Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

Seite: 27
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Dach, welches alle drei Kirchenschiffe zu-
gleich gedeckt hatte, abgenommen. Statt
des einzigen bisherigen Langhausdaches
wurden drei, nämlich je eines über jedem
Schiff der Kirche angebracht. Die beiden
Abseiten erhielten Walmdächer. In die
nun nach außen hin freigelegten oberen
Wandflächen des Hauptschiffes wurden
Oeffnungeu für die jetzigen 14 unschönen
Oberlichter gebrochen. Hierauf konnte
zur Ausmalung geschritten werden. Mit
derselben betraute das Neichsstift nicht
mehr den Meister Weiß, sondern den
tüchtigeren Münchener Hofmaler Johannes
Zick. Ihm war den 6. Juli 1745 die
Malerei und die Stückarbeit im Mittel-
schiff im Akkord verdingt worden um den
geringen Preis von 650 fl., beziehungs-
weise um 700 fl., falls man die 50 fl.
Trinkgeld an die Frau des Meisters noch
rechnet. Der Preis ist recht niedrig; denn
der Künstler hatte für diese Geldsumme
den ganzen Bildercyklus aus dem Lebeit
des hl. Norbert, sodann verschiedeite sym-
bolische Stücke und außer manchen Gips-
ornamenteu namentlich auch die recht wür-
digen über lebensgroßen Apostelfignren liebst
den Statuen Jesil und Mariä am Chor-
abschlnß zu liefern?) Den l0. November
1745 gelangten die mittleren Decken-
malereien zur Vollendung, so daß das
-Gerüst beseitigt werden konnte?) Im
folgenden Jahre wurde die Ausmalung
der Stiftskirche zit Ende geführt; beim
schon im Monat Mai 1746 waren dem
Meister I. Zick auch die zwei Seiten-
schiffplafonds zum Bemalen sowie die in
den Abseiten unb in der Gallerie nöthigen
Stückarbeiten um den gleichen Preis wie
das Hauptschiff übergeben worden. Noch
in demselben Jahr erledigte er diese Auf-
träge?) Das Concept des Akkordver-
trages zwischen dem Reichsstift und dem
Meister Zick liegt jetzt itoch vor?) Im

') D. N. Seite 142.

0 D. N. Seite 145.

3) D. N. Seile 151.

4) Es befindet sich im Karneralarntsarchiv

Waldsee S (Kasten) 188 unter der Bezeichnung:
„Noliz voll Seilen des Gotteshauses zur Her-
stellung der Kirche nebst Znbehörde" und lautet:
Kontrakt zlvischen dem lobt. Neichsstift unb
Gotteshaus Schussenried und Herrn Johann
Zick, Maler von München: ° 1. Joh. Zick ver-
bindet sich, die zlvei Nebengewölber in die Kirche

Januar 1746 waren auch die vom gleichen
Abt bestellten und von Bildhauer Joachim
Frühholz aus Weingarten gefertigten zwei
den heiligen Aposteln und dem hl. An-
gustinns geweihten Seitenaltäre nebst der
Kanzel zur Aufstellung gekommen?) —
Leider schwebte das Heiligthum schon fünf
Jahre nach vollendeter Restauration in
der größten Gefahr, vernichtet zu werden.
Als nämlich den 24. Dezember 1751 um
halb fünf Uhr der P. Küchenmeister die
Frühmesse las, vernahm er während der
Feier des heiligen Opfers ein starkes, ans
der Sakristei dringendes, von brennendem
Holzwerk herrührendes Geräusch. Als er
in den Ankleideranm zurückkehrte, hatten
die Flammen die in die obere Sakristei
führende Stiege schon vollständig ergriffen.
Nur mit Mühe gelang es dem energischen
Ordensmann und den zu Hilfe gerufenen
Kirchenbesuchern, der Wuth des Feuers
Einhalt zu thun. Die enorme Gefahr-
Halte der zugleich auch Ministrantendienste
leisteitde Mesner Joseph Tobler von Klein-
winnaden verschuldet; er halte nämlich einen
noch glühenden Docht unvorsichtigerweise
in die Kerzenlade geworfen?) — Ver-
letzte Reichsprälat, welcher Spuren seiner
Liebe für die Zierde unseres Gotteshauses
hinterlassen hat, ist Abt Joseph Karpf
(1775 — 92); denn sein Wappen (von
einem Marienbilde überragt, drei goldene Li-
lien in einer Vase) findet sich an dem bemal-
ten Eisenblechgitter, welches die Brüstung
der Orgelempore ziert und ans Befehl dieses
Reichöprälaten dort angebracht wurde.

In Folge der anfangs des 19. Jahr-
hunderts vollzogenen Säkularisation des
Reichöstiftes verlor das altehrwürdige
Kirchengebäude seinen Doppelcharakter als

nach dem vorgewiesenen Riß al fresco inner
14 Wochen zu malen und sich möglichst zu be-
fleißigen, alles contento zu geben, auch die
Stuccatur, lvvzu das Gotteshaus die Materialien
schafft, auf seine Kosten herzustellen. Würde in
seiner Arbeit eine merkliche Ausstellung gemacht
lverden, so will :c. Zick solche aufs Beste ver-
bessern, wozu Zick die Farben selbst schaffen
muß. Hiegegen verspricht 2. das Gotteshaus,
ihm dafür 650 fl. und seiner Frau 50 fl. 51t
geben, beinebens die Kost >vie voriges Jahr
sammt dem Trunk, nämlich des Tages eine Blaß
Wein und — ein Mastschwein auf den Herbst zu
liefern.

0 Siehe Archiv, 1894, Nr. 12 und 1895, Nr. 1.

2) D. N. Seite 306.
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