Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

Seite: 84
DOI Heft: 10.11588/diglit.15913.48
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15913.51
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15913.52
DOI Seite: 10.11588/diglit.15913#0097
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1896/0097
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
— 84 —

hingewiesen, das; das Datum 1158, ivelches die
älteste Glocke, die Hosanna, trägt, baugeschicht-
lich nicht ausgenützt werden könne; da die
Möglichkeit nicht zu bestreiten, daß diese Glocke
ursprünglich anderswo hieng, sei es in einem
der Hahnenthürme, sei es im Viernngsthurme
oder in einem romanischen Westthurme, so ver-
bietet sich der Schluß, das; 1258 der jetzige
Thnrm bis zur Hohe des Glvckenhanses ge-
diehen gewesen sei, oder soweit, das; die Hosanna
in ihm anfgehängt werden konnte. Ebensowenig
Werth für die Datierung des Baues hat, lvie
der ztveite Aitfsatz darlhut, die Jahrzahl 1270
am Thurmsockel, da sie nicht gleichzeitig, son-
dern von derselben Hand eingemeißelt wurde,
tvelche die Zahl 1317 anschrieb. Der erste Nach-
trag gibt zu bedenken, das; die Deutung der
zwei Wappenschilde an der Nordtvestecke des
Thnrmes auf Erwin von Steinbach (Adler,
Klemm) tvillkiirlich ist, das; sie der Form nach
nicht älter sind als Mitte des 14. Jahrhunderts
und daß sie nicht nothwendig als Meisterschilde
anznsehen sind. Der ztveite Nachtrag räumt
mit der Hypothese von Schäfer auf, wonach die
Ostseite des Langhauses, die ersten gothischen
Theile des Baties ganz nnverhältnißmäßig früh
(1215—30) anzusetzen und als ein von französi-
schem Einfluß gänzlich freies, originelles Werk
anznsehen wären. Nachtrag 3 bringt sehr schätz-
bare Bemerkungen und Vorarbeiten für Beant-
wortung der wichtigen Fragen, wenn die jetzt
noch, zwar unorganisch doch nicht unästhetisch in
den gothischen Ban eingegliederten romanischen
Theile entstanden sind und tvelche Gestalt das
romanische Münster gehabt hat, von welchem sie
die einzigen überlebenden Zeugen sind, eitdlich
wieweit das romanische Projekt zur Ausführung
gekommen >var, als der gothische Theil den
romanischen ablöste. Diese Vorstudien sind so
gründlich und methodisch, daß sie hohe Aussicht
ans eine ausgezeichnete Monographie über das
Freiburger Münster eröffnen; möge dieselbe
nicht allzulange mehr auf sich tvarten lassen!

Ein moderner Todtentanz. Zwanzig
Blätter ails dein Bilderbuche des Todes,
gezeichnet von Professor Tobias Weiß.
Mit Vorwort und Sprüchlein von
P. W. Streiten S. J. München-Glad-
bach, Kühlen-Format: 261/ cm.

Preis: 7,50 M.

Seinem „biblischen Todtentanz" Lceptra
mortis nach beit Originalkartons zu den Gemäl-
den in der St. Michaelskapelle zu Mergentheim
läßt Prof. Weiß hier einen modernen folgen.
— Der Tod ist ja immer zeitgemäß und bleibt
auch immer modern, — welcher den Sensen-
mann beim Bvrsenfürsten und in der Apotheke
Besuch machen, beim Duell assistieren, ans dem
Maskenball erscheinen, als General komman-
dieren, zur Cholerazeit seine Ernte einheimsen,
als Weichensteller die Weiche zttr schnellsten Fahrt
in die andere Welt stellen läßt. Eine charakte-
ristische Mischung von tragischem Ernst und
sarkastischem Humor, tvelche tvir in den mittel-

alterlichen Todtentänzen finden, ist auch hier gut
getroffen und die Poesie des P. Kreiten zeigt
dasselbe Temperament unb unterstützt nachdrück-
lich die guten Ztveckc dieses eigenartigen Tanzes.
Der Stil der Zeichnung ist nrtvüchsig und volks-
thümlich; aber einige Zeichenfehler stoßen ctivas
hart auf und merkwürdig schlecht kommen auf
allen Blättern die Augenhöhlen des Todes weg.

Jahresheft des Zeichenunterrichtes 1895, redi-
girt von Zeichenoberlehrer Mager, mit
sechs Pflanzenstudien. Stuttgart, Verlag
der Süddeutschen Verlagsbuchhandlung.
1896.

„Genaue Auffassung der räumlichen Formen,
Erkenntnis; des Maßes und der Gesetzmäßigkeit
in natürlichen Dingen, Anregung des ästhetischen
Sinnes (welcher der sittlichen und religiösen
Gesinnung nahe verwandt ist), alles das erwarten
j wir vom Zeichnen, und dabei habeit wir vom
* vielfältigen Nutzen dieser Fertigkeit für die
nächsten Bedürfnisse der Schule und des Lebens
noch nicht gesprochen." Dieses Programm des
Oberschnlrates Dr. E. v. Sallwürk verwirklichen
zu helfen, bleibt obige Beilage und Ergänzungs-
schrift zum „Zeichenlehrer" (Zeitschrift des Vereins
ivürttembergischer Zeichenlehrer) an ihrem nächsten
Zwecke — Förderung des Zeichenunterrichtes

— nicht hängen, macht vielmehr ergiebige Aus-
sliige auf das Gebiet des Kunstgewerbes, der
Kunstgeschichte und der Aesthetik überhaupt. So
bescheitkt sic uns gleich in dieser ersten Nummer
mit langem und kurzem, eigenen wie fremden
Betrachtungen (und auch die fremden sind dankens-
werth, weil sie nicht gerade an der Landstraße
liegen) über Knust und Gewerbe, polychromische
Plastik, die Farben der alten Aegypter, ein
neues Verfahren, verwitterte Sandsteinfiguren
wieder völlig wetterfest herzustellen, Studium
und richtige Auffassung der Natur, Behandlung
von Pflanzenformen — wichtig für Ornamentiker!

— u. a. Durch solche Erweiterung des Gesichts-
kreises wird dieses Jahresheft nicht nur den

! Fachaufgaben ersprießlicher dienen als durch
Einseitigkeit, sondern es wird auch den Leserkreis
erweitern und, wenn es so fortfährt, auch für
' die Leser des „Archivs" noch viel Anregendes
und Wissenswerthes bringen.

Annoncen.

Aitarlenchter,

feinpolierte in Messing und Rothguß von 22 cm
Höhe an — Gsterlrerzenleuchter bis zu
1,20 m Höhe im Preise von 8 — 140 M., nach
Zeichn. des selig. Herrn Präl. Schwarz, verfertigt

Wilh. Sedlmayr,

Gelb- und Glockengießerei,

Ell Wangen.

Preislisten, Entwürfe, Empfehlungen stehen
zur Verfügung. _ _

Hiezu als Rnustbeilage:

Krnzifixus des Blaubeurer Rreuzganges.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
loading ...