Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

Seite: 13
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mußten sie die Baronenbnrg einrichten,
zur Feier des Gottesdienstes dagegen wurde
ihnen die schon Jahrhunderte früher er-
stellte alte Pfarrkirche überlassen. So
waren die Pröpste von Schnssenried zu-
gleich auch die Pfarrer der Gemeinde, und
Mönche wirkten als ihre Vikare. Daß
jedoch dieser Zustand des Hospitirens in j
dem Gemeindegotteshans den Ordens- !
männern ans die Dauer nicht als passend
erscheinen mußte, liegt klar zu Tage. Als
daher das Adelsschloß einigermaßen in
ein Kloster nmgewandelt war, da richtete
sich die Hanptsorge der Prämonstratenser
ans die Erstellung einer eigenen Kloster-
kirche. Gleich der erste Propst Friedrich
(1183—88) machte sich an das Werk?)
Er wurde von den Klosterstiftern, den
Baronen Konrad und Beringer, beim Ban
der neuen Ordenskirche mit Rathschlägen
und sonstiger Beibilse ans das kräftigste
unterstützt. Das Zusammenwirken dieser
drei Bauherren war so innig, beziehungs-
weise die Theilnahme der Klostergründer
am Kirchenbau so bedeutend, daß der
Hanschronist sogar folgenden Satz schreiben
konnte: „Die neue Klosterkirche, so viel
das Langhaus betraf, erbauten die Herren
Stifter noch bei dero Lebzeiten."i) Voll-
endet wurde während dieser allerersten
Banperiode bloß das Langhaus mit
dem in der Mitte desselben befindlichen
Grabe der Klostergründer. In dieser
Gruft haben die drei Bauherren nach ihrem
Verscheiden die letzte Ruhestätte gefunden,
nämlich anno 1188 Propst Friedrich und
der zum Laienbruder gewordene adelige
Stifter Beringer. Ihnen wurde dann im
Jahre 1191 noch der Leichnam des an-
deren Klostergründers, des Freiherrn Kon-
rad, beigesellt. Zwei im Gang des Mittel-
schiffes befindliche Oesfnnngen der Grab-
gewölbe sind mit Rorschacher Sandsteinen
verschlossen. Einer der Steine ist ge-
schmückt mit dem Wappen der ehemaligen
Freiherrn von Schnssenried, nämlich mit
einem gekrönten aufrechten Löwen, der die
rechte Vordertatze etwas erhebt. Aus dem
Helm wächst ein gleichgestalteter Löwe
hervor. Der Gedenkstein trägt die In-
schrift:

') Schussenrieder Hauschronik. Seite 2.

Schussenrieder Hauschronik. Anmerkungen.
Seite 16.

MC CI.

F. Beringerus et Conradus
II. BB. de Schussenriedt
Fundatores
et

Fridericus Imus Praepositus hujus
Monasterij.

Requiescant in pace.

Dieser Grabstein mit seiner sehr leicht
lesbaren Inschrift ist übrigens keineswegs
der ursprünglich über die Ruhestätte der
Klosterstifter und des ersten Propstes ge-
legte Gedenkstein. Denn leider ist der
erste „zierlich gearbeitete unb mit dero
Insignien versehene Grabstein von dem
Grabe der Stifter in der Mitte der Kirche
ansgehoben und zerschlagen" worden. Dieser
pietätslose Akt geschah zu Beginn des
vorigen Jahrhunderts. Der Bruder des
damaligen Prälaten, P. Ludwig Mangold,
hat sich in herben Ausdrücken über dieses
Vorgehen ansgelassen?) Der Abt Tibe-
rins Mangold selbst deutet an, daß die
bedauerliche Vernichtung des uralten Ge-
dächtnißsteins beim Legen eines netten
Kirchengangbodens vorgefallen sei. Er
schreibt nämlich fast wörtlich in seinem
Diarium unter dem 15. September 1707:
„Als man dieser Tage den Gaitg zwischen
den Kirchenstühlen besetzte, hat man bei-
ttahe mitten in dem Gotteshaus ein schönes,
unten und auf allen Seiten gemauertes
Gewölbe gefllnden, in welches kein Wasser
eindringen kann. Jit ihin tagen die Ge-
beine der Gründer des Stiftes und seines
ersten Propstes, wie die alte Beschreibung
meldet. Ich habe alles durchsuchen tind
das Gewölbe mit einem Rorschacher Steine

decken und schließen lassen.Das

ewige Licht letichte ihnen, Dank sei ge-
sagt für die von ihnen hingegebenen Mittel,
damit wir das ewige Heil erwerben kön-

? Seiue bitteren Worte lauten: „Quorum
(D. D. Fundatorum) tumulum et illustria
monimenta lapidibus incisa paucis abhinc annis
in Ecclesiae nostrae navi propriis oculis
spectavimus, antequam nuper nimis incauto
et forte imprudenti consilio, adeo a nobis
venerandae antiquitates et piissimorum Fun-
datorum memoriae ingrate nimis, ne dicam
petulanter, confractae (pro dolor! utinam
saltem abhostibus) et oculis nostris ac serae
posteritatis penitus sublatae fuerunt. Haus-
chronik. Anmerkungen. Seite 18.
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