?) Die Stuckdekorationen des
Bibliotheksaales sind ebenfalls größten-
theils das Werk Schwarzmanns. Der
Auftrag für die Bücherei (die 32 marmo-
rirten Säulen und die Weißarbeit sind
eingeschlosse») wurde ihm mit 1050 fl.
bezahlt; er batte übrigens für diese Summe
noch drei andere kleine Kommissionen zu
besorgen; die Kost erhielt er im Kloster.
Weil aber das Reichsstift die Engelfignren,
Brustbilder u. s. w., welche die Gallerte
des Saales zu schmücken bestimmt waren,
nicht aus Gips Herstellen, sondern durch
einen Bildhauer aus Holz fertigen ließ,
so wurde unserem Stnckator noch eine
„Anibesserung" von 25 fl. verwilligt. Für
die Qnadralur erhielt Schwarzmann 29 fl.
2 kr?) Im Jahre 1758 sind an Jakob
Schwarzmann die drei Gänge und sämmt-
liche Zimmer des Konventsbanes in allen

? D. N. Seile 111 und BKB. Seite 15.

2) BKB. Seile 15.

3) BKB. Seite 21.
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