Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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werden, der Hochaltar sollte bezüglich Material
und technischer Ausführung nicht in Disharmonie
treten mit dem Krenzaltar und er sollte in seinem
architektonischen Aufbau so gestaltet sein, daß er
die berühmten und werthvvllen alten Glasmale-
reien nicht verdecke, aber dennoch mit dem schönen
srühgvthischen Chorabschlnsse in Einklang stehe.
Der neue Hochaltar, die Brillanz der alten
Fenster und die frühere oder spätere Ans-
malnng dieses Theiles der Kirche sollten, das
ist beabsichtigt, so znsammenstimmen, das; dieser
Dreiklang erst recht die ganze Pracht ilnd Ma-
jeslät dieses großartigen, hochgeivölbten Chores
erkennen lasse. Das Ganze ist, !vie unser Hanpt-
blatt zeigt, als ein Figurenschrein mit Einbau
eines Doppeltabernakels gedacht und die Form
des geraden Abschlusses ist gewühlt, um in dem
mächtigen Chore die Horizontalen mit der Ver-
tikalen in Gegensatz zu bringen. Ein hoch-
strebender Aliaransban, — abgesehen davon, daß
er mit dem Stile des Chores nicht harmonieren
ivürde, tveil die Früh- und Hochgothik überhaupt
keine solche Hochbauten von Altären kennt, —
würde das Uebergewickst der vertikalen Linien
des Chores bis zum Uebermaße gesteigert haben,
lvährend so die markigen Hvrizontallinien des
Altars ein wohlthuendes Gegengewicht geben.
Der Hochaltar, in seinem Oberbau ans schönem
Eichenholz, im Unterbau (Antependinm) ans
rvthem Alpirsbacher Sandstein hergestellt, ist in
dem Atelier des Bildhauers Moriz Schlach-
ter in Ravensburg ansgeführt tvordeit und ztvar
in ganz gelungener Weise sowohl nach seiner
ornamentalen als signralcn Seite hin. Innerhalb
der kräftigen Umrahmnngslinien sehen wir einen
großen Neichthnm fein und sauber, auch noch
für die Ferne wirkungsvoll geschnitzter Orna-
mente, welche selbst wieder eine Art Umrahmung
der bildlichen Darstellungen ansmachen. Als
letztere finden wir die vier lateinischen Kirchen-
väter und zivei Hochreliefs: die Hochzeit zu
Kana und die tvrinderbare Brodvermehrnng.
Wir begrüßen diese plastischen Darstellungen be-
sonders freudig, nicht nur weil sic in ihren
einzelnen Gestalten künstlerisch gut dnrchgeführt
und geschmackvoll festlich, tvie es sich für die
frühe des Allerheiligsten geziemt, gefaßt sind,
sondern hauptsächlich, tveil wir hier selbstständige,
mit allem Fleiß und aller Tüchtigkeit dnrch-
tnodellirte Arbeiten vor uns haben. Ein Mün-
chener Künstler, der den Hochaltar gesehen,
schreibt uns diesbezüglich: „Dieser Hochaltar,
von M. Schlachter ansgeführt, ist ein Kunstwerk
ersten Ranges, ganz besonders sind es diese
beiden Hochreliefs, dieselben weichen einmal
gänzlich ab von den Alltagsfignrcn, tvie man
sie sonst fast überall zu sehen bekommt. Das
sind künstlerische Arbeiten im Ivahren Sinne des
Wortes." Schließlich die Bemerkung, daß arrch
das Al'.arkrenz ans Metall, ansgeführt von
Goldarbeiter Jos. Hngger in Rottiveil, ein
hochfeines, ins Detail künstlerisch ansgearbeitetes
Werk ist. —- Ter Altar ist eine Stiftung der
Frau Stadtschnltheiß Kuhn in Ravensbirrg und
wird Jahrhunderte lang tvie ein hervorragendes
Knnstdenkmal der Stadt so auch ein Denkmal
hochherziger, christlicher Gesinnung der Stifterin
bleiben.

Literatur.

Die Katholische Ki rche unserer Zei t
un b ihre Diener in Wort n nb
Bild. N o in. Das Oberhaupt, die CIin-
richtung und die Verwaltring der Gesammt-
kirche. Unter Mitwirknng hervorragender
Fachgenossen bearbeitet von Msgr. Paul
Araria Bau mg arten, P. Salvatore
Brandt, S. J., Msgr. James ff. C a m p-
bell, Msgr. Charles Dairiel, P. Pie
de L a n g o g n e, O. Min. Capp. Or. I o h tt,
Prior, Dechairt R u s ch e ck Antal, Msgr.
Franz M. Schindler, Msgr. Charles
de T ' S e r c l a e s, Msgr. Anton de W a a l.
Mit 1 Farbenbild, 60 Tafelbildern nitd
ca. 1100 vollseitigen und kleinereirBildern
im Text. Heransgegeben von der Leo-
Gesellschaft in Wien. Berlin.
Allgemeine Verlagsgesellschaft m. b. H.
Von obigem Werke, das in allen katholischen
Kreisen mit Recht freudiges Aufsehen erregt, ist
bereits die zweite Lieferung erschienen. Nach-
dem die erste Lieferung zuerst den Prospekt und
als Einleitung Allgemeines über Papst und Kirche
gebracht hat, beginnt aus der Feder Msgr. Charles
de T'Serclaes eine klassisch geschriebene, hoch-
interessante Biographie Leos Xllk., ivelche seine
Jugend und seine Studienjahre bis zu dem
ersten Eintritt ins praktische Leben behandelt.
Tie zweite Liefernitg bringt die Fortsetzung dieses
Essay's und enthält seine Priesterweihe, seine
Thätigkeit als päpstlicher Legat in Benevent
und Perugia, dann sein besonders eingehend be-
handeltes Wirken als Nuntius in Brüssel, die
Würdigung seiner zwcinnddreißigjährigen stillen,
aber segensreichen Wirksamkeit als Oberhirte
der Diözese Perugia, seine Erhebung zum Kar-,
dinal und znm Camerlengo der Kirche durch'
Pins IX. und endlich seine Wahl znnr Papst
nach dessen Tode. Damit schließt dieses ziveite
Heft. Doch wir haben es hier mehr mit der
k ü nstleri s ch e n Ausstattung, mit dein Bilder-
schmucke des Werkes zu. thnn, als mit den: In-
halt und was in dieser. Hinsicht die vielen Illu-
strationen betrifft, so zeigt die Ansivahl einen
doppelten Charakter, einen sachlichen und einen
persönlichen. In letzterer Beziehung unterscheiden
sich die Bilder in Tafel- und Textbilder. Der
ersten Klasse ivnrden nur die Porträts der Kar-
dinäle in curia sowie die einiger der hervor-
ragendsten Würdenträger eingereiht, während
die Texnbilder in ihren verschiedenen Größen-
abstnfnngen das übrige reichhaltige Porträt-
material zur Anschannng bringen. Die Jlln-
strationen sachlicher Art sind theils nach histo-
rischen, theils nach Rücksichten zeitgenössischer Art
ansgeivählt. Unter diese Rubrik von Bildern
sind wohl auch diejenigen zu rechnen, die, manch-
mal nicht in unmittelbarem Zusammenhänge
mit dem Texte stehend, als künstlerische Beigaber:
von hohem Werthe anznsehen sind. Zivei solcher
Tafeln von ausgezeichneter Schönheit sind bis-
her beigegeben: Der Christnskopf von dem Ge-
mälde der Verklärung von' Raphael, das sich
in der Vatikanischen Pinakothek befindet, und
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