Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 13.1895

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wäre, so möchten nicht allein die Schreiner,
sondern auch der Steinmetz solche Arbeit, als
Bilder, Cruzifix, Hirsch-, Nehköpf und andere
zu fassen, zu hauen und zu schneiden insgemein
gebrauchen unb treiben und welcher die beste
Arbeit mache, sollte dessen, ivie billig, genießen.

3. Augsburg den 7. April 1582. Die vor
den Rath gerufenen Zunftvorsteher der Kistler
und Steinmetzen erklären: Das Vorgeben,des
Navensbnrger Steinmetzen, das Bildschnitzen ans
Holz sei freie Kunst, sei nicht wahr, er sei dazu
nicht befugt, und es sei das in keiner Stadt,
ans die er sich berufen, gebräuchlich, daß sich
einer eines solchen, tveß Handwerk er sei, un»
erlernt gebrauchen dürfe, sondern es seien zwei
unterschiedliche Handwerke, ivie denn der (Augs-
burger) städtische Werkmeister Simeon Ztvizel,
Steinmetz, solche beide unterschiedlich Hab erlernen
müssen. Es werd solches allhin nicht für eine
freie Kunst geballen, sondern gebührt den Schrei-
nern, weil es vom Holz. Wie denn die Schreiner
auch nichts vom Stein, sondern vom Holz befugt.
Da aber der Steinmetz von Ravensburg das
Bildschnitzen von Hol; auch erlernet, kann ihm
dasselbe zu treiben nicht verwehrt werden.

4. Dt ein m ingen den 20. April 1582. Die
vor den Rath gerufenen Obleute des Schreiner-
handwerks bezeugen: Es haben sich hier feine
solche Irrungen zugetragen, aber es wurde das
Bildschneiden und Hanen im Holz für keine freie
Kunst, so ein jeder von irgend einem Handwerk
treiben könnte, gehalten, sondern das Bildhanen
in Holz und das Steinmetzen sei je ein beson-
deres Handwerk und hätte jedes seine besondere
Leinung. Es hätte hier auch einen Burger, d. Z.
städtischen Manrerwerkmeister, der das Steinmetz-
handwerk auch erlernt nnb sich gebraucht. Da
sich aber derselbe unterstehen wollte, von Hvlz-
lverk Bilder, Hirsch-, Rehköpfe oder anvercs zu
schneiden und einznsassen, so würde es liicht allein
der Bildhauer (davon es gleichwohl jetziger Zeit
auch nur Einen hier hat), fonbevn auch das
Schreinerhandwerk nicht gestalten: es wäre denn,
daß keiner allhier wäre so dergleichen Bilder oder
anderes in Holz schneiden und fassen könnte So
würde bei der Oberkait stehen, ob es den Slein-
nietzen zu gestatten, lvie auch bemelter Steinmetz
selbs dafür hält, daß er seines Erachtens nicht be-
fugt, im Holztverk ivas zu schneiden und einzufassen.

Literatur.

Akustik des Baumeisters oder der Schall

im begrenzten Ranme. Entwickelt von A.

Stnrmhoefel, Stadlbaurath a. D. Mit

22 Abbildungen im Text. Berlin, Schuster

nnb Busleb 1894. 88 S.

Der Verfasser dieser überaus gründlichen und
gediegenen Schrift liest zunächst mit möglichster
Klarheit und unter Beiziehung der unumgäng-
lichen physikalisch-mathematischen Berechnungen
ein auch dem Nichlfachmann verständliches Kolleg
über die allgemeine Schall-Lehre und gibtRechen-
schaft über die von ihm selbst neu angestellteu
interessanten Experimente. Es gelingt ihm, für
die Schallmessungen ein festes, zahlenmäßiges
Fundament zu gewinnen und von diesem ans
der praktischen Lösung der hochwichtigen akustischen

Frage näher zu treten. Nach seiner Theorie
ist es rein vergeblich, nach bestimmten Nanm-
proportionen zu fahnden, ivelche an sich schon
eine günstige Akustik sichern könnten, da die
letztere nur zum Theil von den Dimensionen des
Raumes abhängig ist, zum andern Theil von
dem Zusammenwirken der von der Beschaffenheit
der Wände und anderen Faktoren bestimmten
Schallreflexe mit dem direkten Schall. Für
Kirche und Kanzel ergeben sich aus sinnen Unter-
suchungen folgende wuchtige Resultate. Die Höhe
der Gewölbe oder der Decke ist an sich in Folge
des dort sich bildenden Nachhalls akustisch be-
denklich. Kräftige, reich prvfilirte Gewölberippen
und Schlußsteine, stark reliefirte Rahmungen
und Gliederungen an den Wänden, rauhe Felder
sind zu empfehlen. Günstig mit ft ein hinläng-
lich großer Schalldeckel, der durch eine breite
Rückwand mit der Kanzel zu verbinden ist,
welche in größeren Kirchen auch besser ans
Holz als aus Stein gebaut sein soll. Am besten
tväre jene Ausstellung der Kanzel, tvelche dem
Prediger ein Sprechen in der Längsachse der
Kirche ermöglichen würde. Die ebene Lage des
Fußbodens und Gestühls gebietet den Stand-
punkt des Predigers zu erhöhen, was an sich
für die Schallverbreitnng nicht günstig ist; ein
Holzfußboden unter dem Gestühl, Täfelungen
an den Wänden und Pfeilern verbessert für die
Zuhörer im Schiff die Hörbarkeit. Pfeilerbündel
mit runden Profilen sind der Akustik zuträglich,
breite, viereckige, glatte Pfeiler schädlich. Die
der Kanzel gegenüberliegenden Wände sollten
gegliedert und gerauht sein. Die Rückwand der
Kanzel sollte keine ganz gerade Fläche sein,
sondern eher zu einer flachen Nische eingewölbt
wurden, verkleidet entiveder mit Marmor oder mit
einer dünnen,hohlen, mit dem Podium eng verbun-
denen Holztäfelung. Die Untersuchungen und Re-
sultate des Verfassers beanspruchen ein energisches
Studium und eine gewissenhafte Berücksichtigung
aller, die mit dem Kirchenban zu thnn haben.

Reschreibung des Oberam t s Can nstat t.

Herausgegeben von dem K. Statistischen

Lau des amt. Stuttgart, Kohlhammer 1895.

VII und 732 S.

Mit gleicher Sorgfalt und Pietät, tvie die in
den letzten Decennien erschienenen neuen würt-
tembergischen Oberamtsbeschreibungen, behandell
und registrirt auch die obige alle großen und
kleinen Denkmäler und Reste kirchlicher Kunst.
Freilich dieser Bezirk gehört zu den knnstärmsten
im Lande; das einzige Architekturwerk größeren
Stiles, dessen er sich rühmen kann, ist der Chor
der protestantischen Hanplkirche in Cannstatt,
Albrecht Georgs Werk. Und doch birgt eines
seiner Dörfer einen Knnstschatz, der für die
Armut der übrigen entschädigt. Das liebliche
Dorfkirchlein zu St. Veit in Mühlhausen a. N.,
im Entwurf vielleicht ein Werk des Prager Dom-
banmeisters Peter von Gniünd, ist eine wahre
Schatzkammer alter Architektur, Wand- und Tafel-
malerei und Skulptur. Professor Hartmann er-
stattet hierüber, wie über alles sonst noch an
kirchlicher Kunst Erhaltene, genauen Bericht, an
dem wir nichts auszustellen gefunden haben, als
daß die Jahrzahl 1886 S. 472 Zeile 6 von
oben wohl 1868 zu lesen sein dürfte. —

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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