Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 15
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entschließen, als später Fürst Anton von Sig- '
inaringen für den Tod Biariä allein 6000 fl.
geboten hatte. Im Jahre 1867 ivnrden die
Kunstiverke von Maler Lang in Ulm renovirt,
ivozn der Württeinbergische Alterthnmsverein ans
seinen Mitteln 100 fl. beisteuerte.

Schließlich ist noch zn erwähnen, daß unter
dein jetzigen Pfarrherrn G. Gnant drei von
unseren Gemälden schöne architektonische Nah-
men ans Eichenholz erhüben nnd jetzt den Hanpt-
schmnek der drei neuen Altäre bilden, welche ans
Ver Werkstätte des Altarbaners P. P. Hansch
in Horb hervorgegangen sind. Die Nahmen
konnten bei den Bildern so angebracht werden,
daß man sie im Nothfalle bei einem etivaige»
Brande leicht wieder aus dem Altäre heraus-
nehmen mag.

Damit haben >vir die Geschichte der Gün-
dringer Gemälde zu Ende geführt, nnd >vir
köitnen nunmehr mit deren Beschreibung be-
ginnen. — Zuerst lenken wir unseren Blick ans
das Bild Bc a r i ä Verkündigung. Dasselbe
ist auf der nördlichen Seite des Chores ange-
bracht und hat eine Größe von 1,65 X 1.40 m.
Die Farbe is! an einzelnen Stellen brüchig tind
hat im Vergleich mit den anderen Tafeln hier
an Frische verloren. Das heilige Ereigniß voll-
zieht sich in einem von gothischen Sänleit ge-
tragenen, halleartigen Zimmer, hinter tvelchem
man den goldenen Himmel nnd eine anmnthige
Landschaft erblickt. Von der Höhe der Halle
schrvebt in goldenen Strahlen der hl. Geist,
dessen unscheinbare Gestalt von unten ans kaum
beachtet ivird. Maria ist rechts vom Beschauer;
von einem dunkelgrünen Gewände umhüllt (die
grüne Farbe deutet auf den Frühling) kniet die
etwas gedrungene Gestalt auf ihrem Betstuhl
und ivend t sich in magdlicher Demnth mit ge-
senktem Blicke seitwärts gegen den hinter ihr
knieeuden himmlischen Boten. Die linke Hand
ruht ans dem Gebetbuche, das auf dem Pulte
liegt, die rechte auf der Brust.

(Schluß folgt.)

b)eiliggrabkapelle und Areuzweg in
öchmiechen.

Vou Kamerer H tl ck.

Im „Archiv für christliche Kunst" vom Jahre
1890 Nr. 10 nnd 11, S. 94 und 104 ff. tvnrde
die durch ihr hohes Alter und den wirknngs-
volleir gothischen Chor, aus dem Jahre 1492
stammende, interessante, neu restaurirte Pfarr-
kirche zu Schmiechen geschildert. Dabei tvurde
S. 107 auf die ivieder atifgedeckte Krypta aus
der romanischen Zeit mit einer Bodeufläche von
ca. 23 qm hiugewieseu. Dieselbe wurde unter-
dessen in eine ständige H e i l i g g r a b k a p e l l e
nmgetvaudelt. Das romanische Tonnengewölbe
einfachster Art wurde gänzlich unverändert gelassen,
iveil der rohe Mörtelverpntz eine eigenthüntliche,
bis jetzt noch nicht recht aufgeklärte Maserirung
ohne Anwendung von Farben ^0^10 Die
regellvsen und doch wieder harnionischen Linien
sind vertieft entlveder durch Nitzen oder durch
eine ätzende Flüssigkeit oder durch irgend eine
andere Einwirkung. Der geringe Bodenbelag
und die Nückivand ivnrden entfernt, ivobei sich

gar nichts vorfand, tvas ans den Gebrauch der
Krypta als Todtengrnft hingewiesen hätte. Wahr-
scheinlich hatte sie vom Ursprung her einen
Altar. An Ltelle der entfernten Nückivand
lvurde eine Felsenivand aus einfachen, der Ge-
gend entnommenen Tuffsteinen aufgeführt mit
einer Nische ans Sandsteinen nnd Cementknnst-
sieinen zur Aufnahme eines Grab-Christusbildes.
Die Figur ist von Hermann Stärk in Nürn-
berg, einem geborenen Sanlganer, ans weißem
Savoni^re-Sandstein in edler Einfachheit, 150em
lang, ansgesührt. Die gerade Körperhaltung
mit leichter, seitivärtiger Neigung des Hauptes,
schlaffer Ansstreckung des rechten Armes und
schivacher Bewegung des linkeii gegen den Kör-
per hin, spricht die Ruhe des Todes in natür-
licher nicht zu straffer Weise aus. Die Haare
tvallen vom Haupte in edler Fülle und stilistischer
Anordnung herab. Die Fvrmenbildung der
Fleisch- und Draperietheile sind mit künstlerischer
Anssassnng nnd getvandter Technik unter zarter
Anlehnung an die anatomischen Linien dnrch-
geführt. Das Gesicht zeigt tiefe Empfindung
und erhabenen würdevollen Ausdruck, ivelcher
durch die edle Bildung und Lage der Haupthaare
noch erhöht ivird. Leider ivird der Eindruck der
Figur dadurch etivas beeinträchtigt, daß dieselbe
von der Lendengegend an ein ivenig verkümmert
ist. Doch macht sich dieser Mangel, ivelchen der
Künstler in Zukunft leicht vermeiden könnte,
nicht in auffallend störender Weise geltend.

Im übriges enthält die Krypta vorerst keinen
iveiteren Schmuck, abgesehen von einein alten
kleinen Bild der schmerzhaften Mirtter. Die
Vorhalle, von ivelcher aus man ans 15 Stufen
hinabsteigt, ist im einfachsten malerischen Holz-
baniverk romanischen Charakters nach einer Zeich-
nung des genannten Künstlers konstrnirt. Das
Ganze macht einen ehrivürdigen Eindruck nnd
stimmt sehr zur Andacht. An Sonic- und Feier-
tagen wird die Heiliggrabkapelle vcnr denPfair-
angehörigen viel besucht, bei Gelegeilheit auch
von^Ausivärtigen.

Leit 2. Mai 1897 hat die Geineinde nahe
bei der Kirche durch die Stiftung eires älteren
Jünglings eine neue Andachtsstätte erhalten,
welche mit dem ernsten Charakter der Heilig-
grabkapelle harmonisch znsammenstimmt, einen
ivohlgelungenen K r e u z iv e g. Wie der Ort
überhaupt von Höhenzügen umgeben ist, so er-
hebt sich auch unmittelbar hinter denselben ein
malerischer oben bewaldeter Hügel. Unterhalb
eines Fichtenivaldes wurde im Jahre 1894 ein
MissivnDkreuz errichtet nnd nunmehr vom Fuß
bis zum Kreüz hinauf ein niedlicher Stationen-
weg.

Die Bildstöcke, zu ivelchen der Raum theil-
weise in die Kalkselsen hineingehauen tverden
mußte, tvas in die idyllische Anlage noch reich-
lichere Abtvechslilng bringt, bestehen aus Port-
lau d - C e m e n t-K ic n st st e i n e n Z von Scho-
binger u. Nehftiß iti Ulm. Seit ein paar Jahren
hat diese Technik solche Fortschritte gemacht, daß

Z Etivas Ideales ist solcher Cementguß nicht,
ivie auch bei fabrikmäßig hergestellten Stalionen-
bildern von Kunst nicht die Rede sein kann.
‘ Anm. d. Ned.
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