Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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August 1875 erhob dieselbe zu einer wirklichen
Pfarrei.

Das einige geschichtliche Notizen als Ein-
leitung zu folgenden kuustgeschichilicheu Mit-
theilungen.

In der ehemaligen Johanniterkirche — seit
1740 ist das Schiff von dem Chor durch eine
Scheideivand getrennt unb jenes den Protestan-
ten', dieser den Katholiken eingeränmt — befand
sich ehedem unter dem
Chorbogen ein schöner
gothischer Flügelaltar.

Wir haben uns einige
Mühe gegeben, etivaige
allere Nachrichteil über
denselben zir sammeln,
allein lensere Bemüh-
nngen sind so ziemlich
erfolglos geblieben. We-
der int Stuttgarter noch
im Lndtvigsbnrger Ar-
chive wollen sich die ge-
wünschten Dokumente
vorfindeu. Danach einem
früher auf dem Nathause
in Rvhrdorf aufbeivahr-
tcu Urkundenverzeieh-
nisse am 22. August
1673 alle Bücher und
alle in der Negistratnr
der Comthurei in Ver-
ivahrung gelegeneil
Briefe rc. „durch Jhro
Hochivürde», Herrn Ig-
naz Freiherrn Wolf, ge-
nannt Aletternich, da-
mals geivesleu Thumb-
Custvrn zu Speyer, dort-
hin in die Sicherheit
salvirt ivorden sind", so
ivilrde in der schiveben-
den Angelegenheit auch
eine Anfrage au das
Bischöfliche Ordinariat
i u Speyer gerichtet.

Herr Domkapitular
Or.Zimmern anliv ortete,
das; das Archiv sowohl
im Ordinariat als im
Domkapitel erst mit der
Neubegrüiidnng des
Bisthums beginne, und
das; nach Aussage des
staatlichen Herrn Kreis-
archivars Oe. Mayrhofer
auch in seinem Archive
sich nichts finde. In
ähnlichem Sinne ivilrde
uns von Herrn Professor

Or. F. Mone in Karlsruhe geschrieben, an
ivelchen mir uns auch gewandt halten.

Die älteste Nachricht über uusern Altar liefert
lins eine in der Höhlung der alten Mnttergottes-
statne in Nvhrdorf befindliche Inschrift, also
lautend: „her Jörg v. Hohem, ben man nempt
bambast, Coment tif ? hnß hat dis iverck lassen
inacheil anno 1485."

Das Wort Jörg steht über der Inschrift,

lluter derselbeil aber ist das Wappen der Herren
von Hohenheim, ivelches im goldenen Schilde
einen schrägrechten blauen, mit drei silbernen
Kllgelu belegten Balken zeigt. Hiernach ist also
der Altar (wohl == dies iverck) unter denl Com-
lhnr Jörg Bambast oder Bombast von Hohen-
heim erstellt ivorden, ivelcber im Jahre 1468
mit Graf Eberhard im Bart' eine Pilgerfahrt
nach Jerusalem gemacht hat-und urkundlich oft
genannt ivird. (Staats-
archiv, Gemeinderegi-
stratur Hochdorf, Ober-
amt Horb.)

Alls dem 16., 17. und

18. Jahrhundert habe»
wir keine Notizen über
den Altar finden können.
Wir müssen uns also
begnügen mit dem,
was die Psarrchronik
von Nohrdors über das
Schicksal desselben in
der ersten Hälfte des

19. Jahrhunderts be-
richtet. Em recht trau-
riger Bericht.

^Nachdem der Altar
345 Jahre lang gestan-
den, stellte im Jahre
1829 Pfarrer Bäuerle
von Güudriilgen den
Antrag, derselbe solle,
iveil baufällig unb
morsch, auf den Ab-
bruch ve> kauft lverden,
und diesem Anträge
ivilrde im Jahre 1830
seitens des Köuigl. Ka-
meralamtes in Alteu-
steig lvirklich entsprochen.
Blau verkaufte den
ganzen Altar an Pfarrer
Bäuerle um die 'Lumme
von 1 fl. 30 kr., sage mit
Worten Einen Gulden
und dreißig Kreuzer.
Die Quittung hierüber
ist in der Pfarrregistra-
tur in Gündringen anf-
beivahrl uub dürfte eine
der lnieressantesten llr-
fn üben sein im ganzen
Bezirk Horb und tveit
darüber hinaus. Der
Altar wurde nach Güu-
dringen geführt, nach-
dem zuvor (mehrere ge-
schnitzte Bilder in fremde
Hände gelailgt waren.
Eitles davon,' ein schöner Kruzisixns — früher
am Altäre oder am Chvrbogen angebracht?
— befindet sich jetzt im Besitze des Herrn
Chefredakteurs Kümmel in Stuttgart,') zwei
andere Bilder dagegen kehrten ivieder zurück,
von wanuen sie gekommen. Es sind dies
die Statue des hl. Johannes des Täufers und

Vgl. „Archiv" 1896 Nr. 9
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