Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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noch die Namen jener Männer an, welche
die Tansende und Abertausende von Back-
steinen znm Klosterban geliefert haben.
Die Ersten, welche genannt zn werden
verdienen, sind die Gebrüder Reiner
aus Bayern. Sie hatten die Vornamen
Christoph und Johannes, waren leibliche
Brüder des damaligen Schnssenrieder Chor-
herrn P. Dominikus Reiner und gebürtig
ans Zimentshansen, resp. Mnttershofen
(ein Dorf herwärts von Augsburg gelegen).
Mit diesen beiden Zieglermeistern wurde
anno 1750 wegen des Luftbrennens
folgender Vertrag abgeschlossen: 1. Die
zwei Meister versprechen, bei einem guten
trockenen Sommer 5 bis 600 000 Lnst-
steine zn fertigen und einen Model (Form)
in der Länge von 14 Zoll, in der Breite
7 Zoll und in der Dicke 23U Zoll zn
führen. 2. Hiegegen aber verspricht ihnen
das Gotteshaus für jedes Tausend solcher
brauchbarer Steine 3 fl. 30 kr. zil be-
zahlen nnb 3. verpflicht es sich, alles noth-
wendige Holz und Sand ■ auf den Platz
führen zit lassen, zumal auch den Hand-
werkszeug (Schaufeln, Hanen, Schnb-
karreu n. s. w.), auch Bretter und Dielen
herbeiznschaffeu und wenn dergleichen
Handwerkszeug unbrauchbar geworden,
denselben reparieren zit lassen. 4. Will
das Gotteshaus den Platz und Raum für
die Ziegelofen, Hütten ntid Wohnung ans
eigene Kosten Herrichten und dann 5. den
zwei Meistern, wenn sie hier arbeiten, zn
Mittag und Nacht in dein Bauhof den
Meistcrtifch, znm Frühstück aber st dem eilt
Laibchcit Brod angedeihen lassen, sodann
auch 6. atif jeden Brand einen Eimer
Bier und eine Maß Branntwein gratis ver-
abfolgen, endlich 7. ihnen die nöthigen
Früchte (NB. wenn das Gotteshaus diese,
besonders den Roggen, nicht selbst nolh-
wendig hat), wie auch das Bier um einen
billigen Preis gleichwie anderen Leuten zu-
kommen lassen.1) Mitte April 1750 trafen
die beiden Zieglermeister Reiner in
Schllssenried ein; sie hatten über 20
Gehilfen und Knechte, welche unter ihrer
Oberaufsicht in vier Abtheilnngen nahe bei
einander arbeiteten, jede Partie ans einem
besonderen Raum. Das Terrain war ihnen
zn ihren Arbeiten oberhalb des alten Senn-

0 BKV. Seile 5.

Hofes beim Fiusterbachweiher angcwieseit
worden, wo sie guten und fetten Lehm
über genug fanden. Damit sie hinreichen-
den Platz znm Ansgraben nnb zur Ver-
arbeitung des Lehmes besäßen, hatte man
schon anno 1749 mit dem in nächster Nähe
stehenden Wald stark aufgeräumt und da-
selbst viel Brennholz geschlagen. Ans
diesem nengewählten Ziegelplatz wurde
während der Monate April, Mai und
Juni ein Wohnhaus für die Ziegler ge-
baut, sodann auch zwei große Brennöfen
und zu jedem derselben ein Ziegelstadel.
Die Baulichkeiten waren von Zimmerholz
errichtet und mit Platten gedeckt; dieselben
wurden der Anfang der jetzigen, gegen
Otterswang hin gelegenen Parzelle L n st -
Hütte. Leider hatten die beiden Meister
schon zn Beginn ihrer Thätigkeit kein
rechtes Glück; denn durch anhaltendes
Regenwetter, namentlich durch heftige Platz-
regen, wurden ihnen viele Tansende neuer,
noch im Freien liegender Steine rninirt.
Auch die Gunst des Reichsstistcs lächelte
ihnen nicht lange. Man fand ihre Lohn-
ansprüche bald zn hoch gespannt. Daher
wurden sie bereits um Martini 1751 ans
den Diensten des Klosters entlassen. An
ihre Stelle wurden Ziegrlwaarenmacher
ans Wald fee berufen. Es sind dies
die beiden Ziegler Joseph Frey und
Christian Martin. Die Waldseer
Meister verlangten für das Tausend Zie-
gelsteine bloß 2 fl. 40 kr. Daneben
mußte ihnen zn jebcui Brand ein Eimer
Bier und drei Laibe Brod bewilligt wer-
den. Wie den früheren Fachgenossen auö
Bayern hatte auch ihnen das Kloster das
Holz nttd das tiöthige Handwerkzeng ztt
stellen. Immerhin war aber ihre Arbeits-
leistung bedeutend billiger als diejenige
ihrer Vorgänger. Als Theilhaber trat
in das Kontraktsverhältniß auch der
Schnssenrieder Klosierziegler Jakob
Fröhlich ein. Er lieferte Matlersteine,
Dachplatten, Geschiebssteine, Setzplättchen,
Hohlziegel n. s. w. Fröhlich, welcher den
28. Juli 1768 starb, hat ein Alter von
68 Jahren erreicht. Seine Wiege stand
i» der Schweiz, wo er kalvinistisch getaieft
nnb erzogen wurde; in einem Alter von
19 Jahreit konvertirte er zu Stockach nnb
bewährte sich bis 'ztim Lebensende als
einen sittlich-religiös musterhaften Mann.
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