Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

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und besieht darin, daß ein Bild durch
Kopaivabalsam, Salmiakgeist und andere
Präparate zuerst gereinigt wird. Mit all
diesen Dingen kann aber der Laie im
Restanriren nichts ansangen, da er die
Mischung dieser Präparate, die Geschästs-
geheimniß ist, nicht kennt, ebensowenig das
Wrfahren beim sogenannten Abnehmen
eines Bildes weiß, das besonders gelernt
sein muß, da fast jedes Bild eine andere
Behandlung fordert.

Dann aber kommt erst die schwierige
und langwierige Arbeit, die defekten Stellen
ausznkitteu, und sie so oft und so lange
mit den richtigen Farben zu decken, bis
diese zu dem betreffenden Lokaltone stimmen.
Das aber erfordert oft riesigen Fleiß,
Geduld und Ausdauer, und das ist es,
was unter Umständen, z. B. bei starker
Beschädigung eines Bildes, eineRestanration
thener macht. Doch wird sie nicht z u
thener, weil man dann so zu sagen das
ursprüngliche Kunstwerk wieder besitzt.
P rose s s o r H a n s e r an der alten Pinako-
thek zu München ist der erste und
Hanptinhaber dieses Geheimnisses und wohl
der vorzüglichste Bilderrestaurator, der
heute lebt. Er hat eine eigene Schule
gegründet, die dieses Verfahren traktirt;
und nur akademisch gebildeten Malern,
die bei ihm den betreffenden Restanrations-
knrsns dnrchgemacht Haben, sollte ein werth-
volles Bild zur Renovirung anvertrant
werden. Unter den Händen eines Menschen,
der nicht Künstler von Fach und nicht
ein ganz gewiegter Kenner alter Gemälde
und ihrer Technik ist, wird das Gemälde-
restauriren besonders auch deshalb etwas
ganz Gefährliches, weil bei einem un-
richtigen Verfahren das Schönste und
Charakteristische, was ein Bild hat, — die
Lasuren — verloren gehen. Darum wieder-
holen wir noch einmal: nur ein akademisch
gebildeter Maler, der alte Meister studiert
und noch besser auch kopiert hat, ist im
Stande, ein tüchtiger Restaurator zu werden.
Wenn ein gewöhnlicher Maler dennoch
als selbständiger Bilderrestanrator anftritt
oder wer immer einen selchen an die
Restauration eines werthvollen Bildes
herantreten läßt, der begeht einen Knnst-
vandalismns. Detzel.

m. Accord über Erbauung der Stifts-
kirche in Aomburg

vom Jahr 1706.

Die älteste Kirche in Kombnrg war mit beut
Kloster gegründet von den drei Grafen von
Nvthenbnrg-Kvmbnrg: Bnrckard, der später in
das von ihnen gestiftete Benediktinerkloster ein-
trat, Rugger, der ca. 1088 auf einer Fahrt
nach Jernsalent miö dem heiligen Lande starb
und Heinrich, der ebenfalls Benediktinermönch
wurde unter Mithilfe des Mainzer Edelmannes
Wignand, der als Mönch von Kombnrg starb
(seine Gattin Adelhaid und die Gemahlin des
Grafen Heinrich, die kinderlose Geba, traten als
Nonnen in das Benediklinerinnenkloster ztt
St. Aegidien (in Klein-Kombnrg) ein und starben
daselbst). Eingeiveiht wurde diese Kirche 1087
oder 1089 vom hl. Adalbero, dem 20. Bischof
von Würzburg 1045—90 ans dem Geschlechte
der Grafen voit Lambach-Wels, Nachfolger des
hl. Bruno, seines Onkels. 1090 aut 6. Oktober
starb Adalbero in Lambach und wurde daselbst
in der von ihm und seinem Vater gestifteten
Klosterkirche begraben.

Diese „Münsterkirche" war eine romanische
Pfeilerbasilika mit einem Qu er sch iss im Westen,
ebenso groß wie die in den Jahren 1607—17
nmgebante Stiftskirche; denn Chor und West-
thurm blieben beim Umbau stehen. Das Dach
des Mittelschiffes war, wie Spuren an der innern
Seite des Westthnrmes zeigett, bedeutend nied-
riger, so daß die Thürme mit ihren romanischen
Schallöffnnngen um zwei Stockwerke über den
Giebel desselbeit hinansragten. Das Pultdach
der zivei Nebenschiffe war ebenfalls nieder, wie
die alte Mauer mit romanischem Kapitäl am
äußern südlichen Querschiff attstveist. Wenn die
gemalten Bretter au der Decke der Schenken-
kapelle mit rvmaitischen Ornamenten von der ab-
getragenen Decke dieser alten Kirche stammen,
war diese schon in der romanischen Bauperiode
beut alt, jedenfalls aber unter Erasmus Nen-
stetter, genannt Stürmer, dein 10. Dekan (von
1551 - 83) und 9. Probst (von 1583—94), von
dem ein Distichon sagt:

„Neustetterus eam (sc. coronam) jussit reno-
vare decanus Picturaque sacram condecorare
domum.“

(Auch die Wandgemälde int Archiv stautmeit
aus seiner Zeit 1562 unb die Freskomalereien
ait der Vorderfront des Adelmannsbaues von
Meister Violl aus Konstanz 1568—69, wovon
noch Spuren vorhanden sind.)

Die Benediktiner-Abteikirche hatte eilten Peter-
nnd Panlsaltar. tvie die heutige Stiftskirche;
vor demselbeit wurde der letzte Abt und erste
Probst Seyfried vom Holtz 1504 begrabeit.
Dieser Altar stand in einer Kapelle gleichen
Namens, vielleicht in einem Arm des Qner-
schiffes; denn Franz Kasßo Gotthardt, Syndiktts
des Stifts Kombttrg erhält 1603 sein „grab vor
der Kapellen Petri et Pauli." (Präsenzbnch.)

Weiter hatte die Kirche einen Kreitz altar
vor dem Chor, daher kommt int Präsenzbuch
| deö Stifts öfter die Bestimmung bei gestifteten
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