Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

Seite: 81
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so gräßlicher Naiurwahrheit, daß sie völlig
abstoßend wirken.

10. San et mathyas ward mit ain
ax erhawen.

Es ist dies das letzte Bild in dieser
Reihe, indem vom Maler zwischen das
Martyrium der Heiligen Bartholomäns
und Matthias wohl des größeren Nanmes
halber, der ihm hier zur Verfügung stand,
das Martyrinm des hl. Stephanns gesetzt
hat, das wir später betrachten. St. Matthias
soll zuerst in Judäa lind dann in Aethyo-
pien im Mohrenlande das Evangelium ge-
predigt haben und sei dann nach späterer
Angabe von den ergrimmten Inden mit
Steinen geworfen und hierauf enthauptet
worden. Wir sehen ihn hier in blanem
Ober- und rothem Untergewand knieend
mit gefalteten Händen ans einem grünen
Rasen, während ein Scherge mit einein
großen Beile zu einem Schlage ansholt.
Hinter dem Apostel sieht der Tyrann dem
Vorgänge zn.

11. Der größer Sa net Jakob ward
enthaupt.

lieber die apostolische Thätigkeit des
hl. Jacobns des Aeltcrn nach der Himmel-
fahrt Jesu fehlt jede Nachricht. Wir wissen
nur, daß er als Verkündiger des Evange-
liums eine sehr hervorragende Stellung
eingenommen haben muß, denn er wurde
noch vor dem hl. Petrus von Herodeö
Agrippa I., als dieser die Christen in
Jndäa verfolgte, znm Tode vernrtheilt und
mit dem Schwerte enthauptet. Dieser Mo-
ment der Enthauptung des hl. Jacobus
des Acltern (nicht deö Jüngertt, wie
Professor Dr. Endres meint) ist hier in
Zell dargestellt. Der mit blanem Unter-
und gelbem Obergewand bekleidete Apostel
kniet vor einem ans einer Säule ange-
brachten Götzenbilde, das er anbeten sollte,
von dem er aber sein Angesicht abwendet.
Hinter ihm langt ein Scherge mit einem
langen Schwerte ans, um ihm das Haupt
abznschlagen. Zur Seite stehl Herodeö
Agrippa in langem, blanem Gewände und
ein Schwert in der Linken haltend, die
Rechte sprechend erhoben. Neben ihm steht
eine männliche Gestalt, die ihm etwas zu-
flüstert oder zur Ausführung des Unheils
ermuntert, vielleicht ein Repräsentant des
Jndenthnms, da Herodes ja den Apostel
in der Absicht hinrichten ließ, um sich da-

durch bei den Inden in Gunst zn setzen.
Apostelg. 12, 1—3.

12. SanctSi m o n v n I n d a wurden
baid erstochen.

Die beiden Apostel Simon und Judas
ThaddänS haben nach der Legende in Persien
den Martertod erlitten; elfterer soll aus-
einander gesägt, letzterer mit einer Helle-
barde, nach andern mit einer Keule, ge-
tödtet worden sein, daher trägt Simon als
Attribut gewöhnlich eine Säge, Thaddäus
aber eine Keule. (Schluß folgt.)

Der Maler Johann Baptist Lnderle
von Donauwörth (geb. 1724 gest. 1798)
und s e i u e F r e s k e u i m A u g u stiner-
kl o st e r zu O b er ud o rf a. N.

Von Stadtpfarrer Brinzinger in
Oberndorf a. N.

In verschiedenen ehemals katholischen Kloster-
kirchen von Württemberg, ivelche im 18. Jahr-
hundert im Barock- und Zopfstil crbant worden
sind, finden wir eine Reihe bedeutender Fresken
hervorragender Künstler: in Neresheim vor:

Martin Knvller ans Steinach in Tirol, nnd
seinem Schüler Joseph Schöpf ans Tels, in
Weingarten von Cvsmas Damian Asam arrs
Benedikibenren, in Wiblingen rmd Roth bei
Lentkirch von Jannarins Zick ans München, in
Schnssenried von seinem Vater Johannes Zick,
in der Dominikanerkirche, jetzigen evangelischen
Stadtpfarrkirche zu Rvttweil von Joseph
Wannenmacher ans Tvmerdingen, in Ochsen-
Hansen von Kvnrad Hnber ans Weißenhorn, in
Schwäbisch Gmünd in der ehemaligen Dvrnini-
kanerkirche, jetzt Kaserne, sorvie in der Angnstiner-
kirche, jetzigen evangelischere Stadtpfarrkirche,
vori Jvhanrres Arnvander ans Laningen. Diese
Fresken bieten der Detailfvrschung nach ein sehr
weites, fast unbebautes Felo, in vielen Kirchen
kennt man nicht einmal mehr die Namen der
Künstler, ivelche deren Fresken oder Altarbilder
genralt haben. Die rührige Arbeit der Neuzeit
in beu Archiven dürste diesbezüglich noch rnanche
neue Resultate zrr Tage fördern. Auch die ehe-
malige Augustinerkirche zn Oberndorf a. dl. hat
sehr schöne Freskerc von Johann Baptist Errderle.
Die Kirche lvrrrde erbaut von 1774—1777 in
einfachem, zierlichem Rvkokostil, unter der Leitung
des Klosterbanmeisters und Augnstinerpaters Theo-
bald Kirschner aus Korrstanz, nnd des Sladt-
schultheißen mrd Baumeisters Christian Groß-
bayer arrs Haigerloch, welch letzterer auch Bau-
leiter der St. Annakirche in Haigerloch, der ehe-
maligen Schlosskirche und katholischen Pfarrkirche
des St. Jvhanrres Evangelista in Sigmaririgen,
nnd der von Bandirektor d'Jxnard (s. „Diözesan-
archiv" von Beck 1896, S. 168) entworfenen
St. Jakvbskirche oder Stiftskirche zrr Hechingen
gewesen ist. (Vgl. Zirrgeler und Laur, Bau-
rrnd Knnstdenkmäler in derr Hohenzvllern'schen
Landen, Stuttgart, dteff, 1896, S. 96 nnd 268.)
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