Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 16.1898

Seite: 27
DOI Heft: 10.11588/diglit.15903.23
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15903.24
DOI Artikel: 10.11588/diglit.15903.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.15903#0035
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1898/0035
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
so darf doch nicht vergessen werden, daß
gerade siir jene Zeit die Ravensburger
Dokumente theils sehr lückenhaft sind,
theils ganz fehlen. Unter solchen Um-
stünden verdient Beachtung, daß der Ge-
schlechtsname Schramm etwas später 1566
nach Hafner (Geschichte von Ravensburg,
S. 543) thatsächlich dort vorkommt.
Dieser Eintrag im Dausbuch ist ganz ge-
eignet, die früheren Lücken einigermaßen
zu ergänzen und eine Stütze für die Nach-
richt bei Dnrfch darznbieten.

Faßt man den gegenwärtigen Stand
der Frage über die Existenz des Fr.
Schramm znsamnren, so ist nicht zu ver-
kennen, daß eine endgiltige Entscheidung
erschwert wird, bauptsächlich durch den
Unrstand, daß von Hirscher, bem ersten
Besitzer der Madonna, schriftliche Aufzeich-
nungen nicht vorliegen. Die ersten An-
gaben über diese Hirfchersche INadonna
bei Manch und Grlineifen und bei Waagen
sind unzureichend und tragen die Form
von nur gelegentlichen Mittheilungen. Auf-
salleud lange Zeit stand es an, bis genauere
Nachrichten von Dnrfch, der solche geben
konnte und wollte, nütgetheilt wurden.
Aber auch diese Nachrichten finden sich erst
in dein Nachtrag 51t seiner Aesthetik und
wurden von den üNeisten übersehen.
Unter solchen Umstünden bemächtigte sich
die Kritik des Gegenstandes und zögerte
nicht, ihre rein negativen Resultate zu
verkündigen. Von unserer Seite wurde
zwar die Nachricht von Dursch alsbald
linb gebührend hervorgehoben; aber die
Herstellung des positiven historischen Stand-
punktes stößt, ivie die Erfahrrmg lehrt,
ans Schwierigkeiten.

Und doch ist die Nachricht bei Dursch
weder in sich selbst unhaltbar, noch wider-
spricht sie den Dokumenten; dieselbe findet
vielnrehr in dem Eintrag im Taufbuch
von 1566 nachträglich eine Ergänzung,
die recht werthvoll ist, da Dursch von
diesem Eintrag sicher keine Kunde haben
konnte.

Es ist ja zuzugeben, daß Kritik geübt
werden darf und muß, aber vor der Klippe
der Hpperkritik nruß nran sich hüten.
Unsere Zeit hat die Aufgabe, die Bau-
steine für die Kunstgeschichte sorgfältig 511
sammeln und vorsichtig aufzubauen,
nicht aber vorschnell niederzureißen.

Dichte von Malereien in (Lomburg.

Von Zuchthauspfnrrer Mayer in Ludwigsburg.

Wenn wir daran gehen, die letzten Reste
und Spuren der Malereien in bem einstigen
Benediktinerkloster und nachmaligen adeligen
Chorherrnstifte (von 1488 an) zu beschrei-
ben, so geschieht es aus einem doppelten
Grund. Einerseits möchten nur die jetzt
noch vorhandenen Reste aufzählen und
dadurch wenigstetls die Nachricht hievon
auf die komnrenden Jahrhunderte vererben,
ehe die zerstörenden Einflüsse der Zeit die-
selben vollends verwittert haben, und der
Nachwelt liberliefern, wie reich Conrburg
an Wandrnalerei war; andererseits möchten
wir auf diese Reste anftnerksanr nrachen
und vielleicht dadirrch zu ihrer Erhaltung
beitragen.

I.

Aus der Uebergangszeit ins Gothische
stamnren 1. v i e r b e m alte B allen der
Decke in der Schenkenkapelle mit Orna-
menten und Maeander an beiden Enden
(mit frühgothischen Anklängen nach Schmit-
gen). Wahrscheinlich stannnen dieselben
von der ursprünglichen Bedeckung der Kapelle
uitb sind noch in den verschiedenen Farben
gut erkennbar.

2. Aus derselben Zeitperiode haben sich
noch Reste von Wandgemälden et in.
Archiv erhalten. Auf der Südseite der
Gallerte mit den Zwergfäulchen (gegen die
Stiftskirche) befindet sich zwischen zwei
fast zur Hälfte von unten geschlossenen
Thüröffnungen ein viereckiges Fenster mit
einem Zwergfäulchen mit Knollenkapitäl.
Dieses Kapitäl und die westliche Fenster-
leibung und die östlichen Thürpfosten weisen
Spuren von Wandgemälden ans der Zeit
der Erbauung dieses Sexagons auf. An
den Thürleibungen sehen wir noch Ritter
mit Schild und Speer in zweidrittel natür-
licher Größe; am Fenster ebenfalls die
Umrisse einer menschlichen Figur. Diese
Reste haben Aehnlichkeit mit der frlih-
gothifchen Wandbemalung in einer Fenster-
nische ans der Kirche in Liebenzell, welche
in der Sammlung vaterländischer Alter-
thüruer in Stuttgart aufbewahrt ist.

II.

Aus der gotlftschcn Zeit befinden sich in
Comburg noch einige Reste von $ a ß -
loading ...