Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

Seite: 92
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alt ihren Veiler Bernhard Speth zu Ilnier-
marchthal <7 1663) und hörte auf, Sitz einer Linie
des Geschlechts zu sein, bis der Sohn Johann
Nepomuk Freiherr v. sp e th (f 25. Febr. 1801),
Maximilian (geb. 8. April 1785, 7 7. Mai 1856)
Zwiefalteudvrf erbte und dort seinen Sitz auf-
schlug. Er fand seine Nnhestätte in der dor-
tigen Kirche, tvie sein Bruder Franz (geb.
21. April 1777, 7 10. Febr. 1812), Maltheser.
Doch erlosch mit seinem Sohn Rudolf Dietrich
(geb. 30. Jan. 1835, 7 8. März 1878) auch
diese Linie.

So lange im Zwiefaltendorser Schlosse ein
Speth wohnte (also abgesehen von der Zeit
1801 — 1878, bis 1639), wurde die Kirche
St. Michael, obgleich die gntsherrliche Familie
schon seit 1509 eine eigene Burg und Marien-
kapelle besah, sicher in gutem Stand gehalten,
als aber das Schloß leer stand, gerielh die
Kirche allmählich in Verfall, tvoztt die bösen
Kriegsjahre (bis 1648) ihr Theil beitrugen.
Erst als 1695 das Patronatsrecht durch Ileber-
einknnst vom Kloster Ziviefalten an den Bischof
von Konstanz kam, dachte man an eine Er-
nencrnng der Kirche, die dann 1746 erfolgte.
Leider ivnrdcn, tvie auch andersivo, in jener Zeit
hastiger Banthäligkeit das Alte in der Küche
zerstört, so das; die heutige Kirche in Zwiefalten-
dotf kein Bild mehr gibt von dem geivis; feinen
Knnstgeschmack, nüt ivelchcm im 15. Jahrhundert
Hans Speth dieselbe, insbesondere den Chor
ansschinücken lies;.

Gothischer Arcuzaltar.

Es tvar keine ganz leichte Ausgabe, für die
hoch- und tveittäumige Sladlpfarrkirche zu R'a-
vensbing, ivelche in den letzten Jahren eine
dnrchgreisende, im ganzen recht wohlgeluugeue Re-
slauration erfuhr, einen neuen Krenzaltar zu be-
schaffen, tvie der Stil der Kirche und das gottes-
dienstliche Bedürfnis ihn erforderte. Herr Theo-
dor Schnell, Leiter eines tüchtigen Ateliers für
kirchliche Knust, hat sich dieser Aufgabe mit
schönem Erfolg nuterzogen, und das auf der
Beilage abgebildele Altarwerk bildete eine Zierde
der Stuttgarter kunstgewerblichen Attsstellnng
von 1896 und wurde mit der goldenen Medaille
ausgezeichnet. Wir sehen, wie es das Bestreben
des Künstlers war, den Altar würdig und vor-
nehm atiszustallen mit allem, tvas sein Ztveck
utiv seine Bestimmung als Opfer-, Tabernakel-,
Expositionsaltar, ivas die Idee eitles Kreuz-
altars und was der Standort unter dem hoch-
gespreuglen Triumphbogen verlangte, und doch
dabei die Maße und die Massen so zu redueiren,
das; durch ihn dem Hochaltar an der Schluß-
wand des majestätischen Chores kein Eintrag
geschah. Alle diese Rücksichten erscheinen in dem
Entwurf künstlerisch gegen einander ausgeglichen.
Der Ausbau verbindet konstruktive Kraft mit
graziöser Zierlichkeit und hemmt nicht mehr als
unumgänglich den Einblick in den Chor und den
Ausblick auf den Hochaltar. Die vier Nischen
der Predella sind durchbrochen, die Expvsitions-
wie die Bildnischen offen, die drei Hanptthürm-

chen nur durch elegante fliegende Brücken schmied-
eiserner Zierbogen mit einander verbunden. So
ist der Körper des Aufbaues sein gegliedert;
seine zarte, durchsichtige Silhouette zeichnet sich
vortrefflich in heit Raum ein und durchschneidet
nirgends störend den Ban des Hochaltares.
Das ornamentale Detail wie die Ausführung
des Ganzen verdient alles Lob.

Literatur.

Beschreibung des Oberaints Ulm.
Herausgegeben vom K. Statistischen
Landes amt. Bd. I. u. II. Stuttgart,
Kohlhammer 1897. 812 und 701 S.

Wir haben uns hier nicht über den imgemein
reichen Inhalt dieses zweibändigen Werkes aus-
zusprechen, sondern lediglich über jene Parthien
desselben, welche den kirchlichen Denkmälern
und der kirchlichen Kunst gewidmet sind. Nach
dieser Seite ist das Oberamt Ulm der ärmste
und der reichste Bezirk des Landes. Der ärmste,
denn von der Oberamtsstadt selbst abgesehen,
ist eigentlich gar nichts von größerer Bedentnug
vorhanden ; das wenige und geringiverthige, was
aus alter Zeit sich erhalten hat, ist in den Orts-
beschreibnngen genau verzeichnet und gebucht;
auch der tüchtige Kirchennenban von Codes in
Rammiugeu wird im Bild und in genauem
Besehtieb vorgeführt. Jenem Einen Denkmal
aber, welches diese Armnlh ansgleicht und Ulm
über alle Städte des Landes erhebt, ist im
ztveitenBand eine knnsthistvrische Betrachtung von
fast 40 Seilen gewidmet, gut geschrieben und
schön illnstrirt. Auch tver dein mitunter hohen
Flug der Phantasie nicht zir folgen und den
„Funken urgermanischer Wald- und Stellt»
religi.onZ der int Münsterlhurvt fortleben soll,
nicht zu entdecken vermag, wird doch gern dem
Verfasser, Herrn Oberstndienrath Or. Paulus,
das Zeugnis; ausstelleu, das; er seiner schwierigen
Aufgabe voll gerecht geworden. Schwierig war
sie hauptsächlich deswegen, iveil uns immer noch
eine wissenschaftliche Monographie über das
Münster fehlt tmd namentlich die Bangeschichte
noch viele Lücken und dunkle Punkte aufweist.
Man ist daher für diesen ersten Versuch Dank
schuldig, wenn auch manche Hypothesen etwas
gar kühlt dreinschanen und erst ihre Probe be-
stehen müssen; so besonders in dem sonst ver-
dienstvollen Traktat über die Bauuteister des
Münsters. Trefflich ist die künstlerisch ästhetische
Schilderung des Baues und seiner Knnsttverke.
Neben dem hohen Lob, welches S. 98 dem
Münsterbanmeister Beyer gespendet wird, er-
scheint die Bemerkung S. 100: „Die Ober-
leitung hatte lange Jahre Joseph v. Egle" etwas
gar kurz und außer Verhältnis; zit den großen
Verdiensten gerade dieses Mannes um den Bau
uitb seine Restauration.

Hiezu eine Kunstbeilage:
Krenzaltar der ^tadtpsarrkirchc Ravensburg.

St>!»gart, Buchdruckern der Alt.-Gef. „Tentsches Volksblatt".
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