Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

Seite: 86
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und so vom Weihbischof von Konstanz,
Franz Johann Anton von und zn Sirgen-
stei», am 27. September 1723 eingeweiht.
Der Gefährte des Bruder Gebhard, der
Klausner Franz Kizmiller, ließ das Kirch-
lein umbauen und bedeutend vergrößern,
welche Arbeit erst 1754 ganz vollendet
wurde. Am 9. Mai 1791 aber brach
im Thnrme Feiler ans, das bei heftigem
Winde rasch uin sich griff und in kurzer
Zeit die Kirche und das angebante Meßner-
Hans in Asche legte. Doch schon am
25. Juli desselben Jahres konnte durch
die Opferwilligkeit des gläubigen Volkes
nild durch die freiwilligen Frohndienste mit
dem Wiederaufbau begonnen werden, der
am 27. August, dem Tage des hl. Geb-
hard, so weit vorgeschritten ivar, daß die
Festfeier unter ungeheurem Zulauf des
Volkes von nah und fern mit dem ge-
wöhnlichen feierlichen Gottesdienst begangen
werden konnte. Ans dieser Zeit nun

stammt die St. Gebhardskirche, so wie
wir sie nach ihrer architektonischen Seite
heute vor uns habeii. Die nachfolgende
innere Ausstattung blieb im Großen und
Ganzen so, wie sie ans unsere Tage ge-
kommen ist.

Neunhundert Jahre find am 27. August
1895 vorübergegangen, seit der hl. Geb-
hard, der einstige Bischof von Konstanz,
von Gott ans diesem Leben abgerufen
wurde, lind man rüstete sich in Bregenz
zii einer großen Jubelfeier auf diesen Tag.
Was war da natürlicher, daß man zuerst
an die innere Erneuerung der dem Hei-
ligen geweihten Kirche auf dem ehemaligen
Bergschlosse dachte? Doch nur ein kleiner
Thcil der projektierten Restauration konnte
ans das Fest sertiggestellt werden, während
die gaiize Vollendung der inneren künst-
lerischen Ausstattung erst in diesem Jahre
(1896) geschah. Betrachten wir nun das
Innere des Kirchleins in seinem neuen
Gewände.

Die Hanptzierde, welche durch die Restau-
ration geschaffen wurde, ist — und wird
es wohl auch für die Zukunft bleiben —
d i e dekorative u n d s i g u r a l e A u s -
malnng der Kirche. Man scheint bei
dieser neuen Auskleidung des Gotteshauses
mit Recht von der Ansicht geleitet worden
zn sein, Kunstwerk im eigentlichen Sinne
des Wortes zu erhalten. Tausende be-

suchen ja jährlich diesen schönen Fleck
Erde, viele allerdings nur, um sich an
dem herrlichen Ausblick über das Gebirge
und das weit sich hinziehende schwäbische
Meer zu erfreuen, mehr noch aber, um
dem St. Gebhardskirchlein einen Besuch
zu machen, den Heiligen um seine Für-
bitte anznrnfen. Allen aber wird die
Kirche ein neuer Anziehungspunkt sein,
den einen, indem sie sich an den sinnigen
Bildern tief erbauen und neue Begeisterung
für den hl. Gebhard empfangen, den an-
dern, indem sie einen neuen Einblick in
das christliche und speziell katholische
Kunstschaffen erhalten werden. Was unö
württembergischen Schwaben aber das neu
restanrirte Kirchlein noch besonders an-
ziehend machen muß, ist, daß unsere beiden
rühmlichst bekannten Landsleute, der Hi-
storienmaler Gebhard F n g e l und der
Dekorationsmaler Hans Martin mit
der Ausführung der Arbeiten betraut
worden sind.

Wenn man bezüglich der signralen
Ausstattung der Kirche nach Objekten der
Darstellung fragte, so mußte der Name
„St. Gebhardsberg" schon eine hinläng-
lich bestimmte Richtung geben. Denn was
anderes konnte allein zuerst von den
Tausenden von Wallfahrern da erwartet
werden, als daß Derjenige verherrlicht
werde, der einst vor zehnthalbhnndert
Jahren, wenn vielleicht auch nicht gerade an
dieser Stätte, so doch in nächster Nähe das
Licht der Welt erblickte, dessen Name heute
Berg und Kirchlein tragen und der so
hochverehrt ist in der weiten Bodensee-
gegend. Wir finden deshalb eiiwn Cyklns
von nicht weniger als zehn Darstellungen,
die seinem Leben gewidmet sind: drei große
Kompositionen zeigt der Plafond des
Schiffes, sechs kleinere Bilder sind in den
Stnccatnrmedaillons an den Wänden da-
selbst angebracht und die Verherrlichung
des Heiligen oder vielmehr sein Patronat
sieht man an der Decke des Chores. Be-
trachten wir zuerst die drei größeren
Kompositionen, welche sowohl ihrer geistigen
Auffassung als ihrer technischen Durch-
führung nach Kunstwerke von ganz hervor-
ragender Bedeutung sind.

1. Die Mutter des hl. Gebhard, die
fromme Dintbnrga von Zähringen, starb
schon bei der Geburt des Heiligen am
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