Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

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rii(bi)'d) links: Helutstadt, von der Leye», Flörs-
heim, Randeck.

Die Genealogie der Ahnsranen des N. 9^.
v. Elt; und der Margaretha v. Helmstadt inte-
ressieren uns hier weniger, als das Bild der hl.
Dreifaltigkeit selbst, welches eine Copie eines
Staffeleibildes (?) ist, das vor 1519 gemacht
tvorden sein muß. Im allgemeinen sind die
Wappen heraldisch richtig und wurden unzweifel-
haft nach den Angaben des Deutsch-Ordens
Herrn Georg von Eltz gemeißelt. Ob jedoch
das Original dieser Darstellnng der Trinität ein
Sknlpturwerk oder ein Staffeleibild gewesen sei,
ist weder nach der Boparder Copie noch nach
der Loudvrfer so leicht zu entscheiden. Es sprechen
Gründe für eine plastische Ausführung des Ori-
ginales und es sprechen solche für ein Staffelei-
bild. Nach der Lvudorfer Copie, die nach meiner
Ansicht etwa sechzig Jahre jünger ist, als das
Original, konnte man geneigt sein, das letztere
dem Haus Burgkmair, gest. 1531 oder dein
Bernhard Strigel von Memmingen, der ein
Zeitgenosse Burgkmairs war, zuzusprechen. Ein
endgiltiges Uriheil wird jedoch erst dann ge-
sprochen werden können, wem: noch mehrere
Copien bekannt werden und vielleicht das Ori-
ginal aufgesunden wird. Dazu mögen diese
Zeilen beitragen.

Der Rohrdorfer Altar und die Gemälde
zu Gündriugen.

Von Pfarrer Reiter in Vollmaringen.

(Schluß.)

Marias Gesicht ist länglich, die Stirne hoch, die
Augenbrauen klein, die Haare fein gezogen,
auf beiden Seiten einige Lockenbüschel zeigend.
— Der Erzengel, mit hell rotem Pluviale ge-
kleidet, hat sich ans ein Knie niedergelassen,
während das andere Knie nur halb gebogen ist.
Seine Angen sind ans die demiithige Magd gerichtet,
ans seinem Antlitze thront ehrerbietige Freude,
sein Haupt schmückt ein sinniger Blumenkranz.

Die Flügel sind buntfarbig: das steinbesetzte
Scepter scheint von beiden Händen gehalten zu
werden, nur daß die Rechte noch zwei Finger
zum Segnen ansstreckt.

Die im Vordergründe stehende Säule ist durch-
sichtig und wohl als Säule von Kristall gedacht,
tvelcher nach Kourad von Würzbnrg (Goldene
Schmiede) die Reinheit Mariens symbolisiren
soll. Dieselbe Bedeutung hat der auf dem Ge-
simse angebrachte Topf mit den Lilien ohne
Staubfäden. Eltvas räthselhaft ivill uns das
Böglein Vorkommen, tvelches links vom iGesimse
herunterschaut. Würde dasselbe grün sein, so
würden mir an den Sittig denken, tvelcher
öfters aks Attribut Mariens erscheint. „Wie
der Sittig im schönsten Grasgrün glänzt und
doch nicht ivie gemeines Gras beregnet tvird,
sondern sich immer trocken hält, so gebar die
hl. Jungfrau Maria uns den einigen Frühling
und blieb doch Jungfrau." Allein der Vogel
zeigt nicht die grüne, sondern die gelbe (unten)
und die blaue Farbe (oben). Ist er vielleicht
mit dem Himmelsboten als Bote des Frühlings
aufzufassen? Oder soll er gar Christum den

Herrn selbst symbolisiren, welcher sich bei der
Menschwerdung einsperren lassen will? — Das
Gemälde ans der Rückseite des Bildes ist zer-
stört. Wahrscheinlich ivar hier die Geburt des
hl. Johannes angebracht.

Betrachten mir die Tafel, welche den Neben-
altar auf der Epistelseite ziert und die Ge-
burt Christi darstellt. Irren mir uns nicht,
so haben mir eine ähnliche Darstellung schon
einmal in einer Kirche Würzburgs gesehen. Im
Hintergründe rechts vom Beschauer aus der einen
Anhöhe Bethlehem, aus der anderen weidende
Schafe mit ihrem Hirten, auf dem dazwischen-
liegenden, thalabivärts führenden Wege zwei
kleine Figuren. Der Ort der Geburt ein zer-
fallener, Spuren von romanischer und gothischer
Bauiveise tragender Stall; an der Mauer links
ein kleines Strohdach, die Mauer selbst hier so
hoch, daß inan nicht in die Ferne blicken kann.
Das Christkind liegt nackt und bloß aus einem
steinernen oder hölzernen Block, fast schmerzlich
empfindend seine jetzige Lage. Die Blöße, welche
an die Armulh und Dürftigkeit des Heilands
erinnern soll, tvill etwas verletzend wirken, doch
tvird diese Wirkung gemildert durch eine Gruppe
voit 5 Engeln, (sonst sind es meistens 3), welche
die unmittelbare Umgebung des göttlichen Kindes
bilden (Ochs und Esel schauen von der Mauer
herüber) und ihm ihre Huldigung darbriugen.
Dieselben zeigen jugendliche Formen, mannig-
fache Gewandung und mannigfache Farben.
Zivei von ihnen hallen ein Nvteuheft und singen,
drei halten in der linken Hand ein brennendes
Kerzlein. Weitere drei Engel schweben oben in
der goldenen Luft mit einem Notenblatt, unter
tvelchem die Worte zu lesen: Glia in excelsis
deo et in ter. Etwas von der unteren Engels-
gruppe entfernt, so ziemlich in der Mitte des
Gemäldes kniet anbetend Maria. Ihr Kleid grün,
ihre Augen und ihre Hände gesenkt, ihre Haare
tvunderbar fein, ans ihrem Angesichte keusche
Jungfräulichkeit. Seilivärts von Maria schreitet
in etwas gebückter Haltung im Habit eines
Laienbruders il veccliiarel, der hl. Joseph, tvelcher
in der rechten Hand ein Kerzenlicht trägt, das
er mit der linken vor Zugluft schützen tvill.
Der tveißliche Bart sowie die weißlichen Haupt-
haare kennzeichnen ihn als einen alten Mann,
während aus der rotheu Kapuze (roth die Köuigs-
farbel ein fast jugendliches Gesicht hervorschaut.
Die Zeichnung des hl. Joseph mit dem Lichte
ist nach Mvne (Die bildenden Künste am Bruh-
rain re.) allegorisch. Christus ist das Licht, das
in die Welt kam, um alle Menschen zu erleuch-
ten, der hl. Joseph hatte die Pflicht, über dieses
Licht zu tvachen. — Etwas Genrehaftes liegt in
dem Umstande, daß von dem schivarzen Leder-
gürtel des hl. Nährvaters ein Beutel und ein
Messer Herunterhaugen. Ein genrehafler Zug
ist es auch, daß auf unserem Bilde links in
einer Nische ein Krug und nicht meit davon ein
Heerd angebracht ist, auf tvelchem man Eier
(Anspielung auf die frühere Eierbescheukung an
Weihnachten?) und einen Blasbalg erblickt. Von
einer realistischen Ader zeugen ferner vier Ge-
sichter, von ivelchen zivei über die Mauer und zivei
durch romanische Fensteröfsnnngen voll Neugierde
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