Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

Seite: 94
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derselben n. s. w. gefaßt sind." Der An-
tragsteller begründet die Nesolntion, die
ben Zweck hat, eine regelmäßige Bei-
ziehung des Kirchcnknnstvereins berznstellen
nnd den betreffenden Gemeinden und
Geistlichen fachmännisch nnd womöglich
auch finanziell zn nützen. Nachdem noch
mehrere Herren znr Sache gesprochen,
wird die Nesolntion einstimmig ange-
nommen.

Or. Probst kommt noch einmal ans seinen,
schon in der letzten Generalversammlung
angenommenen Antrag zn sprechen: es soll
den einzelnen Landkapiteln nahe gelegt
werden, sie möchten ans ihre Kosten die
werthvollen Schätze alter christlicher Kunst
in ihrem Bereiche allmählich photographieren
lassen nnd die Photographien in der Land-
kapitelsbibliothek sammeln, außerdem je ein
Exemplar davon dem bischöflichen Mnsenm
für christliche Kunst zn Nottenbnrg nnd
der Bibliothek des Diözesankunstvereius
znstellen nnd eventuell solche Photo-
graphien auch an andere Kapitelöbiblio-
theken anstanschen bezw. verkaufen. In
Anerkennung der Wichtigkeit der Sache
wird einmüthig beschlossen, die hochwürdigen
Kapitelsvorstände einznladen, die betreffen-
den Photographien in Großfolioformat
für Sammelmappen anfertigen zn lassen.

Was die Thätigkeit des Vereines nach
außen anbelangt, so wußte der Vorstand
Detzel viel Erfreuliches zn berichten.
Er schildert sein Eingreifen bei der
Nestanration an zehn Kireben des In-
landes nnd sechs Kirchen des Auslandes;
außerdem sei die Nestanration von acht
weiteren Kirchen eingeleitet. Näherhin
geht er ein ans die bedeutendste nnd groß-
artigste aller Nestanrationen der neueren
Zeit, auf die Restauration der Kirche in
Ravensburg, die ihrer Vollendung ent-
gegensehe; der Hochaltar sei eben erstellt
nach Zeichnung von Cades durch Bild-
hauer Schlachter mit Metallkruzisix edelster
Art von Hngger-Nottweil; der Kreuzaltar
von Schnell-Navensbnrg, eine preisgekrönte
Arbeit; der Aufwand belaufe sich bis jetzt
ans mehr als 200 000 M.; alles sei
durch milde Beiträge gedeckt, — ein groß-
artiges Beispiel katholischer Opferwilligkeit
nnd Liebe zur Kirche.

Kassier Schöninger referierte über die
Nestanration von acht Kirchen, die seiner

speziellen Leitung anvertraut und zur Zn-
friedenheit aller Betheiligten durchgesührt
wurde.

Anknüpfend hieran wies Rektor Or. Hepp
darauf hin, tvelcbe ersprießliche, die wahre
kirchliche Kunst fördernde Thätigkeit der
Diözesankuustverein überhaupt und beson-
ders in dcit letzteit Jahren wieder ent-
faltet habe. BenveiS hiefür fei die Aus-
stellung unseres kirchlichen Kuusthaudwerkes
auf der vorjährigen Knnstgewerbeausstel-
luitg zit Stuttgart; Betveis die Leistungen
unserer einheimischen Künstler, besonders
eie Erzeugnisse der religiösen Kleinkunst;
es werden wieder Werke gefertigt, die sich
den alten ebenbürtig zur Seite stellen.
Mit Freuden sei wahrznuehmeu, daß ge-
läuterter Geschmack sich immer weitere
Kreise erobere »nd auch ans dem Lande
zur Geltung komme. Er erinnere bei

dieser Gelegenheit nur an die jüngst er-
folgte Ausmalung der einzigen Antonius-
kirche des Landes, der Kirche in Deubach,
OA. Mergentheim. Diese Kirche habe

Maler Katzenstein mit Freskenbildern ans
dem Leben deö hl. Antonius ausgeschmückt.
Der Künstler habe nicht bloß gezeigt, daß
er Meister in der Technik ist, sondern
habe auch das Problem zn lösen gewltßt,
wie der Legendenstosf zn verwertheu ist,
um der katholischen Verehrung eines Hei-
ligen gerecht zn werden: Menschliches und
Göttliches, Dogma tind Tradition, Ge-
schickte und Legende finde sich hier in
diesem Bildercyklus in sinniger Parallele
zusammengestellt. So wünsche er die Le-
gende malerisch behandelt zn sehen, wenn
sie den Geist auftvärts ziehen uub wahr-
haft erbauen soll. Die Gemeinde Deu-
bach verdanke diesen schönen Schmuck ihrer
Kirche dem opferwilligen nnd kunstsinnigen
Pfarrheiru Vogel.

An diese Verhandlungen schloßen sich
zwei Vorträge an. Im ersten Vortrag
brachte Professor Eggler eine höchst in-
teressante nnd ganz eigenartige Abhand-
lung über das Wesen nnd die Ziele d r
Kunst znr Kenntniß der Versammlung.
Es war dies ein schriftliches Promemoria
betreffend die Benroner Kunst, das seiner
Zeit der Leiter der Kunstschule in Ben-
ron, ?. Desiderius, verfaßt hatte. Die
tiefe Spekulation, der hohe Flug der Ge-
danken, die ideale Auffassung der Kunst,
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