Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

Seite: 21
DOI Heft: 10.11588/diglit.15913.14
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15913.15
DOI Seite: 10.11588/diglit.15913#0029
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1896/0029
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Kunst.

perausgegcben und redigirt von Stabtpfarrer Kcpplcr in Freudenstadt.

Verlag des Rottenburger Diozesan-Aniistvercins,
für denselben: der Vorstand Pfarrer vetzel in St. Lhristiiia-Ravensburg.

Lr.

Erscheint monatlich einmal. Halbjährlich sitr M.2.05 durch die württembergischen (M. l.90
im Stuttgarter AesleÜbezirk), M. 2.20 durch die bayerischen und die Reichspostanstalten,
Q fl. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 in der Schtveiz zu beziehen. Bestellungen werde>i
Zj* auch angenommen von allen Buchhandlungen sotvie gegen Einsendung des Betrags direkt
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Urbansstraße 94, zuur
Preise von M. 2.05 halbjährlich.

1896.

bar vor der den Chor abschließenden

Oie Baugeschichte der Klosterkirche
von l^chussenried.

Vou Kaplan Rueß in Schusseilried.

(Fortsetzung und Schluß.)

Dieser Choreingang war also ein wenig
hinter der Oesterreicher'schen Qnermaner nnd
zwar ans der Seite gegen das Sanktuarium
hin. Von diesen zur Absonderung der Mönche
»nd Laien getroffenen Vorkehrungen sind
zilr Zeit des ?. Georg Ludwig Mangold,
also zu Eilde des 17. Jahrhunderts, noch
die meisten vorhanden gewesen. P. Lud-
wig bemerkt, daß eineil solchen Doppel-
charakter (halb Mönchs-, halb Laiengotteö-
hails) in Schwaben vor alters beinahe
alle Klosterkirchen besesseit hätten. Auch
der Hauschronist stimmt diesenl Urtheil bei
und erzählt, daß er um das Jahr 1740
die Konstanzer Dominikanerkirche in ähn-
licher Weise eingerichtet gefunden habe.
Abt Heinrich hat bei seiner Eintheilnng der
Klosterkirche die Ehre Gottes, aber auch
das Heil der Seelen zu fördern gesucht;
es sollte ein „Weltmensch" nicht einmal
mit den Augen den damals in strenger
Disciplin lebenden Möncheil sich nähern
dürfen. Darum ist die Kirche sozusagen
in zwei Theile geschieden, den klerikalen
nnd den laikalen Kirchenbesilchern je ein
abgesonderter Raum zugewiesen worden.
Den Religiösen blieb das künstlich ver-
längerte Presbyterium reservirt, das Volk
erhielt zur Benützung das Langhaus, wo für
dasselbe auf zwei, später aus drei Altären
das heilige Meßopfer dargebracht wurde.

Die übrigen fünf Altäre standen inner-
halb der Klansiir der Mönche. Der dritte
Altar im Langhaus, somit der achte in
der Kirche überhaupt ist den 5. Sep-
tember 1517 von Weihbischof Balthasar
konsekrirt worden. Derselbe befand sich
inmitten des Ordensgotteshanses, unmittel-

Quermauer.Dieser Mittelaltar wurde
geweiht zu Ehren des hl. Kreuzes, des
hl. Johannes Evangelisten, Maria Mag-
dalena und Helena. Der gleiche Bischof
hat an demselben Tag noch einen Altar
konsekrirt nnd zwar jit Ehren der Hei-
ligen: Anna, Joachim, Joseph, Johann
Baptist nnd Laurentius. Dieser sogenannte
St. Annenaltar stand zwischen dem Chor
und der Christophskapelle. Der Raum,
in welchem er errichtet war, wurde ge-
radezu St. Annakapelle genannt. — Am
Tage vor dieser Altarkonsekration (4. Sep-
tember 1517) hatte der gleiche hochwür-
digste Herr Balthasar, episcopus Tro-
janus, Predigerordens, Suffragan des
Konstanzer Bischofes Hugo die Kloster-
kirche, deren Altäre, den Friedhof, Kreuz-
gang, das Kapitel nnd die alte Pfarrkirche
rekonciliirt. Welche Profauatiou diesem
Sühneakt vorangegangen sei, konnte der
Archivar nicht seststellen. Er vermutet
aber, daß in dem Jahre, wo die Glanbens-
spaltung zum öffentlichen Ausbruch ge-
kommen ist, auch un Schnssenrieder Kloster
etwas mit einem Abfall vom Glauben Zusam-
menhängendes vorgekommen sein werde. Bi-
schof Balthasar hat die von ihm vorge-
nommene Rekonciliation nnd die Altarkon-
sekrationen in einem besonderen Instru-
ment bestätigt nnd mit seinem Siegel be-
kräftigt?) — Im 16. Jahrhundert ist in
Schussenried leider noch einmal eine Re-
konciliation nöthig geworden. Sie wurde
den 24. Mai 1588 vom Konstanzer Weih-
bischof Balthasar, Bischof von Askalonien,
an der Klosterkirche, am Kreuzgang nnd
am Friedhof vorgenommen. Die Ursache
der voransgegangenen Verunehrung ist ein

*) Archivregister. Tomus I. Lade J. Fas-
eltet 2. Merkwürdigkeiten von 1500 —1600.

2) Archivregister. Eodem loco.
loading ...