Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

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1441 die Grafeil Ludwig und Ulrich von Würt-
temberg der Karthanse gegenüber verpflichtet
hatten.

Schoil im Bauernkrieg soll das Klosterge-
bäude schiver gelitten haben. Jedoch erst seit
1534 beginnt der allmälige Zerfall desselben.
Als in diesen, Jahre die Karthanse säkularisirt
wurde, ivllrde ein Inventar aufgeuoiumeu. Es
fanden sich vor 17 Stück silberne ulid goldene
Heiligthüiner mit augehängteu Kleinodien (offen-
bar die eiilst von Mechtild geschenkten), 15 Kelche,
ein gauzkgvldeues, ein roth goldenes, ein schivarz
goldenes, ein grau goldenes, ein weiß goldenes,
ein roth silbernes lind ein grau silbernes Meß-
geivand, gemacht a>,s Sammet, Scharlach, Damast
und Atlas, die nöthl'gen Chvrröcke und Levilen-
mäntel, welche die Mönche aber liicht gebraucht
hatten. (Schluß folgt.)

Literatur.

Geschichte d e r ch r i st l i ch e n K « n st. Bon
Franz .t'aver Kraus. Erster Band
Die hellenistisch-römische Kunst der alten
Christen. Die byzantinische Kunst. An-
fänge der Kunst bei den Völkern des Nor-
dens. Erste Abtheilung. Mit Titelbild
in Farbendruck und 253 Abbildungen int
Text. Freiburg, Herder 1895. Lex. - 8

VIII und 320 S. Preis 8 M.

Dieses Monninentalwerk orientirt nicht nur
über den neuesten Stand der gesummten christ-
lichen Kllnstfvrschllng, sondern weist vielfach der
letzteren neue Bahnen und ergänzt Mangel, die
ihr bisher anhafteten. In streng wissenschaft-
licher Form ilnd unter Angabe und Berücksich-
tigung der ungeheuren Literatur, tverden alle
die großen und schwierigen Fragen abgehandelt
lind soweit möglich endgiltig eiltschieden, von
bereu Lösung das richtige Urtheil über die alt
christliche Kunst abhängt. Dabei wird ein Haupt-
augenmerk dem Inhalt der Kunstvorstellungen
zugewendet, tvährend bisher vorwiegend nur die
Kunst formen berücksichtigt wurden. Der Ueber-
reichthnni an Details wird znrückgeschnitten z,l
Gunsten einer klaren und energischen Betonung
der großen Liniei, der Entwicklung. Die Dar-
stellnng ist bei aller wissenschaftlichen Strenge
überaus anziehend, die typographische Ansstel-
lnng vornehm, die Jllnstrirnng reich an neuem
Material. Die Katakomben, die altchristliche
Malerei, Skulptur, Baukunst bildet, dei, Haupt-
inhalt dieses ersten Halbbandes; besonders
wichtig ist die Ikonographie der ersten christ-
lichen Kiliist, tvelche sämmtliche Typen, Symbole,
biblische Vorwürfe und historische Themate der-
selben vorführt; die einschlägigen Artikel der
„Realencyklopädie" sind hier natürlich beigezvgen,
aber durchlveg neu geprüft, mit den neuesten
Funden in Einklang gebracht, theiltveise korrigirt.
Wir heben nur noch hervor, die äußerst interes-
santeil Auseinandersetzungen über den Charakter
lind die Bedeutung der ulten Knnsttypen (sym-
bolisch . lehrhaft und erbaulich), über den Zu-
sammenhang der christlichen mit der heidnisch-

römischen Kunst, über die Ertveiterling des Bil-
derkreises im constantinischen Zeitalter, über'die
Entlehnung heidnischer Motive, über Techliik
und ästhetischen Werth der Waüdmalerei und
der Sarkophagskulptur, über den Ursprung der
christlichen Basilika. Das Buch ist unentbehrlich
für jeden, der sich über den jetzigen Stand»der
religiösen Kunstgeschichte vrientiren tvill. Der
ztveite Halbband ist noch im vorigen Jahre vol-
lendet tvorden. Der Preis ist in, Verhältnis;
zum Gebotene!, niedrig gehalten.

D i e M ü n st e r k i r ch e z u E s s e n u n d i h r e
K u n st s ch ätze; ein Führer für die Be-
sucher der Münsterkirche von Fr. Göbel.
Essen, H. Bos 1895. 58 2. Preis 60 Psg.
Bauliche Ueberreste aus Otto's d. Gr. Zeit
sind selten. Ein solcher, von bedeutender Wich-
tigkeit für die Geschichte des Kirchenbanes, ist
der Nonnenchvr der Abteikirche zu Essen. Seinen
antikisirenden Formen nach ist er — da die
angenscheinlich lveit jüngere Krypta unter den,
Altarhnnse einer Inschrift zufolge i. I. 1051
eingelveiht wurde — mit ziemlicher Sicherheit
der Mitte des 10. Jahrhunderts znzuschrciben.
Die Abbildung in Otte's „Geschichte der ro-
manischen Banknust in Deutschland", S. 86,
läßt ihn delltlich als eine freie Nachahmung des
Aachener Münsters erkennen. Unser Büchlein
eilthält nun ztvar, außer einer Gesammtansicht,
keilte Bilder, führt uns aber aufs anschaulichste,
soweit es ohne solche möglich ist, die einzelnei,
Theile der Münsterkirche lind die bis iils
14. Jahrhundert herabreichende Geschichte ihres
Werdens vor Augen. Nachher kommen der
Reihe nach geschichtliche unb bauliche Merk-
würdigkeiten, alte lind neue Wandmalereien,
Grabmälcr, Epitaphieil, Altäre zur Sprache.
20 Seiten nimmt allein der überreiche Inhalt
der „goldenen Kammer" in Anspruch, deren
einzelne Gegenstände nicht allein inventarmäßig
anfgesührt, sondern auch eingehend beschrieben
und meist nach ihrem künstlerischen unb technischen
Wert he gewürdigt werden.

Annonce.

m

Adolf Schell,

@ffenburg, Raden.

m

Anstalt für kirehliehe
Glasmalerei.

m

Stilgerechte und künstle-
rische Ausführung.
Grösste heistungsfähi^-
keit. Gegründet 4860.

m

Hiezu als Annstbeilage:
Ehestetter Wandgemälde.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akr.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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