Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 15.1897

Seite: 111
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Iudocus Vredis und das Karth äu-
ferklo st er zuWedderenbeiDülme n
i n W e st p t) a I e n. Von A15 e r t W o r m -
stall. Münster, H. Schöniugh, 1896.
43 S. und 8 Tafeln groß 4°. Preis 3 M.
Judocus Vredis (ans Vreden) >var bisher
nur dein Namen nach und ans einigen seiner
Kunstwerke bekannt. Vier erhalten wir ans
archivalischen und handschriftlichen Quellen ge-
nauere Nachrichten über ihn, und wissen nun, daß
er eigentlich Pelsers hieß, zwischen 1470 und 1480
geboren ist, Mönch und Prior im Karthänser-
iloster Wedderen (gestiftet 1476, aufgehoben 1804)
war und 1540 starb. In der Kunstgeschichte
aber verdient er genannt zu werden, tveil er es
meisterhaft verstand, Reliefs in Thon zu mo-
delliren; Abdrücke der Hohlformen wurden dann
in Thon gebrannt und sind noch in ziemlicher
Anzahl erhalten und auf den Tafeln abgebildet:
Bilder der Madonna, der Mutter Anna selbdriit,
der Trinität (Gnadenstnhle) einzelner Heiligen;
sie sind im Stil noch rein gvthisch, nnbenihrt
von der Renaissance und von reicher Ornamen-
tik umsponnen; alles in allein recht tüchtige
Proben alter Keramik.

Kn rz e r Ab r iß der Kn n stg e s ch i ch t e.
Zum Gebrauch für höhere Töchterschulen,
Mädchenpeufionate und ähnliche Lehran-
stalten, bearbeitet von As. V. Nensee.
Innsbruck, Ranch 1898. 204 S. 80. Preis:
1,30 M., geb. 1,60 M.

Daß in das reiche llnterrichtsprvgramm der
höheren Mädchenschnlen aiieh die Kunstgeschichte
Aufnahme fand, ist geiviß zu billigen. Streiten
ließe sich über Umfang und Methode dieses kunst-
historischen Unterrichtes; hätten wir hier ein Vo-
tum abzngeben, so würden wir gerne die höheren
Töchter verschont wissen mit vielem, >vas im
obigen Leitfaden Aufnahme gefunden hat und
würden es keiner übel nehmen, wenn sie nichts
vom Amphiprvstylos und Perilepros unb Ago-
naltempel, von Kvilanaglpphen, von Enpompos
und Pamphilvs, von Euphranor und Pciraeiikos
gehört oder gemerkt hätte. Aber die deutsche
Gründlichkeit steckt eben auch den deutschen Frauen
im Blute und die Verfasserin dieses Abrisses
ivird sich gedacht haben: eher zu viel, als zu
iveiiig. Es kann ja allerdings der Dozent oder
die Dozentin selbst noch eine Auslese treffen
und für solche, ivelche sich ans ein Lehrerinnen-
examen vorbereiten, ivird es angenehm sein,
hier alles kurz beisammen zu haben. Der Ab-
riß nnifaßt die gesammte Entwicklung der Künste
von deii ersten Anfängen in Aegypten, Assyrien
unb Indien, bis ans den ncnesteu Verismus,
Impressionismus und Symbolismus in der
Malerei und die Benroner Schule. Die Dar-
stellung lehnt sich eng an gute Vorlagen, nament-
lich katholischer Richtung an unb entlehnt ihnen
oft wi'itliche Citate. Aber man ist der Ver-
fasserin ras Zeiigiiiß schuldig, daß sie alles gut
ziUa-: .neu- und ineinandergearbeitet hat und den
Bkaßstab einer gesunden Aesthetik und der katho-
lischen Knnstanffassimg nicht aus der Hand gibt.

srie hat so einen ganz brauchbaren Grundriß
für diesen speziellen Weck geschaffen, wofür man
ihr dankbar sein ivird. Illustrationen siiid dem-
selben nicht beigegeben; sie ging von dem Grund-
satz ans, lieber keine als nnvollkommene, und
nnvolikommen würden sie in einem Lehrbuch
schon wegen der Preislage immer bleiben müssen.
Andererseits rechnet sie damit, daß ja gegen-
tvärtig es an guten Anschanungsmittelii nicht
fehle, in deren Besitz eine derartige Schule sich setzen
könne und müsse; Wir möchten namentlich noch
an die Seemannscheil Bilderbogen zur Kunst-
geschichte erinnern. Zn manchen Berichtigungen
und Verbessernngen im einzelnen werden neue
Auslagen des Buches Gelegenheit geben.

Die Acclamationeu und Gebete der altchrist-
lichen Grabschriften von I)r. I. P. Kirf ch.

(Zweite Vereinsschrift der Görresgesell-

schaft. 1897.) Köln, Bachem. 79 8.

Die kurzen Grabinschriften aller Zeiten —
wie viel offenbaren sie uns über das Hoffen,
Denken, Fühlen, über die ganze Lebens- und
Tvdesanffassung der verschiedenen Generationeil
und Epochen, ivelche Glanbensbekenntnisse sprechen
sich in ihnen ans unb wie tief lassen sie hinein-
schanen in die Herzen, aus Denen sie einst ge-
flossen — meist aus blutenden Wunden geflossen.
Tie antiken, die allchristlichen, die mittelalter-
lichen Grabschriften, die der Ausklariingspe-
rivde und der modernen Zeit — man könnte
aus ihnen eine ganze Kulturgeschichte und eine
Geschichte der religiösen Wandlungen der Mensch-
heit ablesen. Was Tiefgehalt des Glaubens unb
Trostes, was Unmittelbarkeit der Empfindung
unb Kraft der Ileberzengung, lvas Ernst der
Trauer und Freudigkeit der Hoffnung, ivas Klar-
heit der Lebensanschaniliig unb herzqnellende
Wärme des Gefühles an langt, gehen riubedingt
die altchristlichen Inschriften allen vor. Es war
ein schöner Gedanke, dieselben zll sammeln unb
zu beleuchten und der Verfasser hat diesen Ge-
danken sehr gut dnrchgeführt. Nach einer ein-
leitenden Vergleichung der heidnischen und christ-
lichen Grabschriften führt er die letzteren in fol-
genden Klassen vor: Acclamationeu an die Ver-
storbenen mit frommen Wünschen für deren Heil,
Gebete zu Gott für die Verstorbenen, Gebete zu
den Heiligen für dieselben, Anfforderungeii znm
Gebet für sie und Anrnsungeu ihrer Fürbitte.
Er deckt dann Zusammenhänge auf zwischen
diesen Acclamationeu unb den ältesten litur-
gischen Gebeten und iveist auf ihre iverthvolle
Zeugenschaft für das Dogma von der Gemein-
schaft der Heiligen hin. Plan kann den Wunsch
nicht unterdrücke», daß nicht wenige der hent-
zntag üblichen Grabinschriften durch die besten
unter deii altchristlichen verdrängt werden möchten.

Die F e st s ch r i f t z n m 5 0jährigen Jubi-
läum des hi st o r i s ch e n V e r e i u s f ü r iv ü r t -
tem bergt sch Franken („Württ. Franken."
Nene Folge VI. Hall 1897) — eines Vereins,
dem man das Zeugniß schuldig ist, daß er für
Erknndnng und Erhaltung der Kunstdenkmäler
seines Bereiches schon viel gethau — enthält
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