Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

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solche von kanonisierten Ordensgenossen, ganz
besonders aber von Blutzeugen ans Nom. Die
der Studien wegen iu die ewige Stadt geschick-
ten Angehörigen des Reichsstifles konnten ihren
Mitgliedern keine erwünschtere Andenken aus
Italien mitbringen, als HeiligenreUqnieu waren.
So erhielt P. Georg Ludwig Mangold von dem
gräflichen Haus Bonokursius zahlreiche Nelignien.
Es war nämlich anno 1689 der römische Graf
Nikolaus Bonokursius schiver krank ins Kloster
Schussenried ausgenommen und in dem beim
unteren Thor gelegenen Zimmer, tvelches im
18. Jahrhundert übernachtenden Klosterfrauen
angewiesen wurde, verpflegt worden. Z Hiefür
erstattete die Adelsfamilie ihren Dank durch das
Schenken mehrerer hl. Reliquien. Das Kästchen, in
dein sie lagen, wurde erst gegen Ende des Jahres
1697 feierlich und behutsam geöffnet. Abt Tiber
Diangold schreibt hierüber: Wir haben ben

14. November 1697 das Fest der Reliquien ge-
feiert, und weil Friede geworden ist, habe ich
das „Heiltumtrüchlein" öffnen lassen. Es fanden
sich darin tvohlerhaltene und ansehnliche Heiligen-
gebeine vor (ganze Kiene, Gehirnschalen, Zähne,
andere große. Theile der Leiber). Es waren
Ueberreste der heiligen Märtyrer Jukundus,
Biktorius, Hermes, Leo, Klementinus, Hilarius,
Diarcellinus, Cälarius, Konstantia, Julia und
Justa. lieber die Oeffnung des Behältnisses
wurde sofort ein Instrument verfaßt und im
(Priorats?-)Archiv hinterlegt. Sämmtliche Reli-
quien waren ans dem Cömeterium der hl. Pris-
cilla erhoben worden.^) Zll Ehren der genann-
ten elf Märtyrer wurde den 28. November ein
feierliches Hochamt gehalten. — Später, nämlich
den 13. September 1701, brachte P. Evermod
Lorinser, welcher sich ans Rom den Doktortitel
in Theologie und kanonischem Recht geholt hatte,
zwei Kistchen voll Heiligthümern. Der Inhalt des
ersten Kistchens stammte ans dem Cömeterium
der hl. Lucina; es war eilt Theil von einem
Bein des hl. Prosper, Märtyrer, und von einem
solchen der heiligen Märtyrin Konstantia, endlich
ein Stück vom Haupte des hl. Blutzeugen
Benerandus Der Inhalt des zweite,: Kistchens
war in dem Cömeterium des hl. Kallistus erhoben
worden und bestand aus einem Gebeinstück von
der Märtyrin St. Jukundina. Die beiden
Kistchen wurden auf Befehl des Abtes durch
den zum apostolischen Protonotar avancierten
P. Ludwig Mangold geöffnet, lieber den Akt
wurde ein Protokoll ausgenommen. Damit diese
uud die sonst noch erworbenen Reliquien nicht
verschleudert würden, wurde deren Fassung imd
Aufbewahrung iu paffenden Reliquiarien be-
schlossen.

7. D i e R e l i q u i e u s ch r e i n e d e s M a g n u s -
und Michaelsaltares.

Anno 1722 wurde beim Bau des St. Mag-
nus- und St. Michaelsaltares über der Mensa
je ein gleichgestalteter Reliquienschrein angebracht.
Darin wurden hauptsächlich die von P. Ludwig
aus Rom gebrachten heiligen Gebeine nieder-
gelegt; sie ruhen auf rothfarbigen Sammetkissen,

l) Schuss. Hauschronik. 3. Theil. S. 328.

-) Tagebuch des Abtes T. Maugold 1697 bis
1704. Seite 40.

welche reich mit Ziersteinen und mit Gold- und
Silberstickereien versehen sind. Die Reliquien
selbst sind geschmackvoll geordnet, mit Perlen-
schnüren unnvunden und mit köstlichen laub-
förmigen Goldstickereien ausgestattet. Die Schreine
haben Glasverschlnß, ihre Hinterwand, an welcher
sich eine Blumen- und Früchtenguirlande hin-
zieht, ist mit schönem Silberstoffgewebe ausge-
schlagen. Auf dem Magnusaltar befinden sich
Ueberreste voir Heiligen des Frauengeschlechtes,
nämlich von Cäeilia, Jukundina, Benusta, von
einer Genossin St. Ursulas, von Justa und Julia.
Der Schrein des Michaelsaltares birgt Reliquien
nachstehender heiliger Männer: Martetins, Kon-
stantins, Benerandus, Leo, Jukundus, Kon-
kordius, Biktorius, Cälarius, Hermes, Klemen-
tinus, Dodatus. Nach einer Bemerkung des
Abtes Didakus hat die Reliquie des hl. Deodat
einen besonders angenehmen Geruch verbreitet
imd darum hervorragende Verehrung genossen.

8. Die R e l i q u i e n p o st a m e n t e.

In der Hanschronikx) wird erzählt, daß
früher in der Klosterkirche eine silberne Marien-
statue aufbewahrt gewesen sei, die auf einem
schwarzen Postament stand. In dasselbe hatte
man mehrere Partikeln von Heiligenleibern ver-
bracht. Diese Reliquien ivurden später wieder
daraus entfernt und iu andere Postamente sil-
berner Brustbilder eingelegt. Gegenwärtig sind
keine silbernen Halb- tind Ganzfiguren von Hei-
ligen mehr in dem Gotteshaus vorhanden.
Aber vier aus Holz geschnitzte und gefaßte
Standbilder sind jetzt tioch auf den: Hochaltar
ausgestellt; in ihren Sockeln nun sind hinter
Glas schön verzierte .Heiligenreliquien zu sehen,
in der Magnusstatue ein Gebein von Fau-
st inirs, in derjenigen des hl. Vinzenz von
Reparata, Märtyrin, in derjenigen des hei-
ligen Valentin von: Märtyrer Lucian und in
jener von St. Norbert von der Märtyrin
K a st a.

9. Die vier pyramidenförmigen Reli-
q u i a r ie n.

Der Klosterkonvent Pflegte dem Prälaten auf
sein Namensfest jedesmal ein Geschenk zu machen,
ivelches für den Gottesdienst in der Kirche oder
den Schmuck des Ordenshauses verwendbar war.
So haben die Mönche vier, mehr als meterhohe
pyramidenförmige Reliquienkasten machen lassen,
in denen Reliquien von beinahe 30 Heiligen
untergebracht wurden. Die hübschen Behältnisse
sind immer noch wohlerhalten und schmücken an
hohen Festtagen den Hauptaltar der Kirche.
Die Holztheile der Reliquiarien sind mit im Feuer
vergoldetem getriebenem Kupferblech überkleidet;
auf dieser Unterlage sind Zopfornamente aus
Silberblech angebracht. Die unter Glasverschluß
befindlichen heiligen Ueberreste sind reich und
reizend gefaßt; die Rückwandflächen, auf denen
sie ruhen, prangen in schmuckreichem Stil
und sind mit Borten, Gold- und Silberfadeu
und verschiedenen Ornamenten geziert. Bon
den vier Reliquienbehältnissen wurden die beiden
zuerst sertiggestellten dem Abt Nikolaus Kloos
von seinen geistlichen Söhnen im Jahr 1766

Z 3. Theil. S. 387.
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