Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

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Pfeiler stellte wahrscheinlich einen Heiligen
dar, welcher mit der Hand nach dem Bilde
hinwies; diese Hand zeigt derbe Formen
und ist in frischem Fleischton gemalt. Es
ist zu hoffen, daß mit dem Fortschreiten
der Renovierung der Kirche noch weitere
Wandmalereien entdeckt werden, und zu
wünschen, daß sie, im Stil der Entsteh-
ungszeit sachverständig restauriert, erhalten
bleiben. (Schluß folgt.)

Literatur.

Entwurf einer Aesthetik der 9tatnr
und Kunst. Von Dr. A. Kirzst ein,
Prof, der Philos. am bischöfl. Priester-
seminar in Mainz (Wissenschaftliche Hand-
bibliothek, dritte Reihe, IY. Band). Pader-
born, F. Schöningh 1896. 324 S.

Ein recht nützliches Blich, dem man ein empfeh-
lendes Begleitschreiben mitgeben kann. Niemand
wird von einem Handbuch, das ans 300 Seiten
die Prinzipienfrage der Aesthetik abhandelt, durch
alle Reiche der Natur hindnrchführt und deren
Schönheiten anfzeigt, dann das ganze große Ge-
biet der schönen Künste, der Architektur, Skulp-
tur, Malerei, der Poesie und Musik durchwandert,
eine endgiltige Lösung der zahllosen, hier auf-
stoßenden Probleme oder auch nur ivesentlich
Neues erwarten. Aber jeder Gebildete wird
das Buch gerne und mit Gelvinu lesen, der
Kundige, auf dem einen oder andern Gebiet Be-
ivanderte, dankbar für den vermittelten raschen
Ueberblick aus der Vogelperspektive, der Anfänger
dankbar für die kundige Orientirung in einer
ihm bisher unbekannten Welt, deren Zauber und
Wunder seine Seele gefangen nehmen und mit
lebhaftem Verlangeil nach lveiterem Genießen er-
füllen iverden. Es könnte den Schein der lln-
selbständigkeit erwecken, daß der Verfasser so
häufig ailderen das Wort gibt; aber einmal ist
die Auswahl der Citate wirklich fast durchgängig
eine sehr glückliche, so daß das Beste, lvas Meister
auf diesen Gebieten gedacht und geschrieben, als
Edelmetall zur Verarbeitung kommt; sodann
weiß der Verfasser auch Kritik zu üben und er-
mangelt er eines selbständigen Urtheils nicht, lvie
nameiltlich seine Polemik gegen manche ästhetische
Theoreme Jungmann's beweist. Eines erwartet
er sicher selbst liicht, das; feine Anschauungen all-
gemein getheilt werden. Am bedenklichsten ist,
übrigens nicht bloß in diesem Buch, der Versuch,
den ästhetischen oder gar christlichen Gehalt und
Werth der einzelnen mittelalterlichen Baustile
abzuschätzen und darnach sie zu klassifieiren;
ein solcher Versuch wird sich immer im Dunst
rein srlbjektiver Phantasie und Einbildungen um-
hertreiben, wenn er nicht Schritt für Schritt ans
dem Boden der geschichtlichen Entstehung und
Fortbildung dieser Stile festen Fuß faßt. So
werden auch manche aufrichtige Freunde der
Gothik die Charakterisirnng derselben durch den

Verfasser S. 146 ff. doch zu volltönend, das Ur-
theil über die Spätgvthik zu hart und streng
fiilden, und namentlich wird heutzutage sein U?-
theil über die Renaissance Widerspruch begegnen.
Ich für meine Person möchte auch wünschen, daß
man endlich aufhören möchte, im griechischen
Tempelbau bloß das „Gepräge einer heiteren,
weltlichen Ruhe" zu finden. Die einer recht
oberflächlichen Auffassung entstammende Redensart
ist nachgerade oft genug nachgesprochen worden.
Weitere Auflagen werden wohl im Einzelnen
manche Verbesserungen und Ergänzungen an-
bringen können. Es sollte dann gerade den
modernsten ästhetischen Theorien mehr Aufmerk-
samkeit geschenkt, auch den neuesten Richtungen
in Architektur, Skulpur, Malerei und Literatur
mehr nachgegangen werden. Denn hier ist ein
kritisches und orientirendes Wort am nöthigsten.
Nach S. 190 könnte es scheinen, als ob es nur
den Heiden habe einfallen können, die Gottheit
selber bildlich darzustellen, ein solcher Versuch
aber (abgesehen von dem Gottmenschen) ganz
unchristlich sei. S. 216 wird vom romantischen
Epos gesagt: „es behandelt die Lebenskämpfe
eines mittelalterlichen Helden"; wohl nicht
so streng zu nehmen, da alsbald auch die Ama-
ranth von Redwitz und der Trompeter von
Säckingen von Scheffel als „mustergiltige roman-
tische Epen" angeführt iverden. Doch genug der
Bemerkungen; das Buch kann Gutes wirken,
wenn der Leser nicht gerade alles unbesehen
glaubt, was darin steht. —

Unserer Lieben Frauen Münster zu
Freiburg im Breisgau. 68 Licht-
drucktafeln nach Aufnahme von Karl
Günther mit begleitendem Text von
Fritz Geizes. Herausg. vom Freiburger
Münsterbauverein. Freibtirg i. Br. 1896.
Preis in Originalband 80 M.

Dieses wahrhaft monnmentale Werk widmet
der Freiburger Münslerbauverein dem herr-
lichsten Monument mittelalterlicher Kirchenbau-
kunst im gesegneten Breisgan, damit seinen
rühmlichen Bestrebungen um Erhaltung und
Erneuerung desselben, wie einen großartigen
Ausdruck so einen kräftigen Nachdruck gebend.
Kaum ein Dom Deutschlands wird sich einer
solchen Publikation rühmen können, die nicht
nur sein Gesamtbild von allen Seiten zur
Schau stellt, seine Architektur in allen Theilen
und mit allem bemerkenswerthen Detail des
Aeußeren und Innern vorführt, sondern auch
die Jnventarschätze an Gemälden und Skulpturen
zur Ausstellung bringt, Ein Freiburger Bürger,
Karl Günther, leider vor Fertigstellung des
Werkes gestorben, hat mit feinstem Berständniß
die photographischen Aufnahmen gemacht. Diese
wurden von der überaus leistungsfähigeu und
berühmten Hvflichtdruckanstalt von I. Schober
in Karlsruhe auf Jmperialsokiotafeln in wahr-
haft künstlerisch vollendeter Weise durch Druck
vervielfältigt, in einer Weise, daß dem frischen
Lebe», dem satten Farbenton der Photographie
kaum Eintrag geschieht. So verweilt das Auge
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