Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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Rand blau mtb weiß. Ihnen gleich sind >
die äußersten Stäbe oben, nur die Rand-
einsassnng des Sternchenmnsters ist weiß
und halb grün und halb bläulich. Die
mittleren Stäbe haben ein herzförmiges
answärtsstehendes weißes Blatt, das roth
ansgefüllt ist, ans einem dunkelblauen
Grund. Die Einfassung ist blau und
roth, durch schwarz getrennt.

Die senkrechten Stäbe unter dem
Qnerstab, rechts und links von der
Mandorla und die beiden äußern haben
einen blauen Mittelpunkt, weißes schräges
Kreuz mit Lilienenden, gelben Rhombus
mit rother Füllung, dieses Ornament ist
ans blauen Grund gezeichnet im Quadrat,
das von kleinen Quadraten von verschie-
denen Farben (quer von links nach rechts:
grau, blau, roth, grün; ani der einen
Seite: roth, grün, blau, roth, ans der
andern Seite in umgekehrter Folge) ein-
gefaßt ist. Die mittleren Stäbe unten
zeigen ein anderes Muster: ein weißes
Krenzchen ans blauem Grund, von einem
rothen Kreis eingeschlossen, die Ecken sind
grün mit gelben Punkten.

Der Rand, welcher die ganze Bild-
släche umgibt, bildet eine Schräge von
3,5 cm, mit einer Inschrift von 2,2 cm
Höhe, welche in das Goldblech etwas ver-
tieft ist. Wo die Trennnngsstäbe an diese
Umfassung ansetzen, befinden sich ans der-
selben oben 6 Filigranplättchen (mit 3
Perlen zwischen Johannes und Pen ns),

2 solche ans der Seile, 2 unten links
und 4 Knpferplättchen.

Diese Plättchen haben eine Höhe von
3,5 cm; sind an de>> Stäben 3,8 cm,
am äußern Rand 5,5 cm breit (Trapez).

Die Umschrift in lateinischen und
zum Theil gothischen Majltskeln um die
Mandorla bezieht sich ans Christus und
hat folgenden Wortlaut:

„[Alpha vocatus et o (neu)] superis terrestria

jungo,

Ad solium caeli dum formam transfero servi.“
(— Anfang und Ende genannt, verbind ich Hiin-

nie! und Erde,

Hebend die Knechtsgestalt empor zum himmlischen

Throne.)

Die Umschrift ans der Schräge der
Einsassnng des ganzen Rechtecks geht ans
die Apostel mit folgenden Hexametern:

„Hi sua spe vitae liquerunt omnia seque
Sectantes Christi factis praecepta magistri

(oben) ;

Pro quo mactati vivunt sine fine beati (Epistel-

Seite) ;

Qui reserant dignis coeluni clauduntque malignis

(Evang,-Seite)

Et cum districto residebunt judice Christo
[Cum mundum (neu)j digne redicus examinat

igne“ (unten).

(— Hoffend das ewige Leben verließen sie alles,

sich selber;

Immer befolgend in Werken die Lehren Christi

des Meisters;

Leben — getötet für ihn — in Seligkeit immer

und einig;

Oeffne den Guten den Himmel, verschließen ihn

aber tum Bösen;
Sitzen einst zu Gericht mit Christus dem strafen-
den Richter,

Wenn er kommt mit Würde ;u richten die Erde

im Feuer.)

Die ä n ß e r st e U m r a h m n n g , ivelche
die Abbildung bei Laib und Schwarz
(a. a. O.) noch answeist, ist leider ver-
schwunden, ebenso viele Perlen und sämmt-
liche Edelsteine (nach mündlicher Ueber-
liesernng bei der Säkularisation). „Die
Filigranarbeit", sagt Meyer (Beiträge zur
Geschichte von Combnrg, Hall), „steht ans
gleich vortrefflicher Stufe wie die email-
lierten, verschiedenartigsten Parlhien und
müßten restanrirt, die ansgebrochenen
farbigen und edlen Steine wieder ergänzt,
etwas ganz ausgezeichnetes bilden."

Vergleichen wir noch das Antependinm
mit dem Kronle n ch ter, so fällt ans
den ersten Blick die große Ae h n l i ch k e i t,
ja vollständige Gleichheit ans, welche die
getriebenen Figuren der Apostel in ihrer
byzantinischen Steifheit mit denen des
Kronleuchters haben. (Apostel und Heilige,
innen und außen an den Thürmchen.) Die
? Inschrift zeigt an beiden, Antependinm
; und Kronleuchter, die gleiche Vermischung
von lateinischen und gothischen Majuskeln,
ähnliche Abkürzungen (Ligaturen), wenn
auch nicht zu verkennen ist, daß die Buch-
staben am Kronleuchter einen freieren,
schöneren Schwung der Formen zeigen,
da diese nicht getrieben oder eingegraben,
sondern vielmehr ausgezeichnet sind. Daher
weisen die Figuren des Antependinms und
; die Inschrift ans die Zeit der Entstehung
des Kronleuchters unter III. Abt Hertwig
(1108—1141) wie die „Kleine Chronik"
berichtet.

Ein Gipsabguß des Antependinms
mit den Farben des Emails befindet sich
in der „Sammlung vaterländischer Alter
j thümer" in Stuttgart.
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