Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

Seite: 82
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Im Kgl. Haus- und Staatsarchiv zu Stuttgart,
daun durch Nachforschungen in Donanwörth
haben wir über Johann Baptist Enderle und
seine Thätigkeit, sowie besonders über seine
Oberndorfer Fresken, verschiedene bisher un-
bekannte Nachrichten aufgefunden, auch einiges
bei Steicheke, Bistum Augsburg, was >vir als
kleinen Beitrag zur wnrttembergischen und
bayerischen Kunstgeschichte hier veröffentlichen.

1. Der Dealer Johann B a p t i st
Enderle, der in den Werken über Kunst-
geschichte kaum erwähnt tvird, war ein sehr bc-
achtenswerther Künstler. Er lebte in Donan-
wörth, im Altmühlkreise des Königreichs Bayern.
Er ist geboren 1724, wahrscheinlich iu Mindel-
heim, in bayerisch Schivaben. Er wird 1775
erstmals erwähnt in den Nathsprotokollen zu
Donauivörth, dort starb er im 74. Lebensjahr
am 15. Januar 1798. Im Todtenbuch des
Pfarramts 511 Donauwörth wird er bezeichnet
„als ein ausgezeichneter Maler und
vortrefflicher M a n n , der plötzlichen Todes
starb". Eine Biographie von ihm ist bis jetzt
nicht vorhanden. Seine Wittve, Ursula Enderle,
wird als Hausbesitzerin in den Donanwörlher
Nathsprotokollen 1799 genannt, und tviedernm
am 2. Januar 1804, ivo sie ihr Hans im
Spindelthal Nr. 336 um 1400 Gulden unb
3 Louisdors Nenkanf verkartft. Enderle war
ein sehr fleißiger, produktiver Künstler sowohl
a) in Fresko- als auch b) itt Tafel-
Malerei. Johann Baptist Enderle malte
a) Fresken (Joseph Enderle bei Steichele II,
S. 352, ist tvahrscheinlich unser Johann gewesen)
1753 in der Kirche in Kirchdorf bei Mindelheim
in Bayern, von Maler Anton Lauter in Donan-
wörth 1891 restanrirt, sodann 1766 die Kapelle
in Unter-Rammingen und 1769 die Kirche in
Bnggenhofen bei Bissingen, Bezirksamt Dillingen,
in demselben Jahre die Kirche in Unterrammingen
bei Türkheim, Bezirksamt Mindelheim. 1780
malte er die Plafondfresken im oberen Speise-
saal der ehemaligen Aebte zum hl. Kreuz in
Donanwörth, die Stiftung des Klosters dar-
stellend, ferner 1792 die Fassade der sogenannten
Kannenwirthschaft in Laningen, jetzt abgebrochen,

1791 bis 1792 die Deckengemälde der ehemaligen

Augustiner- jetzt Seminar-Kirche in Laningen,
von Maler Anton Lauter restanrirt 27. April
bis 24. Juni 1885. 1771 malte er das Decken-
gemälde in der Johanniskirche zu Laningen,
ebenfalls von Maler Lauter restanrirt 12. August
bis 27. September 1895. 1776—1778 malte

er die Deckengemälde in der Angustinerkirche zu
Oberndorf a. N. und kleinere Wandbilder in
der Sakristei, 1779 17. Mai bis 6. August
5 t Ordensheilige im Krenzgange desselben
Angnstinerklosters, tvelche, lvie uns bestimmt
versichert wurde, heilte noch unter der
Tünche schlummernd vorhanden sein
sollen, tvelche das Kunstverständnis) württem-
bergischcr Finanzbeamter über diese 51 Bilder
nach der Klvsteranfhebung 1806 aitsbreiten ließ.

1792 malle Enderle die Deckengemälde 51t
Anchsesheim, Bezirksamt Donauivörth, von
Lauter restailrirt. 17. Mai bis 27. Juni 1895,
dem lvir ailch an dieser Stelle verbindlichst

danken für seine freundlichen Nachrichten. Die
Deckengemälde der Kirchen in Nögling, Aller-
heiligen bei Schcppach, in der Kapelle zu
Hammersletten und Großanhansen in Bayern,
hat nach Steichele (Bistum Augsburg VI, 224,
748, 441, 372) ebenfalls Johann Baptist Enderle
gemalt.

b) Altarbilder in Oel hat Enderle gemalt:
1774 hl. Anna, 1775 hl. Antonins von Padua
für die Kapnzinerkirche in Donanwörth. Pfarrer
Dietrich in Böttingen bei Münsingen schenkte de»i
Ulmer Alterthumsverein (s. Verhandlungen des
Vereiiis für Kiliist nnb Alterthnm in Ober-
schwaben 9. ii. 10. Bericht, S. 98) 14 Kartons
zii Ptafondgeiiiälden in katholischen Kirchen.
Bei 4 Stücken ist beigeschrieben: Joh. Enderle
fecit 1769, bei 2 Stücken steht Joh. Enderle
invenit et pinxit. (Vielleicht sind elftere zwei
die Kartons für die 1769 in Bnggenhofen und
Unter-Nammingen gemalten Fresken?!) Mit
ihm nicht zu verwechseln ist der ihm iveit nach-
stehende Maler Anton Enderle, der in den
Kirchen zu Waldkirch nnb Mindelaltheim und
Haldemvang Deckengeinälde malte. (Siehe Beck's
„Diözesanarchiv" ans Schivaben 1897, Nr. 8.)

2. Die Fresken Enderles in der
A u g u stinerklvste r kirche z n Oberndorf
a. N. Am 29. August 1774 geschah die Grund-
steinlegung dieser Kirche durch den Angnstiner-
prior Alipins Flnrschütz. Im Stuttgarter
Staatsarchiv fanden ivir im Protokoll des
Klosters von 1749—1779 verschiedene Notizen
über Enderle. Hiernach begann Enderle die
Ausmalung der Kirche mit 3 großen Decken-
gemälden Ende August 1776, und vollendete sie
im September 1778, zuletzt int Mai 1779 malte
er die 51 Ordensheiligen im Krenzgang und die
Sakristei.

a) Das Plafondbild oberhalb des Chors der

Kirche, darstellend die Himmelfahrt Christi
mit 4 Prophetenbildnissen, malte er zuerst Ende
August 1776. Es ist eigentlich ein Bildercyklns:
uitten der Sündenfall, links die Vertreibung
von Adam und Eva ans dem Paradies, Christus
zum Himmel aufschivebend, Gott Vater mit
Scepter und Krone, dem der Sohn zürnst ecce
Ego mitte me. Darüber schwebend der hl. Geist.
Beim Erlöser Engel mit den Leidensiverkzengen
und mit Scepter und Krone. Die Stnccatnren
sehr fein, von Andreas Heckel ans Mindelheint
gefertigt für sämmtliche 3 Plafondbilder. An
den Fensternischen in 4 Ecken sind die Brust-
bilder von 4 Propheten: 1. Jesaias mit dem
Schrifttext Jesaia 48, 4. 2. König David mit
der Stelle Psalm 145, 5. 3. Zacharias mit der

Schriftstelle Zach. 9, 9. 4. Dairiel mit der Stelle
Daniel 9, 24.

b) 1777 malte er das Mittelstück, darstellend
die Geburt Christi und Anbetung b n r cf)
d i e 3 Weisen int Stalle zu Bethlehem mit den
lateinischen Schrifttexten Markus 1, 11 und
Luk. 2, 10. 11, ferner Matth. 2, 10 und Joh.
1, 11. Mitten erblickt man den Stall von
Bethlehem: das Kind in effektvollem Helldunkel
mit Maria und Joseph, oben schiveben Engel,
ein Spruchband haltend: gloria in altissimis
Deo et in terra pax hominibus. In der Ecke
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