Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

Seite: 52
DOI Heft: 10.11588/diglit.15902.31
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15902.33
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15902.34
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15902.35
DOI Seite: 10.11588/diglit.15902#0061
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1897/0061
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
52

überreicht, die zwei anderen erst anno 1769.
Jedes der Neliquiarien trägt auf einen: Silber-
schildchen eine Widmung in chronogrannnatischer
Form. Auf den zwei älteren Pyramiden steht:
Dank NICoLae tVI tibi blna haeC MVnera

NatI:

SVsCTpe In hls Donls CanDIDa Vota LIbens.

(D. h. Es reichen Dir, Nikolaus, Deine Söhne
diese zweifachen Gaben. Nimm in diesen Ge-
schenken liebevoll hin die reinen Gelöbnisse!)

An den beiden jüngeren Pyramiden liest man:
SVsCIpe, DeVotl sVnt haeC aL tarla aMorls,
haeC tibi Sorethl seDVLa DeXtra DICat.

(Ninmr sie an, dies sind die Altäre einer
frommen Liebe. Eine emsige Hand widmet sie
Dir in Soreth.)

Theilweise befinden sich in den vier Pyra-
miden Gebeine von solchen Heiligen, deren Namen
bereits erwähnt wurden. Diese tvollen tvir nicht
noch einmal anmerken; wir führen nur die-
jenigen Seligen an, welche bisher noch nicht
genannt worden sind, nämlich: Martialis, M(ar-
tyrer); Kandida, M., Gertrud, Witwe aus dem
Pränionstrateuserorden; Gottfried,Bekenner, eben-
falls Norbertiner; Bonifacius, M., Paulina, M.,
Philotheus, M., Florus, M. (erste Pyramide). —
Aniandus, M., Elisabeth« Bona (de scapulis);
Fidelis, M., Blanda, M., Benedikt, M., Lucius,
M., Optata, M. (zweite Pyramide). — Modest,
M., Felician, M., Beatus, M., Lucidus, M.,
Frnktuosns, M. (dritte Pyramide). — Klemens,
M., Primus, M., Jrenäus, M. (vierte Pyra-
mide)?)

Wenn nun auch heutzutage nicht mehr gar
alle Reliquien vorhanden sind, welche ehemals
in der ehrwürdigen Klosterkirche aufbewahrt
waren, und wenn auch nicht mehr alle früheren
Neliquiarien zu sehen sind und die noch übrigen
nicht mehr in der urspriinglichen Schönheit strah-
len, so bleibt doch immer noch der Schussen-
rieder Reliquienschatz in hohen: Grade beachtens-
werth und verehrungswürdig.

Literatur.

U e b e r Aufgabe und B e d e u t il u g der
Kunstakademien. Voi: Anton von
Werner. Sonderabdruck aus „Deutsche
Revue". Januar 1897. Herausgegeben
von Richard Fleischer. Stuttgart, Deutsche
Verlagsanstalt. 28 S.

Eine epistola galeata, geharnischte Erwiderung
des Direktors der Berliner Kunstakademie und
berühnUen Malers A. v. Werner auf einen
Artikel des Geheimerats Dr. Bode, Direktors der
Berliner Gemäldegallerie, der in der Zeitschrift
„Pan" erschienen war und Reformen der Kunst-
akademie verlangte. Man ersieht ans der scharfen
Auseinandersetzung, aus tvelcher unseres Er-

x) In einen: noch nicht gar alten Jnventa-
rinm der Kirche wird auch noch eine mit gol-
dener Rahme versehene Reliquientafel auf-
geführt. Leider ist dieselbe nicht niehr auf-
findbar.

Messens A. v. Werner als Sieger hcrvorgeht,
daß die Reform einer Kunstakademie ungefähr
ein ebenso schtvieriges Ding ist >vie die uoit
vielen Seiten verlangte Reform unserer Uni-
versitäten. Wir haben in dieser Frage nicht mit-
zusprechen, können aber nicht umhin, den: Ver-
fasser unbedingt Recht zu geben, wenn er die
gegen den Studienbetrieb der Akademie gerich-
teten Schlagwvrte „veraltet, verzopft, überlebt"
und die Forderung, dem „Modernen" mehr
Einfluß zu verschaffen, w.it einen: offenen und
mannhaften Bekenntniß zu gesunden: Konser-
vatismus abweist. Wenn Bode das konservative
Festhalten an alten und überlebten Richtungen ver-
wirft, so antwortet A. v. Werner darauf mit Recht
I in einer Ansprache an die Studierenden: „Wäh-
rend in früheren Jahren die hier ausgestellten
I Leistungen der Malklassen ein wohlthuendes und
harmonisches Bild objektiven und eingehendsten
Naturstudiums boten, macht sich jetzt eine An-
schauungs- und Maliveise bemerklich, ivelche in
bedenklicher Weise auf Einflüsse hinweist, welchen
sich die Herren Studierenden in ihrem eigensten In-
teresse und in: Hinblick auf ihre Zukunft nicht
ergeben sollten. Ihre Aufgabe ist es nicht,
während Ihrer Studienzeit hier Richtungen
zu kultivieren, welche vorübergehend in: Kunst-
leben entstehen und wieder verschwinden bald
von der einen Seite angepriesen und von der
andern verworfen und verhöhnt werden; Sie
haben hier die Natur in: vollsten Respekt vor
derselben zu studieren und eine Sprache und
Darftellungsweise sich anzueignen, ivelche ge-
eignet ist, in vornehmer und anständiger Weise
Ihren künstlerischen Gedanken und Empfindungen
den geeigneten Ausdruck zu geben und nicht
durch genial fein sollende Schmiererei
geistreich oder modern er s ch einen z n
wollen." Das sind vernünftige Maxiinen;
möchten sie nur an allen Kunstakadeinien maß-
gebend sein. Die Kunstzeitschrift „Pan" wird
mit Recht mit manchem herben Wort bedacht;
auch folgendes Verdikt wird sicher rnanchem
aus der Deele gesprochen sein: „Als ich neulich
mit Reinhold Begas in den: Schulteschen Kunst-
salon zusammentraf, rief mir derselbe unter
Hinweis auf eine Anzahl modernster Kunstwerke
zu: „Hören Sie mal, entweder bin ich augen-
krank ober alle diese Kerls da gehören in die
Augenklinik." Von einen: derselben behauptete
er sogar, das Praktischste und Nützlichste wäre,
wenn man ihn: die Palette kreuzweise um. die
Ohren schlüge . . . Ich habe mir in: Laufe
der letzten Jahre die Anschauung gebildet: diese
Jüngsten da m ö ch t en ja alle recht gern, sie haben
sogar Feuer, Leidenschaft, Temperament, — wenn
sie nur wenigstens das Nötigste, das Sehen
n:it den: leiblichen Auge, gelernt hatten!"

B e r i ch t i g u n g.

Seite 33 Spalte 2 Zeile 17 soll es heißen:
„Grund zu habe::" statt „Grund haben";
L>eite 34 Spalte 1 Zeile 23 muß es heißen:
„Dorn und andern" statt „Dorn andern".

Hiezu eine Rnnstbeilage:
Taufsteine mit Holzdeckel in: aothischen Stil.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
loading ...