Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

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Fehlende an ihm ergänzt. Das hinter
dein Hochaltar befindliche Freskogeinätde,
St Michaels Kampf mit dem Satan,
wurde bei der vorigen Nestauration (1870)
durch ein künstlerisch werthloses Oelge-
mälde auf Leinwand verdeckt, jetzt aber
wieder frei gemacht und restanrirt. Der
Hochaltar selbst harrt noch der Reno-
vation; er besteht ans Stuckmarmor und
zeigt verschiedene Farbentöne. Wenn er
einmal (mit 9 Steinen!) richtig geschliffen
ist, wird er einen prächtigen Glanz ent-
falten, wie auch die Rückwand lind die
zwei Postamente für die lenchlertragenden
Engel, die ebenfalls ans schönem Stuck-
marmor hergestellt sind.

Nur noch Einiges über die vielen Wap-
pen in der Kirche! An der Stirnwand
des Chorbogens sieht man drei große
Wappen ans Smccatnr hergestellt. Das
mittlere Wappen hat in seinem Herzfchild
das Wappen des Hochmeisters, um wel-
ches herum die Wappen der verschiedenen
Besitzungen der Ballei sieb befinden; rechts
davon ist das Wappen des Laudkomthurs
Froberg, unter welchem die Kirche um-
gebaut wurde, links das einfache Ordens-
wappen. In dem oben genannten „Ac-
cord" heißt eS: „Der Chorbogen auf

der Langhanß Seiihen solle eine Ein-
fassung bekommen, und dann oben in der
Mitten daS Hochtentfch-Meisterische, Einer
feitS das Preußische (gemeint ist das einfache
Ordenswappen) und anderer feits das
Landt-Commenrhnrische Wappen mit unter-
schiedlicher Kriegs-Armatur verzieret wer-
den." Rechts vom Hochaltar sieht man
das Wappen des Laudkomthurs von Kö-
nigsegg, links wieder die Balleiwappen.
Eine große Anzahl von Wappen sind in
der Grnstkapclle angebracht; sie sind sämmt-
lich aus grauem Solenhoferstein gemeißelt
und waren bisher ohne heraldische Farben.
Links an der Chorwand endlich hängt
eine große Holztafel, welche die Wappen
sämmtlicher Landkomthnren der Dentsch-
ordensballei Elsaß und Burgund gemalt
enthält. Ein geistlicher Philologe der
Neuzeit hat dem ehrenden Gedächtniß der
einstigen Inhaber dieser Wappen folgende
Verse beischreiben lassen:

»Ordinis Teutonici quondam nobilissmum
decus,

Pallio clari albo cum signo crucis atro.

Solamen miseris, at infidelibus terror

Vos meruistis almam, duplicem bic palmam.

(Ehemals des deutschen Ordens Zier, hoch-
edle Söhne,

Glänzend in weißem Gewand, mit schwarz
durchwvbenein Kreuze,

Engel des Trostes den Kranken, den Gegnern
(Türken und Wenden) ein panischer
Schrecken,

Habt ihr hienieden ztveifach die Ehrenpalme
verdient)."

(Fortsetzung folgt.)

Heber Gemälde-Restaurationen.

Die tägliche Erfahrung lehrt uns, daß
in Sachen der Gemälde-Nestanrationen
leider vielfach noch eine sehr laxe Praxis
verbreitet ist, die im Interesse unserer
Knnstschätze ans der Vergangenheit tief
z>l beklagen ist. Was für Leute thnn sich
als Gemälde-Nestauratoren auf, namentlich
auch als Restauratoren von Altargemälden !
Wie viel ist da schon gesündigt worden
und wird fort und fort noch gesündigt!
Da wird eine Kirche renovirt und der
gewöhnliche Dekorationsmaler, der in seinem
Leben nie das Restaurireu von Gemälden
erlernt, „kann ganz gut" auch die viel-
leicht sehr werthvollen, aber sehr verdorbenen
Altargemälde oder sonstige alte Gemälde
! restaurireu: sie werden „bloß gereinigt",
heißt es. Und mit weniger Skrupeln als
seine Kleider vertrant man solchen nnbe-
rnfenen Händen die Bilder zum „Putzen"
an. Während man früher vielfach, selbst
an unfern StaatSgallerien, dadurch „re-
staurirte", daß man die Bilder einfach
ganz oder theilweise übermalte, gehen heutige
Restauratoren viel „gründlicher" zu Werke
und zwar in der Weise, daß sie die Bilder
bis ans die Grundfarbe „reinigen" und
oft diese selbst nicht schonen, bis sie sehen,
daß das nackte Holz kommt. Dann gibt
sich eine Uebermalnng von selbst, aber
das alte Bild ist dahin.

Solche Gemälde-Restauratoren, die
Besseres 311 leisten wähnen, berufen sich
oft auf das sogenannte P e t e n k 0 s e r s ch e
Regenerations-Vers a h reu, mei-
stens ohne zu wissen, was daS eigent-
lich ist; uub auch manche Besitzer
von Gemälden, die Restauratoren hiefür
suchen, haben ebenfalls meist von diesem
Verfahren gar keine oder eine ganz
falsche Vorstellung. Es sind nämlich
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