Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 16
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Zand- und andere Werksteine in nfielt Farben
nachgeahmt werden können. Die Kunststeine
kommen ans der Form mit einem Korn, welches
die Ste ne den Natursteinen sehr ähnlich macht.
Während der frühere Glaltstrichverpntz bald Haar-
risse zeigte, welche der Verwitterung Anhalts-
punkte darbot, bleiben die Produkte jetzt kom-
pakt. Auch iit die Farbe natürlich lebhaft und
unverwüstlich. Selbst der reine Qnarzglanz ist
wie in den Natursteinen vertreten, lieber Festig-
keit, Frostbeständigkeit mtb Abnntzbarkeit wurden
bei den Versuchen ches mechanisch-technischen
Laboratoriums in'München günstige Resultate
erzielt.

Dazu kommt, das; in Folge des vervoll-
kommneten Verfahrens selbst schwierige Profi-
lirnngen, wie man sie bisher nur ans Steinen
ausführen zu können glaubte, präzis hergestellt
werden können.

Diesen Fvrtschrtt in der Cemcntfabrikat'on,
von tvelchem man mit hoher Genehmigung im
vergangenen Jahre beim Kirchenbau in Ram-
mingen Gebrauch machte, glaubte man auch für
die gegenwärtige Stationen-Anlage benützen zu
dürfen. Und in der That, die Erwartungen
wurden vollständig gerechtfertigt. Es wurden
jedoch nicht die schon anderwärts ausgeführten
unschönen Muster gewählt. Vielmehr wurde
von gewandter in den kirchlichen Stilarten ans-
gebildeter Künstlerhand mit großer Sorgfalt
eine gothische Detail,zeichnnng gefertigt, ivelche
tich durch strenges Ebenmaß der Gliederungen,
durch edle Einfachheit, durch gefällige Form und
durch allseitige Rücksichtnahme auf die Verhält-
nisse, insbesondere auch auf das Material ans-
zeichnet. Da die Bildstöcke aller Witterung trotzen
sollen, so ivnrden keine ornamentalen Verzierun-
gen vorgesehen. Nur die vertiefte ernst gehal-
tene Inschrift sollte die Architektur beleben.

Tie Firma Schobinger uN Rehfnß gab sich
groste Mühe, diese wohldurchdachte Zeichnung
genau im Sinne des Künstlers in gelbem Cement-
sandstein auszuführcn. Auch die Inschriften
ivnrden mit scharfen, meist wohlgelnngenen Linien
im Guß hergestellt. Die Beschädigungen beim
Ansschalen und Transport ivnrden mit Sorg-
falt ansgebessert. Die kleinen Mängel an man-
chen scharfkantigenParthieen störenden Gesammt-
eindruck nicht. Dieselben könnten bei gesteigerter
Sorgfalt sicherlich noch mehr vermieden werden.
Sprünge zeigen sich nirgends. TiePBildstocke
sind 2,35 m hoch und bestehen nur ans vier durch
Cement nnd eiserne Diebel unzertrennbar mit ein-
ander verbundenen Theilen (Doppelsvckel, Schaft,
Aufsatz und Kronnngskrenz) im Gesammtgewicht
von gegen 12 Centner bei einem Preise von nur
ca. 40 M.

Die in dem 31 cm liefen Hohlrannt des Auf-
satzes genügend geschützten H o eh r e l i e f s - B i l-
der wurden in der Mayer'schen Hofkunstanstalt
in München hergestellt, ebenfalls um den Preis
von 40 M. pro Stück. Dieselben sind 42 cm
hoch und 28 cm breit, aus Ivetterbeständiger
gebrannter terra cotta ausgeführt.

Mag eine Pfarrkirche noch so sehr zur ^An-
dacht stinimen, das katholische Volk hat ein Be-
dürfniß, neben dem regelmäßigen Ort des Ge- j
betes noch andere Andachtsstätten zu besitzen, '

j welche einem speziellen Geheimniß unserer hei-
ligen Religion oder irgend einem Patron ge-
widmet sind. Wenn dann solche Orte durch die
ganze Anlage und speziell durch die Bildnisse
Herz und Gemüth zu ergreifen geeignet sind, so
sucht es dieselben immer ivieder besonders in
bestimmten Anliegen und Meinungen auf. lind
das tvirkt wiederum günstig zurück auf den Besuch
des Gotteshauses. Daher sollte sich in jedem
Pfarrvrt oder ivenigstens in der Nähe desselben
außer der Kirche irgend ein Andachtsplätzchen
finden, damit das religiöse Leben in Aufschwung
komme oder rege erhalten bleibe. Dieses Plätz-
chen verdient darum aber auch von Seite des
Seelsorgers die volle Aufmerksamkeit. Es kann
für seine Gemeinde und unter Umständen auch
für die Umgegend auf Jahrzehnte oder Jahr-
hunderte hinaus zur reichsten Segensgnelle werden.

INittheilungen.

N. N. Sie fragen: >vo sollen in der
Kirche die K r e u z w e g ft a t i o n e n begin-
nen?

In den Kirchen sollen alle 14 Stationen im
Schiffe (nicht theilweise im Chore oder Pres-
bytvrinm) in der Weise angebracht werden, daß
sie auf der E v a n g e l i e n s e i t e, also links hinten
an der Wand, mit der 1. Station beginnen und
ans der E p i st e l s e i t e, rechts hinten, mit der
14. Station endigen. Es ist ztvar diese An-
ordnnng nicht wesentlich und nothwendig zur
Gewinnung der Ablässe, aber juxta consuetu-
dinem et praxin generalem , quae piis est
innixa congruentiae rationibus (C. J. 13. Mart.
1837). Der Kreuzweg führt also durch die
Nordseite der Kirche nach Osten und geht dann
durch die Südseite dem heiligen Grabe zu. Be-
j treffs der „frommen Gründe der Angemessen-
! heit", ivelche diese Entscheidung der Kongre-
gation im Auge hatte, weisen einige darauf hin,
daß auch die via dolorosa in Jerusalem eine
j nordöstliche Richtung habe, tvährend andere an
j die Symbolik der Nordseite der Kirche denken.

! Krenser (Kirchenban I. 54) schreibt darüber:
j „Bei den Christen ist der Norden die Wohnung
der Finsternis; und darum ivendet sich der Ver-
leset' des Evangeliums nach Norden. Auch i)f
es der Norden nach dem Propheten, von dem
her alles Hebel sich über die Erdenbewohner
ergießt." Es können so die »plae congruentiae
rationes« ans der Symbolik der Nordseite ab-
geleitet iverden, da dieselbe an die Nacht des
Leidens erinnert. Noch bemerken wir Ihnen, daß
eine bloße TranSlocirnng der Kreuze (Stationen
innerhalb des betreffenden Raumes (derselben
Kirche, desselben Klosters u. s. w.) sowie eine
zeitweilige, durch Restaurationsarbeiten oder >vie
immer veranlaßte Entfernung der Stations-
krenze den Bestand des Kreuzweges nicht berührt.

K. in S. Entwürfe zu Beichtstühlen
finden Sie:

a) im roman. Stile „Archiv" 1884 Nr. 8.
dl im goth. Stile „Archiv" 1884 Nr. 11.
c in italienischer Renaissance „Archiv" 1885
Nr. t.

d) Grundriß und Maße „Archiv" 1887 Nr. 10
und 11.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. ..Deutsches Valksbtatt".
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