Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

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langjährigen Bestandes ein Absatzgebiet in
dein fernen Tyrol sich errungen hatte, so
anch dieselbe zuvor schon, im Anfang ihres
Bestandes, eines ansehnlichen Rufes in
der Nachbarschaft sich zu erfreuen hatte,
der ihren Werken den Weg bahnte einer-
seits in die Bodenseegegend, andererseits
über die schwäbische Alb hinüber; daß die-
selbe somit wesentlich als die Gründerin
der, Ulm er Schule zu betrachten
sein werde. In fast unmittelbarem
zeillichem Anschluß an diese Werkstätte tritt
dann die des älteren I ö rg S yrlin , in
welcher die mittelalterliche Holzplastik ihren
Höhepunkt erreichte, während die Malerei
in, Sch uh lein und Zeitblorrr namhafte
Vertreter answies. Ob eö nun erforderlich
sei, wie bei der Architektur und Stein-
plastik, so anch bei der Holzplastik die
ursprüngliche Heimat über Freiburg und
Straßbnrg nach Frankreich zu verlegen,
halten wir nicht für angezeigt; denn gerade im
südwestlichen Deutschland (Schwaben und
Franken)setzte sich die Holzschnitzerei mit sol-
cher Energie fest, daß sie einer ganzenReihe von
Kunstzweigen zumMusterundVorbild wurde:
der Malerei, den: Holzschnitt, dem Kupfer-
stich und selbst der Steinplastik. In all'
diesen Kunstzweigen überragte das süd-
westliche Deutschland während der spät-
golhtschen Periode in Quantität und Quali-
tät ihrer Erzeugnisse nicht bloß das übrige
Deutschland, sondern (vielleicht mit Aus-
nahnie von,Italien in der Malerei) auch die
übrigen christlichen Länder, so daß es keine
Ueberhebnng ist, wenn die Wiege der Holz-
plastikin diese Gegenden selbst verlegt wird.

Schließlich noch ein Blick auf die
Malereien des Sterzinger Altarwerks. Anch
von den G eut äTb e it desselben stehen nur
wenigstens drei Photographien zur Ver-
fügung : die Verkündigung, Anbetung der
Weisen und der Tod Mariä. Anch bei diesen
Malereien tritt die frühe Entstehnngs-
zeit deutlich hervor. Der Maler vermeidet
noch gänzlichPie gebrochene eckige Draperie
der Gewänder, selbst bei solchen Figuren,
die sehr naheliegende Veranlassung gegeben
hätten, z. B. bei der knieenden Maria des
englischen Grußes und bei dem knieenden
Könige bei der Anbetung der Weisen.
Anch die Tracht ist noch alterthümlicher;
der knieende König ist noch mit dem „Tap-
pert" bekleidet.

Von den arideren Gemälden (Passion), die
einen anderen Charakter tragen sollen, stehen
bis jetzt keine Photographien zu Gebot.

wappenbild in Londorf.

Auf der am 6. August 1895 zu
Ellwangcn abgehaltenen Generalversamm-
lung des Knnstvereins unserer Diö-
zese wurde unter ariderem der Gedanke
arrgeregt, es möchten in jederrr Dekanate
die bedeuterrdstcrr Kunstwerke jeder Rich-
tung nrrd Art abgebildet werderr, und es
möchten die Landkapitelskassen hilfreiche
Hand dazrr bieten. Dieser Gedanke hat
wohl im ganzen Lande freudige Arrfnahrne
gefnnderr, nrrd es ist mir zu wünschen,
daß es dem verdienten Ausschuß bei wie-
derholter Berathung des Antrages gelingen
möge, einen gangbaren Weg zu finden.')
Vorerst jedoch wird der eine oder andere
Besitzer vorr Kunstwerken einen Weg be-
schreiberr, welcher gerade znrn Ziele führt,
er wird vorr sich arrs mit den ihm etwa
zur Verfügung stehenden Mitteln für Ab-
bildrurg dieses oder jenes Kunstwerkes
Sorge tragen. So habe arich ich es ge-
rnacht. Die denkwürdige, 1ji Stunde voll
Vollmaringen entfernte Kapelle Londorf
birgt verschiedene interessante Skulpturen
rind Gemälde. Mehrere davorr habe ich
nun vor einiger Zeit durch Herrn Photo-
graph Kreidler arrs Horb photographieren
lassen, darurrter arich ein ans Holz ge-
maltes Bild der allerheiligsten Dreifaltig-
keit. Dieses Bild hat den Weg in das
Archiv gefilirden, rind ich möchte ihm an-
mit einige Bernerknngen mitgeben,
i Unser Gemälde — ohne Rahme
1,2 X 0,78 m groß — ist schon öfters
renovirt worden, so inr Jahre 1725, wie
ehederrr ans demselben zu lesen war, und
letztmals im Jahre 1882 durch Maler
Breitenbach ans Mergerrtheim, welcher
viel Fleiß anf die Renovation verwendet
hat rind mit großer Gewissenhaftigkeit zrl
Werk gegangen ist.

Fassen wir zunächst das Mittelbild in
das Auge. Gott Vater, mit der päpst-
lichen Tiara geschmückt rmd in himmlischer
Glorie anf Wolken thronend, hält mit
beiden, vorr einem weißen Tuch verhüllten
Händen voll inniger Teilnahme die teure

0 Ein solcher Weg ist inzwischen gefunden.
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