Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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aber entweder ganz ober mit innerer Back-
steinhintevmauevuug von Uracher und Sec-
bnrger Tnsfstcinqnadern aufgeführt, so daß
die Kirche in ihrer äußern Erscheinung
vollständig ben Anblick eines monumentalen
Qnadergeniäuers bietet. Thüre und Fenster-
einfassungen, Gurten und Hanptgesiinse
aber bestehen aus Keupersandsteiie von
Mittelstadt, im nahen deeckarthale gelegen.
Mit Ausnahme der Seitengänge haben
sämmtliche Räume gemauerte Kreuzge-
wölbe, Tonnen- uub Kuppelgewölbe. Es ist
hier noch besonders ju bemerken, daß rippeu-
lose Gewölbe nicht thenrer zu stehen kommen
als mit Leisten gegliederte Holzdecken.

Zu einer großen Kalamität für eine
Psarrgemeinde, die einem Kirchenban ge-
genübersteht, kann der Kostenvorauschlag
werden, wenn der Architekt an demselben sich
verrechnet, insbesondere, wenn er die Preise
für das Material, die Beifuhr desselben,
die Arbeitslöhne u. s. w. zu niedrig setzt
und so die Gemeinde in Schulden hinein-
bringt, die vielleicht Jahrzehnte lang keine
freudige Stimmung über die neue Kirche
aufkommen lassen. Mußten vollends in
einer armen Diasporagemeinde die Gelder
öffentlich ersammelt werden und der Ban
überschreitet um ein Namhaftes den Kosten-
voranschlag, so ist ein Stadium geschaffen,
das Pfarrer und Gemeinde in halbe Ver-
zweiflnng bringen kann. Um so freudiger
aber ist es zu begrüßen, wenn der Archi-
tekt durch eine sorgfältige und umsichtige
Berechnung mit seinem Kostenvorauschlag
völlig hinauskommt, oder vielleicht sogar
noch einen Ueberschnß erzielt. Hier in
Urach hat Architekt Cades den Voran-
schlag ans 53 000 M. gesetzt und nachdem
die Kirche jetzt fertig ansgesührt ist, hat die
Abrechnung erfreulicher Weise mit einer
Ersparnis von rund 1000 M. abgeschlos-
sen. Allerdings ist zu einem so günstigen
Nesultate auch eine tüchtige Bauleitung
am Platze uöthig unb eine solche hat sich
in dem Bauführer I o h a n n e s S ch weiß
von Türkheim bei Geislingen gefunden,
der mit viel Fleiß und großer Sachkenut-
uiß den Bau geleitet hat. Die Maurer-
uud Steinhauerarbeiteu wurden von
Maurermeister H e i u x i ch Engelhardt
von Urach zur vollen Zufriedenheit der
Banleitung ansgesührt.

Dur lUuppeubild in Londorf.

Von Di-. M o n e in Karlsruhe.

Unter dieser Ueberschrifi brachte das „Archiv
für christliche Knnn" 9er, 2 des Jahrganges 1897
einen Anfirm nebst der Abbildnng des Wappen-
bildes in Londorf.

Es hat mich überrascht, als ich dasselbe Bild
in Bopard am Rhein in der Karmel.ler-Kirche
ivieder fand und zwar m t der Jahreszahl 1519.
Da ans dieser Jal res-Angabe das erivähnie
Bild der Dreifaltigkeit einen knnstgeschichtlichen
Welt erhält, insofern dasselbe der Zeit nach
dem ilUriitct') etwas näher gerückt ist, so will
ich das Boparder Bild eingehend besprechen.

Im Chore der genannten Karmeiiter-Kirche
ans der Evangelienseite ist eine Gedächtnißlafel
oder Grabstein in Soleuhofer Stein gearbeitet
in die Wand eingelassen, lvelcher iu feiner Relief-
Arbeit das Londvrfer Dreisaltigkeitsbild zeig'.
Es ist die Arbeit des Hans Loy in Eich-
stetten (Bayern), ivie die Inschrift besagt:
Loy. II. in Eigstet.

Oben ist die Tanbe des hl. Geistes. Darunter
Gott Vater mit Tiara, lvelcher die Leiche Christi
unter den Armen halt, wobei seine Hände mit
dem Leichentnche verhüllt sind. Die Leiche Christi
ist halb sitzend, halb liegend dargestellt. Die
Gruppe umgeben in folgender Weise sechs Engel,
bez. drei Engelpaare. Vluf der Evangelienseile:
Einer mit Kreuz (der hl. Michael), Einer mit
der Lanze (Chamael?), Einer hält die Dornen-
krone (Erzengel Haniel); auf der Epistelseile:
Einer mit der Geißelsänle (Jophiely Einer hält
ben Arm Christi, Einer das Gewand Gott
Vaters.

Unterhalb dieses Bildes sind folgende Figuren
dargestellt: 1. 2. 3.

1. Margaretha von Eltz, geborne voll
Helmstat, knieend.

2 Ihr Sohn, Georg von Eltz, Landeomm-
thnr der Valley Elsaß, knieend.

3. Heine des Georg von Eltz.

Alt diese bildliche Darstellung schließt sich
folgende Inschrift an:

Nach gütlichem willen ist die edell Und
frumm Frau Margretli von Eltz, geporn von
Helmstat / des 18 tags des monats Marcii im
iar 1500 gestorben, der Gott genad. und hat
ir ehester son Georg / des teutschen ordens
oberster marschalk und landkomentur der
Balley Eisass cet der lieyligen Dreivaltigkayt
zu lob zum trost allen gläubigen seien die
gedechtnus machen lassen im 1519 iar.

Die acht Ahnenwappen, tvelche auf beiden
Seiten des Bildes angebracht sind, lute ans dem
in Londorf, folgen sich in dieser Reihe Volt oben
nach nnten. Heraldisch rechts: Wappen der Eltz,
ein Schild qnergelheilt, ein Schild mit 6 einfachen
111

Adlern 1 1, Wappen der Boos-Waldeck. He-
1

') Herr Dr. Mone schreibt uns nachträglich,
daß nach seiner Ansicht das Monogramm ans
dem betr. Dreifaltigkeitsbild in Münc«n eine
Fälschung sei. (Die Red.)
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