Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Organ des Rottenburger Diözesan-Vereins für christliche Kunst.

ßeransgegcben und rebigirt non Pfarrer Detzel in ft. <£briftinn=>Hancnsbnra.

Verlag des Hottenburgcr Diözesaii-Itiliistnereins,
für denselben: der Vorstand Pfarrer Detzel in ft. Lstristina-Ravensbnrg.

Kr. i.

Erscheint monatlich eiinnal. Halbjährlich für M. 2.05. durch die württeiubergischeu (M. I SO
im Stuttgarter Bestellbezirk). M. 2.20 durch die bayerischen und die Neichspostaustalteu,
st. 1.27 in Oesterreich, Frcs. 3.40 iu der Schtveiz zu beziehen. Bestelluugeil werden tO^O
auch augeuoiumeu von allen Buchhandlungen sowie gegen Einsendung beS Betrags direkt LOyO,
von der Expedition des „Deutschen Volksblatts" in Stuttgart, Nrbausstraße 04, zum ^
Preise von M. 2.05 halbjährlich.

An die Leser.

Durch Beschluß des Ausschusses des
Diözesaukunstvereius uud »ach Bestätigung
dieses BeschlussesSeiteus desho ch w ü r d i g st e u
Bischöflichen Ordinariates am 17. Mai
d. I. ist der Unterzeichnete au Stelle des
leider so früh uns entrissenen uud ver-
dienten Stadtpfarrers E. Keppler zum
Redakteur dieser Zeitschrift bestellt worden
uud hat er am 1. Januar d. I. diese
Stelle angetreteu. In dankenswerlher Weise
hat Herr Professor Dr. Keppler in Frei-
burg in dieser Zwischenzeit die Redaktion
geführt uud scheidet mm von dieser Stelle,
hoffentlich nicht, ohne auch iu Zukunft
dem „Archiv" treu zu bleiben; gewiß bin
ich der Zustimmung aller Mitglieder des
Kuustvereius uud der Leser des „Archivs"
sicher, wenn ich ihn dringend auch für
die Folgezeit um seine bisher von allen
geschätzte Mitarbeit ersuche.

Was Programm und Tendenz dieser
Blätter für die Zukunft anlaugt, so wird j
auch der neue Redakteur hierin keinerlei
Veränderung eiutreteu lassen, sondern sich
au das bisher bewährte „Programm" halten,
das der selige Prälat Dr. Schwarz au
die Spitze dieser Zeitschrift (Nr. 1, 1883)
so klar uud übersichtlich gestellt hat uud
das derselbe iu einem „Brief au einen
Freund" (Nr. 7 v. I. 1887 S. 74) noch
kurz vor seinem Tode wiederholt uud er-
läuterllhat. Die praktische Richtung dieser
Blätter soll auch iu Zukunft „ihren Unter-
grund iu der Theorie nnb in der Geschichte
der Knust" haben. Wenn Herr Professor
Keppler iu seinem Abschiedsworte der letzten
Nummer einen eindringlichen Aufruf au
alle Abonnenten ergehen läßt, „deui Blatte,
das nach seiner Ueberzeugung seine Mission
noch nicht vollendet hat, treu zu bleiben
und neue Freunde und Leser zu werben",

so schließen >vir uns diesem Aufrufe mit
ganzem Herzen au. Es ist iu der That
noch viel zu thu», uud würde unsere Zeit-
schrift auch nur noch die eine Mission
zu erfüllen haben, die Industrie, die mit
ihrer fabrikmäßigen Herstellung auch wieder
iu neuerer Zeit künstlerische Plastik und
Malerei aus den Gotteshäusern zu ver-
drängen sucht, zu bekämpfen uud durch
Hervorhebung von eigentlichen Kunstwerken
der Kirche den ihr allein gebührenden uud
berechtigten Schmuck zu wahren, so würde
auch diese einzige Aufgabe immer noch der
vollen Unterstützung des Klerus würdig
sein.

Sah sich ja erst noch iu jüngster Zeit
das Münchener Erzbischöfliche Ordinariat
veranlaßt, die Künstler gegenüber bei
Konkurrenz der Verfertiger solcher billigen
Judustriewaare beim katholischen Klerus iu
Schutz zu nehmen. „Bei dieser Konkurrenz
ist der Künstler — heißt es in dem be-
treffenden Erlasse —, wenn er überhaupt
noch Aufträge erhält, gezwungen, um ge-
ringe Bezahlung möglichst rasch uud flüch-
tig zu arbeiten; er wird so nicht mit jener
hiugebeudeu Liebe, die zur Herstellung eines
Kunstwerkes unerläßlich ist, arbeiten; er
wird nicht sein ganzes Können iu eine
Arbeit setzen, die ihm so schlecht gelohnt
wird; oder er wird das Gebiet der christ-
lichen Kunst, auf welchem er sein Aus-
kommen nicht mehr findet, überhaupt ver-
lassen. Die unausbleibliche Folge tvird
fein, daß die christliche Kunst, überwuchert
von den unedlen Surrogaten der Industrie,
immer mehr dahiusiechen nnb zu Grunde
gehen wird." Der Klerus wird fortan
ermahnt, solche fabrikmäßig hergestellte
Erzeugnisse der Industrie, auch wenn sie
Schenkungen seien, nicht mehr zuznlassen,
Skulpturen uud Gemälde sollten bei tücb-
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